Enthüllungen über Donald Trump auf Deutsch: Thomas Gunkel aus Gilserberg hat den Besteller "Feuer & Zorn" übersetzt

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Der Übersetzer an seinem Arbeitsplatz: Nach getaner Arbeit hält Thomas Gunkel die fertige Übersetzung des Beststellers „Feuer und Zorn“ in den Händen.

Thomas Gunkel übersetzte den umstrittenen Bestseller „Feuer und Zorn“ – im Interview mit lokalo24.de spricht der Gilserberger über das Buch und den US-Präsidenten Donald Trump

Gilserberg-Sachsenhausen. Im August 2017 drohte Donald Trump dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un mit „fire, fury […] the world has never seen“ („Feuer, Wut, […] wie sie die Welt noch nie gesehen hat“). In Anlehnung an die Aussage des US-Präsidenten ließ Michael Wolff ein Jahr später seinen Bestseller „Fire and Fury“ erscheinen.

Das 480 Seiten starke Sachbuch zeichnet ein verheerendes Bild des amerikanischen Präsidenten. Wolffs Kernthese: Trump ist noch weitaus dümmer als gedacht. Im Buch wird der mächtigste Mann der USA als Präsident beschrieben, der nicht liest und nicht zuhört, im Grunde seine Arbeit verweigert. Wolff meint, Trumps Wahlkampf sei lediglich Marketing in eigener Sache gewesen. Eine Absicht, die Wahl zu gewinnen, hätte der Kandidat nicht gehabt. Sein Einzug ins Weiße Haus sei für Trump eher ein Schock gewesen.

Einer, der das Buch besser kennt als all seine Leser, ist Thomas Gunkel. Der Gilserberger hat Teile des erfolgreichen Werks, das nur wenige Stunden nach Veröffentlichung in den USA auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste stand, ins Deutsche übersetzt. Während seiner Arbeit beschäftigte sich Gunkel intensiv mit Sinnhaftigkeit und Inhalt des Buches. Mit lokalo24.de sprach der 61-Jährige über seine Arbeit am Buch und über Donald Trump selbst.

Neben Ihnen arbeiteten sechs weitere Übersetzer am Buch. Warum so viele?

Das Buch war in den Vereinigten Staaten ein riesiger Verkaufserfolg. Und dann erschien es wegen Trumps Drohung, gerichtlich dagegen vorzugehen, auch noch eine Woche früher. Also musste bei der deutschen Übersetzung alles ganz schnell gehen, und aus ursprünglich vier Übersetzern wurden sieben.

Liest sich das Buch jetzt so, als hätten es sieben Autoren geschrieben?

Ich hoffe nicht. Dann hätten wir etwas falsch gemacht. Während man bei einem Roman den Stil bei mehreren Übersetzern gut überprüfen und angleichen muss, fällt das Stilistische bei einem Sachbuch meist nicht so sehr ins Gewicht. Außerdem sind wir alle gestandene Übersetzer, die sich größtenteils schon kannten. Da haben wir das mit Hilfe einer für alle einsehbaren Liste, auf der man eintragen konnte, wie wichtige oder schwierige Begriffe übersetzt wurden, auch so ganz gut hinbekommen.

Wie viele Seiten haben Sie übersetzt und wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Wir hatten alle nur zweieinhalb Wochen Zeit, und ich habe 63 Seiten übersetzt. Da mussten auch die Wochenenden herhalten.

Warum überhaupt der zeitliche Druck, unter dem Sie übersetzen mussten?

Das Buch sollte möglichst zeitnah zum Original erscheinen, was durchaus nachvollziehbar ist. Wenn es erst ein halbes Jahr nach dem Original publiziert worden wäre, hätte es vermutlich bei weitem nicht mehr so viele Leser gefunden.

Als Übersetzer trägt man viel Verantwortung. Man muss die Intension des Autors erkennen und den Sinn ins Deutsche übertragen. Wie gut ist Ihnen das gelungen?

Wie gut mir das gelungen ist, sollen andere entscheiden. Der Lektor war mit unserer Arbeit jedenfalls zufrieden. Ich habe aber auch schon gelesen, dass Leute die Übersetzung insgesamt als misslungen betrachten. Doch jemanden, der im nächsten Satz schreibt, man solle das Buch besser im Original lesen, kann ich nicht ernst nehmen. Der hat das Original mit Sicherheit nicht gelesen, denn eins behaupte ich definitiv: Wir haben das Buch qualitativ verbessert.

Das Buch ist umstritten. Kritiker behaupten, Wolff habe stellenweise schlampig recherchiert. Das durch das Buch entstandene Gesamtbild Trumps sei falsch. Was denken Sie über den Bestseller?

Es ist natürlich schwer zu beurteilen, was in dem Buch nicht stimmt oder falsch dargestellt ist. Aber eins ist klar: Das Gesamtbild, das Michael Wolff vermittelt, stimmt. Und das ist gruselig oder lächerlich – je nachdem, wie man das Ganze betrachtet.

Trump geht nicht gerade zimperlich mit seinen Kritikern um. Er schließt Journalisten aus und setzt sogar vermeintliche Verbündete vor die Tür des Weißen Hauses. Fürchten Sie als Übersetzer Folgen?

Im Augenblick zieht es mich wirklich nicht in die USA. Und ich fürchte auch keine Folgen. Die einzige Angst, die ich habe, ist, dass ich bei meiner nächsten Reise dorthin das Land nicht mehr wiedererkenne, weil es dann tief gespalten sein könnte. Das wäre sehr traurig.

Gibt es der Amtsinhabe Trumps aus Ihrer Sicht auch etwas Gutes abzugewinnen?

Das einzig Gute, was ich Trump abgewinnen kann: Die wahren Zündler und Fundamentalisten sind nicht an der Macht. Aber wer ist überhaupt an der Macht? Sehr schwierig zu beantworten.

Sie selbst sind Amerika-Liebhaber. Hat sich Ihre Beziehung zu den USA geändert, seitdem Trump im Amt ist?

Natürlich war ich entsetzt, als Trump Präsident wurde. Aber die Abstrafung Hillary Clintons kann ich nachvollziehen. Sie stand offenbar so sehr im Vordergrund, dass man sich über Trump keine richtigen Gedanken gemacht hat. Ich kann nur hoffen, dass sich nach Trump das meiste wieder rückgängig machen lässt. Doch ich habe auch Angst, dass sich in den USA in Zukunft zwei immer extremistischere Parteien unversöhnlich gegenüberstehen. Das wäre sehr schade.

EXTRA-INFO zur Person von Thomas Gunkel:

Thomas Gunkel ist 61 Jahre alt. Aufgewachsen ist der in Gilserberg-Sachsenhausen lebende Familienvater in Treysa. Nach seiner Ausbildung zum Erzieher studierte Gunkel Germanistik und Geografie an der Philipps-Universität in Marburg. Seit 1991 arbeitet Gunkel als Übersetzer. 90 Bücher hat er bereits aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Gunkel ist verheiratet und hat eine Tochter.

EXTRA-INFO zum Hintergrund des Buches:

Im Juni 2016 besuchte Michael Wolff Donald Trump in dessen Anwesen in Beverly Hills und interviewte ihn für den Hollywood Reporter. Trump gefiel das Interview. Wolff schlug nach der Wahl vor, als eingebetteter Journalist im Weißen Haus zu recherchieren und ein Buch zu verfassen.

So logierte Wolff im Hay-Adams Hotel (gegenüber dem Weißen Haus, am Lafayette Square) und hielt sich – nach eigenen Angaben mit Erlaubnis Trumps – für seine Recherchen im West-Flügel des Weißen Hauses auf, wo er zu zahlreichen Beamten und Mitarbeitern Kontakte knüpfen konnte. Durch die Unerfahrenheit von Trumps Pressestab wurden weder Wolffs Anwesenheit noch seine Tätigkeiten beaufsichtigt.

Basierend auf 200 Interviews entstand eine Reportage über Interna des Weißen Hauses. Im Auftrag von Trump übermittelte eine Anwaltskanzlei dem Verlag und dem Autor eine Unterlassungsaufforderung gegen die Veröffentlichung des Buches. Die Anwälte werfen Wolff Ehrverletzung und Steve Bannon den Bruch einer Vertraulichkeitsvereinbarung vor.

Das Buch erschien im Rowohlt Verlag und kostet 19,95 Euro. ISBN: 9783498094652.

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