Stadtverordnete beschließen möglichst schnellen Baubeginn am Planschbecken in Ziegenhain

+
Kinder sollen so schnell wie möglich auch wieder im Ziegenhainer Schwimmbad planschen und toben können.

Nachdem die Kinder zwei Badesaisons lang auf ihr Planschbecken im Ziegenhainer Freibad warten mussten, soll jetzt schnellstmöglich mit dem Bau eines neuen Beckens begonnen werden. Dabei sorgte die Beschlussfassung, die früher als geplant im Stadtparlament anstand, für reichlich Zündstoff.

In den Sommermonaten 2016 und 2017 mussten Schwalmstädter Babys und Kleinkinder auf ihr Planschbecken im Ziegenhainer Freibad verzichten. Das Thema Freibadsanierung wurde immer wieder in politischen Gremien und der Öffentlichkeit heiß diskutiert. Jetzt soll es vorangehen. In der jüngsten Sitzungswoche hatte Schwalmstadts Bürgermeister Stefan Pinhard eine aktuelle, überarbeitete Planung zur Sanierung ausgegeben.

Hier soll schnellstmöglich ein neues Planschbecken entstehen.

Nach Beratschlagung in den politischen Gremien sollte im März eine Entscheidung über das zeitliche und konzeptionelle Vorgehen bei der Sanierung fallen. Den Fraktionen von CDU, FWG, Grünen, FDP und Linke dauerte das zu lange. Noch vor der jüngsten Stadtverordnetensitzung am 1. Februar arbeiteten sie kurzerhand einen Antrag aus, mit dem sie Verwaltungschef Pinhard und die SPD-Fraktion überraschten. A

m Abend vor der Parlamentssitzung war die unter der Federführung der CDU ausgearbeitete Beschlussvorlage per E-Mail an alle Fraktionsvorsitzenden geschickt worden – zu kurzfristig für die SPD, um innerhalb der Fraktion noch über den Antrag zu beraten.

SPD kritisiert Vorgehen und bietet Kompromiss an

So musste die Statdverordnetensitzung für zehn Minuten unterbrochen werden, damit sich die Sozialdemokraten zur Beratung zurückziehen konnten. Stadtverordneter Tobias Kreuter bezeichnete die Vorgehensweise als „Hoppel-Hoppel-Schweinsgalopp“. Die spontane Vorlage aus den Fraktionen werde der Wichtigkeit des Themas nicht gerecht. Es wäre eher im Sinne der Schwalmstädter Bürger und vor allem Kinder gewesen, das Thema – wie bereits in der Stadtverordnetensitzung im Dezember 2017 angekündigt – mit einer gut ausgearbeiteten Vorlage aus der Verwaltung ausreichend in den Ausschüssen zu diskutieren.

„Ich finde es unmöglich, dass man einen Abend vor der Stadtverordnetensitzung eine Beschlussvorlage mit schwer zu verstehenden Fragen bekommt“, machte Parteigenosse Michael Schneider seinem Ärger Luft. Er mahnte, dass die Zahlen in der Vorlage widersprüchlich und ohnehin eher spekulativ seien. Welche Preise sich ergeben, wisse man noch nicht. Schneider gab auch zu bedenken, dass es schwierig werden könnte, die Planung der städtischen Bauverwaltung zu überlassen: „Ich bezweifle, dass ein Kopf oder der Chef im Bauamt alle technischen Fragen beantworten kann.“

Die Beschlussvorlage, die CDU-Fraktionsvorsitzender Marcus Theis erläuterte, sah vor, dass die Planungen für Plansch- und Nichtschwimmerbecken „weitgehend im eigenen Hause“ stattfinden. Dadurch sollen Honorare für externe Planer eingespart werden. „Ich verstehe aber, dass auf einen Fortschritt gedrängt wird“, gab sich Schneider in der Grundsache verständnisvoll. Seine Fraktion wolle der Entwicklung deshalb nicht im Wege stehen. Die SPD unterbreitete einen Kompromiss-Vorschlag: „Wir beschließen den Grundsatzteil und die Detailfragen werden in den Ausschüssen beraten.“

Wird Bürgern falsche Hoffnung gemacht?

Wenige Tage nach der Stadtverordnetenversammlung meldete sich die SPD-Fraktion noch einmal zu Wort – diesmal in Form einer Pressemitteilung vom Fraktionsvorsitzenden Daniel Helwig. Der kritisiert den gefassten Beschluss (siehe EXTRA-INFO) als „Hau-Ruck-Aktion“, die falsche Hoffnungen wecken könnte. „Das politische Signal, dass der Bau der Becken endlich starten soll, hätte auch gut vorbereitet im März gegeben werden können. Der Antrag erweckt nun die Hoffnung bei den Bürgern, dass es möglich sei, dass das Planschbecken noch im Laufe der Badesaison 2018 eröffnet werden könnte.“ Auf den Baulärm, der Badegästen entstehen könnte, wenn während des Betriebs saniert würde, hatte Michael Schneider bereits im Stadtparlament hingewiesen.

Stefan Pinhard macht auf Einflussfaktoren aufmerksam

Wie realistisch es ist, dass Kinder noch in diesem Jahr im neuen Planschbecken toben können, wollten wir von Stefan Pinhard wissen. Schwalmstadts Bürgermeister will der Öffentlichkeit nichts vormachen. Zu viele Einflussfaktoren seien noch unklar: die technische Umsetzung, die Auftragslage der Handwerker und die Frage, inwieweit der Anschluss an die Wassertechnik im laufenden Betrieb erfolgen kann. „Es ist im Moment noch wie Glaskugel-Lesen“, bringt es Pinhard auf den Punkt.

„Auch wenn wir zeitnah die Ausschreibung vorbereiten, werden wir mit großer Sicherheit nicht vor Beginn des Badebetriebs mit der Sanierung des Planschbeckens beginnen können.“ Bei den Bauarbeiten, die dann zwangsläufig während des Schwimmbad-Betriebs stattfinden müssen, sei auf das Wohlbefinden der Badegäste zu achten. Von der Baustelle sollten sie so wenig wie möglich mitbekommen. „Auch wenn wir alle an einem Strang ziehen, habe ich die Befürchtung, dass das Planschbecken erst im nächsten Jahr fertig wird“, so Pinhards Einschätzung.

Marcus Theis erklärt begrifflichen Unterschied

Den Vorwurf aus der SPD, dass der Antrag zu kurzfristig gestellt wurde, kann Marcus Theis nicht nachvollziehen. Auf Nachfrage des SCHWÄLMER BOTE erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende, dass der Antrag nicht – wie öffentlich oft behauptet – zwischen der Ausschusssitzung am Dienstag und der Stadtverordnetensitzung am Donnerstag auf die Schnelle geschrieben worden sei. Der Antrag sei schon Anfang Januar fertig gewesen. Die SPD sei gebeten worden, sich an der Ausarbeitung zu beteiligen. Das aber habe sie laut Theis nicht getan. „In einer Gemeinschaftssitzung zum Haushalt 2018 haben wir festgestellt, dass dort keine Positionen zur Freibadsanierung vorhanden waren.

Es hieß, die Verwaltung hätte Vorschläge zum Thema gemacht, die das Parlament nicht angenommen hatte. Jetzt seien die Stadtverordneten am Zug. Mit dem jetzigen Antrag ging es uns hauptsächlich darum, dass erst einmal begonnen wird“, so Theis. Er stellte klar, dass der Antrag nicht fordere, das Planschbecken noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen, sondern es – wenn möglich – fertigzustellen. Aus technischen Gründen ist Theis die begriffliche Unterscheidung wichtig: „Da die Zuleitung durch den Schwimmkanal führt, muss das Nichtschwimmerbecken erst außer Betrieb genommen werden, um das Planschbecken überhaupt in Betrieb nehmen zu können.“

Das Planschbecken könne 2018 fertiggestellt und 2019 in Betrieb genommen werden. In 2020 könne das Projekt komplett fertig sein. Das halte ich für realistisch“, so Theis. Mit dem angenommenen Antrag seien außerdem viele Details längst noch nicht in Beton gegossen. Es könne auch jetzt noch ausreichend beraten werden. „Deshalb empfehle ich vor den Ausschussitzungen ein Arbeitsgespräch. Dabei könnte man schon einmal die Vorstellungen aller eruieren“, so Theis’ Idee.

Und was wäre gewesen, wenn die Stadtverordneten die geplante Beschlussvorlage für ihre Sitzung im März abgewartet hätten? „Dann hätte es wieder Sturköpfe gegeben, die keine Kompromisse hätten eingehen wollen – womöglich auch auf unserer Seite“, gibt Theis kritisch zu. Sein Ansinnen sei es jetzt, wieder Ruhe ins Thema und ins Parlament zu bringen. „Wir müssen auch wieder die SPD mitnehmen“, so der CDU-Fraktionschef.

Der Beschluss

Mit 20 Ja-Stimmen, zwölf Nein-Stimmen und einer Enthaltung beschlossen die Stadtverordneten: Es soll, sobald die Wetterbedingungen es zulassen, mit der Sanierung des Kinderplanschbeckens begonnen werden. Die Ausführung wird konform der von der Verwaltung vorgestellten Variante Kinderplanschbecken „Dettenhausen“, 20 qm Wasserfläche + 75 qm Wasserspielfläche ausgeführt. Die vorhandene Badetechnik wird, soweit es technisch möglich ist, genutzt.

Die Planungen für das Nichtschwimmerbecken sollen den Gremien bis spätestens zur Stadtverordnetensitzung im April 2018 vorgelegt werden. Wichtig für die Vorstellung ist eine detaillierte Aufschlüsselung der Preise für die jeweiligen vorgestellten Varianten. Auch sollte möglichst vollständig dargestellt werden, welche Fördermittel – insbesondere aus dem Programm SWIM – zu erwarten sind.

Für die Planungen des Nichtschwimmerbeckens sind zwei Varianten vorzulegen, einmal eine Folienvariante sowie daneben eine Edelstahlvariante. Es wird angestrebt, dass am Ende der Entscheidungsfindung die hochwertigere Variante den Zuschlag erhält, abhängig von der Kosten-Nutzen-Analyse. Die Maßnahme ist noch im Kalenderjahr 2018 anzufangen und 2019 fortzuführen. Die Planung beider Becken soll weitgehend im eigenen Hause stattfinden.

Die Freilandanlagen sollen konform des Schwimmerbeckens im eigenen Hause geplant werden. Die Maßnahme Nichtschwimmerbecken soll im SWIM-Programm 2018 angemeldet werden. Um eine zügige Umsetzung zu gewährleisten, sollen zusätzlich zu den KIP-Mitteln weitere 150.000 Euro in den Haushalt 2018 eingestellt werden. Die restlichen erforderlichen Mittel sind für 2019 einzukalkulieren.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

"Gemeinsam ins Alter Schwalmstadt" stellt Entwurf für Wohnkomplex vor

Das Wohnobjekt für Senioren ist noch in der Planung. Der Verein, der für die Organisation zuständig ist, hat jetzt einen ersten Entwurf erarbeitet.
"Gemeinsam ins Alter Schwalmstadt" stellt Entwurf für Wohnkomplex vor

Interview: Schwalmstadts CDU-Fraktionschef Marcus Theis stellt sich unseren Fragen

Er ist der Nachfolger von Karsten Schenk: Marcus Theis. Der Wieraer ist neuer Chef der CDU-Fraktion im Schwalmstädter Stadtparlament. Im Interview mit lokalo24.de steht …
Interview: Schwalmstadts CDU-Fraktionschef Marcus Theis stellt sich unseren Fragen

Nach Tod von drei Kindern in Seigertshausen: Neukirchens Bürgermeister Olbrich angeklagt

Nach der Tragödie im Löschteich des Neukirchener Stadtteils Seigertshausen, bei der im Juni 2016 drei Kinder ertrunken waren, ist jetzt Klage gegen Neukirchens …
Nach Tod von drei Kindern in Seigertshausen: Neukirchens Bürgermeister Olbrich angeklagt

Schrecksbacher im hr-Fernsehen: Maik Wagner aus Röllshausen tritt im Hessenquiz an

Großer TV-Auftritt für Maik Wagner aus Schrecksbach-Röllshausen: Der Schwälmer tritt am Sonntag im "Hessenquiz" des hat-Fernsehens an.
Schrecksbacher im hr-Fernsehen: Maik Wagner aus Röllshausen tritt im Hessenquiz an

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.