Schwarzenborn: Schwerhörige setzt beim Hundetraining auf Körpersprache

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Eine Schmuseeinheit auf dem Sofa: Magdalena Finn mit ihren Hunden Maylo, Ayleen und Milan (v.l.).

Magdalena Finn ist seit Geburt schwerhörig. Dass die Schwarzenbörnerin dadurch keinesfalls eingeschränkt ist beweist sie beim Training mit ihren drei Hunden.

Schwarzenborn. Ein einziger Blick und ein kleines Handzeichen genügen, damit die elfjährige Terrierdame Ayleen genau weiß, was ihr Frauchen Magdalena Finn von ihr möchte. Flink und mit gespitzten Ohren läuft sie rückwärts durch die Beine ihrer Vertrauensperson, ihre Augen sind dabei die ganze Zeit auf Finn gerichtet. Die Beziehung der beiden ist innig. Es ist zu spüren, dass sie sich bereits seit elf Jahren kennen und blind vertrauen. Worte benötigen die beiden nicht, um sich zu verständigen. Und das hat einen Grund: Magdalena Finn ist seit Geburt schwerhörig.

Auf Körpersprache schnell reagieren

Obwohl sie sich dank ihrer Hörgeräte fast uneingeschränkt verbal verständigen kann, hat die 24-Jährige ein sensibles Gespür für Körpersprache. Sie scheint immer zu wissen, was ihre Vierbeiner als nächstes tun werden. Blitzschnell kann sie deshalb reagieren und weiß genau, worauf es ankommt.

„Zur Korrektur setze ich manchmal auch Laute ein, aber hauptsächlich geht es um Körpersprache. Wenn ich keine verbale Sprache benutze, müssen sie immer auf mich achten. Dadurch habe ich ihre ständige Aufmerksamkeit. Der Blickkontakt macht es einfacher, ihnen Kommandos zu geben“, sagt die 24-Jährige.

Er weiß genau, was sein Frauchen will. Maylo läuft Slalom durch die Beine von Magdalena Finn.  

Die Arbeit mit ihren drei Hunden hat sie in ihrer Entwicklung positiv beeinflusst. Wegen ihrer Behinderung erlebt Finn immer wieder Rückschläge. Doch aufgeben kommt für die lebensfrohe Schwarzenbörnerin nicht in Frage. Ihre Kraft tankt sie im täglichen Training mit ihren Hunden.

Vor zweieinhalb Jahren hat sie sich ihren größten Wunsch erfüllt und sich einen Border Collie zugelegt – ihre Lieblingsrasse. Mit Maylo trainiert sie vor allem „Mantrailing“. Dabei sucht der Rüde mit einer Duftfährte nach einer bestimmten Person. „Das macht ihm besonders viel Spaß“, sagt Magdalena Finn. Das wichtigste am Training seien allerdings Übungen, die das Vertrauen aufbauen und stärken.

Zurzeit bringt sie dem neuesten Familienmitglied Milan die Grundkommandos bei. Der sechs Monate alte Border Collie dürfe noch kein langes sportliches Training machen, da seine Gelenke der Belastung noch nicht standhalten könnten. „Mit ihm übe ich dafür beispielsweise Leinenführigkeit. Wichtig ist außerdem, dass ich ihm ins Maul schauen und die Pfoten überprüfen darf, für den Fall, dass er sich mal verletzt“, erklärt sie.

Leidenschaft zum Beruf machen

Ihre Leidenschaft für Tiere möchte Magdalena Finn gerne auch beruflich ausleben. Sie träumt von einer Ausbildung zur Tierarzthelferin und sucht aktuell nach einem Job. „Es ist einfach toll mit Tieren zu arbeiten. Das möchte ich seit meiner Kindheit“, sagt sie. Ihre Schwerhörigkeit würde sie bei der Arbeit nicht einschränken. Bei der Kommunikation mit Tieren sei sie ohnehin auf keine Worte angewiesen. Aus diesem Grund hofft sie, bald eine passende Stelle für sich zu finden.

Ihre Erfahrungen im Hundetraining gibt die 24-Jährige mittlerweile an Freunde weiter. Sie passt auch auf die Vierbeiner von Bekannten auf, wenn die beruflich oder privat ein paar Wochen unterwegs sind. Liebevoll umsorgt sie dann die Hunde und bringt ihnen in dieser Zeit sogar noch etwas bei. „Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn ich sehe, dass die Hunde etwas Neues gelernt haben. Mich macht dieser Erfolg glücklich“, sagt sie.

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