Bürgerversammlung zum Teilregionalplan Energie in Sachsenhausen

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Volles Haus in Sachsenhausen: Während der Bürgerversammlung am Mittwochabend war das Dorfgemeinschaftshaus bis auf den letzten Platz besetzt.

Wie viele Windkraftanlagen duldet das Gilserberger Hochland? Eine Bürgerversammlung in Sachsenhausen zeigte, dass die Meinungen zum Teilregionalplan Energie weit auseinandergehen.

Gilserberg-Sachsenhausen. Das Thema Windenergie ist im Gilserberger Hochland seit vielen Jahren allgegenwärtig. Trotzdem gibt es noch immer Verständnisschwierigkeiten und Unklarheiten. Das wurde während einer Bürgerversammlung am Mittwochabend deutlich. Rund 70 interessierte Bürger waren der Einladung der Gemeinde Gilserberg in das Dorfgemeinschaftshaus nach Sachsenhausen gefolgt.

Wolfgang Urbanek, Vorsitzender der Gemeindevertretung, eröffnete die Versammlung und führte anschließend als Moderator durch den Abend. Bürgermeister Rainer Barth stellte mittels Powerpoint-Präsentation den aktuellen Sachstand dar. Er erklärte, dass die Regionalversammlung im Oktober vergangenen Jahres seine Empfehlung für den Teilregionalplan Nordhessen beschlossen hat.

Führte durch den Abend: Wolfgang Urbanek.

Noch für dieses Frühjahr sei die Verabschiedung des Plans, der die Vorrangflächen für Windenergie regelt, durch den Hessischen Landtag angedacht. Bis der Teilregionalplan rechtskräftig wird und Gewissheit über alle Vorrangflächen herrscht, müssen sich die Gilserberger Bürger noch gedulden. Und dennoch: Die Hochländer dürfen mehr als ohnmächtig zusehen und abwarten. Ziel der Bürgerversammlung am Mittwoch war es, ein Stimmungsbild aus der Bevölkerung einzufangen. Wie stehen die Anwohner zu Anzahl und Lage der vom RP empfohlenen Windvorranggebiete?

Die Gemeindevertretung erhofft sich durch die Bürgerversammlung in Sachsenhausen und eine zusätzlich geplante im Ortsteil Moischeid, Rückschlüsse für ihr weiteres Vorgehen ziehen zu können. Denn für sie gilt es nun abzuwägen, ob die Gemeinde im Zweifel rechtliche Schritte einleiten und gegen den Teilregionalplan klagen wird. Als Teilerfolg wertete Barth das Gebiet HR_35, den sogenannten „Zentralbahnhof“, der auf Drängen der Gemeinde bereits aus dem vorläufigen Teilregionalplan der Regionalversammlung flog.

Luftaufnahmen machten Ausmaß deutlich

Reiner Weiß, Vorsitzender des Vereins „Aufwind – für maßvolle Windkraft“ brachte besonders beeindruckende Bilder auf die Leinwand. Er zeigte das Hochland aus der Vogelperspektive. Die Fotografien und Retuschen zeigten Gilserberg und Umgebung wie es früher aussah, heute aussieht und in Zukunft aussehen könnte. Als auf seinen durch eine Drohne entstandenen Bildern plötzlich vielerorts Windenergieanlagen (WEA) wie Pilze aus dem Boden sprossen, war ein Raunen im Publikum zu hören. „Die Energiewende wollen wir alle. In der Form wollen sie einige. Viele aber auch nicht“, brachte es der Appenhainer auf den Punkt.

Forderte einen offenen und fairen Dialog: Frank Hülsmann, zweiter Vorsitzender des Vereins "Aufwind".

Weiß bedauerte vor allem, dass es bis heute kein vernünftiges Regelwerk und somit auch keine verbindlichen Vorrangflächen gebe. Grund dafür sei das ständige Überarbeiten des Teilregionalplans, der ja ohnehin noch nicht rechtskräftig ist. „Die dynamische Phase fängt gerade erst an. Sie ist im Aufbau und noch lange nicht am Ende“, befürchtete Weiß eine weitere Umzingelung durch Windräder. Hierzu warf sein Stellvertreter Frank Hülsmann den Begriff „Repowering“ in die Runde. Weil Infraschall und konkrete Auswirkungen von WEA noch nicht genügend erforscht seien, sieht Weiß das häufige Bauen der Anlagen als verantwortungslos und hoch riskant an.

Viele fürchten Wertverlust ihrer Häuser

Als dann auch über möglichen Wertverlust von Wohneigentum diskutiert wurde, stieg das Publikum vollends mit ein. „Ich würde heute nicht mehr herziehen“, sagte Weiß deutlich. „Ich auch nicht“, bestätigten viele Zuhörer.

Waldinteressent schießt gegen Gemeinde und Verein Aufwind

Einen Gegenpol stellte Rainer Wenzel, Vorsitzender der Waldinteressenten Sachsenhausen, dar. Neben ihm gebe es rund 100 Befürworter für die geplanten Windräder im Gebiet HR_36 bei Sachsenhausen, um das es primär am Mittwochabend ging. Wenzel äußerte die Vermutung, einige Gemeindevertreter hätten sich vom Verein Aufwind vor den Karren spannen lassen. Denn zunächst seien sie für den Bau der Anlagen bei Sachsenhausen gewesen, nun aber plötzlich dagegen.

Vertrat die Waldinteressenten: Rainer Wenzel.

Stimmung kam auf, als der Waldinteressent das Sammeln von Gegner-Unterschriften durch den Verein Aufwind stark kritisierte: „Ein paar Einzelne verbreiteten Unwahrheiten.“ Dadurch hätten die Vereinsmitglieder sogar Unterschriften von einigen Waldinteressenten einheimsen können. Auf die Nachfrage von Reiner Weiß, um welche Unwahrheiten es sich gehandelt habe, blieb Wenzel eine echte Antwort schuldig.

Eine abschließende Erkenntnis des Abends gab es für Rainer Barth nicht. Er verwies auf die noch bevorstehende Bürgerversammlung in Moischeid. „Wir befinden uns noch im Prozess der Meinungsbildung“, so der Verwaltungschef. Bei der Frage, ob die Gemeinde am Ende gegen den Teilregionalplan Klage einreichen wird, habe die Gemeindevertretung das letzte Wort. „Aber so eine Entscheidung muss auch immer von der juristischen Einschätzung des Rechtsanwalts, der die Gemeinde berät, geprägt sein“, so Barth.

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