Trotz guter Integration: Albanische Familie wird abgeschoben

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Sabine Decher (li.) und Manfred März (vierter v. li.) haben sich vorbildlich für Flüchtlingsfamilie Ramadani eingesetzt und ihr bei der Integration geholfen. Doch nun werden die Ramadanis abgeschoben. Foto: Privat

Familie Ramadani lebt seit einem Jahr in Zella und integriert sich mit Hilfe der ehrenamtlichen Helfern gut. Trotzdem wird die Familie abgeschoben.

Zella. Monatelang sind Manfred März und seine Frau für die junge albanische Familie Ramadani da. Nun soll die Familie abgeschoben werden. Seit dem Frühsommer bewohnt das Flüchtlings-Ehepaar Nasar und Hansuhe gemeinsam mit den fünf Kindern Irijad (15), Rinesa  (12), Elsa (9) und den Zwillingen Rinor und Erijon (10) eine Wohnung in Zella. Am Montag hat die Familie ein Schreiben von der Ausländerbehörde bekommen: Bis kommenden Dienstag sollen sie die Wohnung räumen. Mitnehmen dürfen sie 25 Kilogramm Handgepäck – mehr nicht. Ein Schock für Familie März und Physiotherapeutin Sabine Decher.

Das Ehepaar kümmert sich rührend um die beiden Flüchtlingsfamilien, die im Haus der ehemaligen Taxi-Firma Jäckel untergebracht sind. Das ganze Dorf habe Spenden gesammelt, um den Neuankömmlingen den Start zu verschönern und endlich ein Heim nach langer Flucht zu ermöglichen. Auch Physiotherapeutin und Berufsschullehrerin Sabine Decher erfährt von der Familie. "Frau März war bei mir in Behandlung und hat mir von ihrer ehrenamtlichen Arbeit erzählt", sagt Decher. Sie habe sich sofort dazu entschieden, die Ramadanis in Deutsch zu unterrichten. "Ich bin kein Ass in Deutsch. Aber  für den Alltag reicht es. Besonders die Kinder sind sehr interessiert. Sie unterrichten ihre Eltern", sagt die Lehrerin und lächelt. Die ehrenamtlichen Helfer sind betroffen vom Schicksal der Familie, auch wenn sie damit gerechnet haben. "Den Akten zufolge sind die Ramadanis Wirtschaftsflüchtlinge und müssen deshalb in ihr Land zurück", erklärt Manfred März.

Zum zweiten Mal vor dem Nichts

"Doch sie haben sich so gut integriert. Wir haben sie richtig ins Herz geschlossen. Die Kinder sagen sogar Oma und Opa zu uns", sagt Frau März (Anmerk. d. Red.: möchte nicht mit vollem Namen genannt werden) mit Tränen in den Augen. Familie Ramadani sei seit etwa einem Jahr in Deutschland,  geflohen vor serbischem Terror in ihrer Heimat Albanien. "Als sie mir am Montag das Schreiben vom Amt vorgelegt haben, musste ich schlucken", sagt Manfred März. Der Rentner hilft den Ramadanis bei der Integration, erledigt mit ihnen Behördengänge, fährt sie zum Arzt und zum Einkaufen in die Stadt.

"In der Weihnachtszeit habe ich gemeinsam mit den Kindern Plätzchen gebacken, habe ihnen die deutschen Traditionen erklärt", sagt Frau März, "obwohl sie Muslime sind, wollten sie dann auch einen Weihnachtsbaum."  Auch habe das Ehepaar März privat viel geschenkt. "Wir haben uns um Fahrräder für die Kinder bemüht. All die Dinge, die wir für sie gekauft und ihnen geschenkt haben, müssen sie zurücklassen", sagt Frau März. In Albanien stünden sie erneut vor dem Nichts. In den Händen nur ihr Handgepäck.

Zeit und Mitgefühl – alles umsonst?

Die Kinder seien bereits vollständig in eine Schulgemeinschaft eingegliedert, hätten Freundschaften geschlossen und würden zu Geburtstagsfeiern eingeladen. "Elsa spricht schon hervorragend Deutsch und gehört zu den Klassenbesten", sagt Sabine Decher.  Das junge Mädchen übersetze gemeinsam mit ihrer großen Schwester alles für die Eltern. Besonders Vater Nasar habe noch Probleme mit der Sprache, aber er setze alles daran, um sich zu integrieren. Er habe sogar sein Interesse an einer deutschen Staatsbürgerschaft gegenüber der Ausländerbehörde geäußert – negativ.

"Wir verstehen, dass die Behörden keine andere Wahl haben. Und nach Sichtung der Akten Abschiebung fordern", sagt Manfred März, "aber die Familie hat sich perfekt integriert und wir haben uns so sehr für sie engagiert. Als ehrenamtlicher Helfer kommt man sich da richtig veräppelt vor." Ob sie sich noch einmal so für Flüchtlinge engagieren werden, wissen sowohl die Eheleute März als auch Sabine Decher nicht. "Es ist zu schmerzhaft, das jetzt mit anzusehen", sagt Decher.

Kopfschmerzen verzögern die Abschiebung

Lange hat Manfred März dafür gekämpft, dass Nasar Ramadani endlich eine spezielle Untersuchung bekommt, die aufklären soll, was seine dauerhaften Kopfschmerzen auslöst. "Seine Blutwerte sind sehr schlecht, ich befürchte in seinem Kopf hat sich etwas Schlimmes gebildet", sagt Manfred März besorgt.

Der Termin sei am 12. Februar. Deshalb darf Familie Ramadani noch bis zu diesem Termin in Deutschland bleiben. Erst wenige Minuten zuvor konnte der ehrenamtliche Helfer der Familie die Nachricht überbringen.  "Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der Ausländerbehörde ist sehr gut. Aber die Entscheidung können wir trotzdem kaum nachvollziehen", sagt März. Zwar dürften die Ramadanis jetzt noch bis zum lang ersehnten Arzttermin in Zella bleiben, doch spätestens dann müssen sie zurück in ihre Heimat. Zurück nach Deutschland könnten sie dann nur kommen, wenn ihr Einwanderungsantrag genehmigt wird.

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