Teichunglück Seigertshausen: Bürgermeister Olbrich veranlasst hausinterne Untersuchung

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Müssen sich neuen Vorwürfen stellen: Bürgermeister Klemens Olbrich (li.) und sein Anwalt Karl-Christian Schelzke.

Im Fall der drei ertrunkenen Kinder in Seigertshausen wird erneut ermittelt. Bürgermeister Klemens Olbrich hat nun selbst eine interne Untersuchung veranlasst.

Neukirchen. Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich wurde im Februar vom Amtsgericht Schwalmstadt wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen erstinstanzlich zu einer vorbehaltenen Geldstrafe verurteilt, nachdem im Sommer 2016 drei Kinder in einem Teich im Ortsteil Seigertshausen ertrunken waren (wir berichteten). Nun überprüft die Staatsanwaltschaft Marburg, ob während des Strafverfahrens im Januar und Februar insgesamt sechs Zeugen im Alter von 32 bis 77 Jahren falsch ausgesagt und damit versucht haben, eine Verurteilung Olbrichs zu vereiteln.

Dem Bürgermeister selbst wird vorgeworfen, die Zeugen dazu angestiftet zu haben. „Das ist völlig absurd und abwegig. Ich bin mir dessen keiner Schuld bewusst und habe weder Zeugen beeinflusst noch manipuliert“, sagt Olbrich im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe kein Interesse daran, etwas zu verheimlichen und möchte, dass alles auf den Tisch kommt. „Es ist ungeheuerlich und ein schwerer Schlag, in welcher Art ich nun kriminalisiert werde. Die Hausdurchsuchung ging meiner Familie und mir unter die Haut. So etwas kennt man sonst nur aus dem Fernsehen“, erzählt er. Hintergrund der aktuellen Ermittlungen ist ein Schreiben einer Versicherung an die Stadt Neukirchen aus dem Jahr 2014, in dem die Teichanlage für Kinder als verkehrsgefährlich eingestuft und eine Einzäunung des Geländes empfohlen wird, um insbesondere spielende Kinder von der Teichanlage fernzuhalten. „Dieses Schreiben der Haftpflichtversicherung hatte ich nicht mehr auf dem Schirm. Erhalten haben wir es im April 2014, ich habe es selbst abgestempelt und dann an die zuständige Abteilung weitergeleitet“, sagt Olbrich. Wissentlich habe er das Dokument nicht zurückgehalten. Er könne auch nicht mehr nachvollziehen, wer die Anfrage bei der Versicherung veranlasst hat. „Ich habe deshalb auch eine hausinterne Untersuchung beantragt und den Magistrat am Dienstag darüber informiert“, erklärt der Bürgermeister.

Am 20. Mai durchsuchten Ermittler der Polizeipräsidien Nordhessen und Westhessen sowie Beamte der Staatsanwaltschaft Marburg insgesamt acht Geschäftsräume und Wohnungen in Nord- und Westhessen. Laut Staatsanwaltschaft bestehe der Anfangsverdacht, dass die beschuldigten Personen Kenntnis von dieser Risikoanalyse der Versicherung hatten, diese Erkenntnisse aber im Rahmen ihrer Zeugenaussagen vor Gericht trotz expliziter Nachfragen zu vorliegenden Informationen über die potenzielle Gefährlichkeit des Teiches durch die Umbaumaßnahmen bewusst verschwiegen haben.

Im Rahmen der Durchsuchungen stellten die Ermittler insbesondere zahlreiche schriftliche Unterlagen und elektronische Datenträger sicher. „Die Auswertung wird bestimmt drei oder vier Wochen dauern“, sagt Oliver Rust, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Marburg, auf Nachfrage unserer Zeitung.

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