Viele Bäume sind tot: Zustand des Bergwaldes zwingt die Stadt zum Handeln

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Aus Sicherheitsgründen sind die Wege am Burgberg gesperrt. Zur Burg gelangt man über die Asphaltstraße des Georg-Textor-Weges.

Rund 600 Bäume am Burgberg leiden unter den Folgen der Trockenheit und sterben ab. Um den Bergwald am Burgberg zu revitalisieren wird aktuell ein Maßnahmenkonzept erstellt, dass bis Frühjahr 2021 umgesetzt werden soll. Bis dahin sind viele Wege am Burgberg für Spaziergänger und Wanderer gesperrt.  

Homberg. Der Klimawandel macht auch vor der Vegetation des Burgbergs nicht Halt. Nach zu heißen Sommern mit wenig Regen und zu warmen Wintern ohne die schützende Schneedecke kam es in einem schleichenden, mehrjährigen Prozess zu starken Austrocknungen und Erosionen in der Vegetationsschicht des Burgberges. Der Boden konnte die Feuchtigkeit nicht mehr speichern, die Wurzeln der Bäume erhielten weniger Wasser. Die Folge: Bis zu 600 Bäume „verdursten“ aktuell und werden in der Folge von Krankheiten, Pilzen, Parasitenpflanzen (Efeu) und Schädlingen befallen und sterben ab. Äste fallen herab, die Wanderer und Spaziergänger gefährden.

Stadt muss handeln

Kurz gesagt: Der Zustand des Bergwaldes zwingt die Stadt Homberg als Waldeigentümerin zum Handeln. Wie die Stadtverwaltung berichtet, seien aktuell die betroffenen Wege, die ein Gefährdungspotenzial aufweisen, gesperrt. Derzeit kommt man nur über den Georg-Textor-Weg zum Burgberg-Plateau. Die Sperrung, die voraussichtlich bis zum Frühjahr 2021 andauern werde, wolle man nutzen, um ein Konzept zu erarbeiten, welche Maßnahmen im Bergwald durchgeführt werden sollen. Zusammen mit HessenForst, einigen Stadtverordneten und dem Baumspezialisten Dipl. Ing. (FH) Sebastian Möller machten sich Bürgermeister Dr. Nico Ritz und Bauhofleiter Frederick Naumann kürzlich ein Bild von dem Umfang der Vegetationsschäden am Burgberg.

Der mögliche Zeitplan für das Projekt sehe vor, dass bis Ende der Brut- und Setzzeit ein Maßnahmenkonzept für die Entnahme von rund 600 Bäumen und die Revitalisierung des Waldes erstellt werde.. „Spannend wird es sein, wie wir mit dem Wald in Zukunft umgehen. Wo wollen wir hin, sollen wir in den Wald eingreifen oder nicht?“, sagt Ritz. So müsse der Bereich der Osterwiese am südlichen Hang, gesondert betrachtet werden, denn der habe eine andere Qualität und höhere Besucherfrequenz als Teile des westlichen Berges.

„Außerdem müssen wir die akuten Maßnahmen mit der Neukonzeption ‚Zukunft Stadtgrün‘ in Einklang bringen“, so der Bürgermeister weiter. Dabei solle ein Minimaleingriff an der Osterwiese aktuell erfolgen: Totholz von Buchen mit herabhängenden trocknen Ästen sollen entfernt und damit das Areal verkehrssicher gemacht werden. Abgestorbene Kronen von Buchenbäumen sollen entfernt werden. Dabei sollen die Baumstämme nicht gefällt, sondern stehen gelassen werden. Möller: „Sie sind ökologisch wertvoll und werden beispielsweise von Spechten genutzt, die dort eine Bruthöhle anlegen.“

Ab Oktober bis ins Frühjahr 2021 sollen weitere dringliche Maßnahmen umgesetzt werden. Die rund 600 toten Bäume an den Wegrändern im vornehmlich oberen südlichen Burgbergbereich sollen abgenommen und sicher im Areal abgelegt werden. Dabei stellt Möller fest: „In den Wegebereichen sehen wir eine verstärkte Totholzbildung, weil auf der Basaltschicht keine Vegetationsschicht mehr vorhanden ist. Je höher wir am Berg kommen, desto fataler sieht die Lage aus. Da müssen wir einen Spagat zwischen Verkehrssicherheit und Ökologie machen.“ Über die Gesamtsituation der Vegetation am Burgberg sagt er außerdem: „Hier am Südhang haben wir bis zu 90 Prozent Totholz, im nordöstlichen und westlichen Bereich haben wir kaum Ausfälle, dort sind die Bäume vitaler.“

Revitalisierung des Bergwaldes steht im Fokus

„Totholz im Wald führt zu Humusbildung und zu einer neuen Vegetationsschicht und Ansiedlung neuer Bäume und Pflanzen“, informiert Forstamtsleiter Florian Koch aus Neukirchen. Dadurch werde der Waldboden gestärkt, so dass auch künftig eine gesunde Mischung von Baumarten, wie Berg-, Spitz- und Feldahorn, Ulmen, Hainbuchen, Buchen und Kirschen dort wachsen könne. „Man muss jedoch auch Geld in die Hand nehmen“, so Ralf Apel von HessenForst, um Bereiche des Waldes in die Verjüngung zu bringen.“

„Wir wollen bestimmte Bereiche angehen, wie den westlichen Bereich. Dort haben wir gute Chancen, viel vom Baumbestand zu erhalten. Denn wir wollen keine kahle Kuppe“, sagt Ritz. Um Baumbestand zu erhalten, soll auch die Parasitenpflanze Efeu verstärkt bekämpft werden. Sie steigt am Baum hoch und beschattet die Krone und damit die Blätter und führt zum Tod des Baumes. Dort wo durch Baumentnahmen Freiflächen entstehen, hat neuer Wald eine Chance auf Wachstum und Revitalisierung. Sebastian Möller: „Die Natur holt sich die freie Fläche zurück, erobert sie und besetzt sie mit neuen Pflanzen.“

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