Spendenscheck für todkranke Kinder von "Kleine Riesen Nordhessen"

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Wichtige Unterstützung für die schwere Arbeit des Vereins „Kleine Riesen Nordhessen“: Hanifi Ögretmen übergibt 2.000 Euro an die Mitarbeiterinnen des Verein (v.li.) Martina Fröhlich, Dr. Andrea Aschenbrenner, Anke Griesel und Birgit Mehling. Und weitere...

Für einen letzten Herzenswunsch: Havana Bar und T u. H Gebäudereinigung in Neukirchen spenden 2.600 Euro an „Kleine Riesen Nordhessen“

Neukirchen/Kassel. Auch die letzte Therapie hat nicht angeschlagen. Das kleinste Fünkchen Hoffnung auf Leben ist erloschen. Die Krankheit hat gewonnen. All die langen und schmerzhaften Krankenhausaufenthalte waren letztendlich vergebens. Der Tod ist unausweichlich. Trifft es dann auch noch ein Kind, ist die Fassungslosigkeit umso größer.

Todkranke Kinder – das ist ein Tabu-Thema, über das niemand sprechen möchte. Die Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins "Kleine Riesen Nordhessen" (siehe EXTRA-INFO) reden nicht nur darüber, sie haben täglich mit betroffenen Kindern zu tun.

Ihr Ziel: Die letzten Tage im Leben so würdevoll und schön wie möglich zu gestalten. Nicht in einer Klinik, sondern zu Hause – bei Eltern und Geschwistern. "Wir ermöglichen, dass die Kinder zu Hause bleiben können. Die wollen auch verständlicherweise nicht mehr zurück ins Krankenhaus", erklärt Martina Fröhlich, Pflegerische Leitung bei "Kleine Riesen".

Bei ihrer Arbeit ginge es jedoch nicht nur um die Betreuung der Erkrankten. "Wir begleiten die ganze Familie. Die Arbeit mit den Angehörigen ist sehr wichtig. Wir versuchen vor allem die Eltern und mögliche Geschwister darauf vorzubereiten, ihr Kind loslassen zu können", sagt Dr. Andrea Aschenbrenner, Palliativmedizinerin bei "Kleine Riesen".

Dazu zählen auch letzte Herzenswünsche. "Auch das gehört zu unserer Arbeit – den Kindern noch einmal etwas Besonderes ermöglichen, dass sie bisher noch nicht verwirklichen konnten. Dafür sind wir aber auch auf Spenden angewiesen", erzählt Martina Fröhlich.

Mit Hanifi Ögretmen kann der Verein jetzt auf einen weiteren Unterstützer bauen. Der Unternehmer aus dem Neukirchener Ortsteil Seigertshausen übergab kürzlich gleich zwei Spendenschecks an vier Mitarbeiterinnen der "Kleinen Riesen". 2.000 Euro gab es von Ögretmens Firma T&H Gebäudereinigung.

Der Unternehmer ist jedoch auch Inhaber der Neukirchener Cocktail-Lounge "Havana Bar" und konnte seine Belegschaft ebenfalls für eine Spende gewinnen. 300 Euro steuerte das Bar-Team bei – Ögretmen gab noch einmal 300 dazu, sodass insgesamt 2.600 Euro an die "Kleinen Riesen" übergeben werden konnten.

"Das sind Schicksale, die sehr unter die Haut gehen. Ich hoffe, dass durch unsere Spende diesen Kindern noch einmal ein großer Wunsch erfüllt werden kann", sagt Ögretmen, der selbst Vater von sechs Kindern ist. Bei einer einmaligen Spendenaktion solle es nicht bleiben.

Der Seigertshausener wolle mit dem Verein in Kontakt bleiben und auch die Arbeit in Zukunft unterstützen und wünscht sich: "Es müssen noch mehr Menschen auf diese wichtige Arbeit aufmerksam werden und helfen. Das, was diese Menschen täglich leisten, kann man nicht genug würdigen", betont Ögretmen.

"Kleine Riesen Nordhessen"

Gegründet wurde der gemeinnützige Verein "Kleine Reisen Nordhessen e.V." im April 2014. Der Verein ist rechtlicher Träger des ambulanten "KinderPalliativTeam Nordhessen" und setzt sich für den weiteren Aufbau und die zuverlässige Etablierung des ambulanten Teams ein.

Zu den Aufgaben von "Kleine Riesen Nordhessen" zählt auch die Spendenakquise, um den Kindern und Jugendlichen letzte Wünsche zu erfüllen. Das Team der "Kleinen Riesen" ist eines von dreien in Hessen, das sich auf Kinderpalliativversorgung spezialisiert hat. Sie sind für den gesamten Bereich Nordhessen tätig.

Derzeit werden sechs Kinder und Jugendliche betreut. Maximal kann der Verein zwischen 15 und 20 versorgen.

Mehr zum Verein und Spendeninfos gibt es auf www.kleine-riesen-nordhessen.de.

Schweigen hilft nicht

Natürlich ist es ein schwieriges Thema, über das keiner sprechen, geschweige denn überhaupt nachdenken möchte. Kinder und Tod, das will niemand hören. Durch die jüngsten Ereignisse in Seigertshausen sind wir jedoch alle schonungslos von der Realität eingeholt worden.

Im Fall der drei ertrunkenen Geschwister im Neukirchener Ortsteil war es ein tragischer Unfall, der Eltern und Geschwistern ihre Lieben genommen hat. Die Anteilnahme und die Hilfsbereitschaft vieler Menschen aus der Region ist groß. Jüngst hat die Dorfgemeinschaft in Seigertshausen sogar ein Spendenkonto eingerichtet, um die Familie zumindest finanziell unterstützen zu können.

All das bringt den Betroffenen ihre Kinder nicht zurück. Dennoch sind diese Zeichen der Außenstehenden richtig und wichtig. Sie signalisieren der Familie, dass sie in ihrer Trauer nicht alleine ist. Die Aufgabe dieser starken Dorfgemeinschaft übernehmen die Mitarbeiter des Vereins "Kleine Riesen Nordhessen" jedoch täglich.

Die Kinder, die sie betreuen, werden sterben. Der Verein ermöglicht es ihnen, ihre letzten Wochen und Monate zu Hause erleben zu dürfen und ihnen auch nochmal einen Herzenswunsch zu erfüllen. Diese Arbeit verdient meinen höchsten Respekt.

Ich könnte es nicht. Aber ich könnte helfen. Wir alle könnten helfen. Mit einer kleinen Spende, die bei Erkrankten und Eltern zumindest für ein bisschen Normalität und Freude in dieser ausweglosen Situation sorgen kann. Man tut sich schwer darüber zu reden, es darf aber kein Tabu-Thema sein. Das wäre der falsche Weg. Denn: Schweigen hilft diesen Kindern nicht.

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