Vom Schicksal geprägt

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Schwalm-Eder. 900 Flüchtlinge im Schwalm-Eder-Kreis – Michelsberg integriert und geht mit gutem Beispiel voran.

Schwalm-Eder. Sie fliehen vor Kriegen, Unterdrückung, Verfolgung und massiven Menschenrechtsverletzungen. Sie sind auf der Suche nach einer neuen Heimat,  nach einem Ort, der ihnen Sicherheit und ein besseres Leben verspricht: Flüchtlinge aus dem Norden und Osten Afrikas und aus Südeuropa. Weltweit sind rund 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Doch längst nicht alle schaffen es unbeschadet ans Ziel. Umso erschreckender: Etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder. Viele der Heimatlosen finden Zuflucht in Deutschland, unter anderem im Schwalm-Eder-Kreis. Hier hoffen sie schließlich auf Asyl.

So auch Elias Kifah und Madiha Kartan aus dem Irak. Das Ehepaar ist vor einem Jahr über Istanbul mit dem Flieger nach Frankfurt geflohen. Von dort aus kamen beide über Gießen nach Homberg. Ihre vorläufige Unterkunft fanden sie in einem Flüchtlingsheim in Michelsberg. Hier sind sie zwei von Vielen. Denn der beschauliche Schwalmstädter Ortsteil geht mit gutem Beispiel voran, wenn es um die Unterstützung von Flüchtlingen geht. In der ehemaligen Gaststätte leben zur Zeit etwa 25 Asylbewerber – also zehn Prozent aller Dorfbewohner. In ihrer neuen Bleibe sind sie zunächst sicher vor radikalen Terrororganisationen wie dem Islamischen Staat im Irak und Syrien (ISIS) – dem Grund für die Flucht von Elias Kifah und dessen Frau. "Wir hatten sehr viel Angst", sagt dieser in gebrochenem Deutsch. Jetzt wolle er mit seiner Frau am liebsten in Deutschland bleiben.

Um auf Dauer einen Job zu finden, lernt Kifah fleißig die deutsche Sprache – in einer Schule und natürlich im Michelsberger Alltag. "Die Flüchtlinge werden hier gut integriert", sagt Ortsvorsteher Günther Kirchhoff. Einige von ihnen, darunter auch Kifah, seien inzwischen sogar Teil des ortsansässigen Fußballclubs. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde unternehmen die Michelsberger Bürger einiges, um den Asylsuchenden einen erfolgreichen Neustart zu ermöglichen. So fahren sie die Flüchtlinge in regelmäßigen Abständen zur Schwälmer Tafel, sammeln Kleidungsstücke und Fahrräder, die sie den Neuankömmlingen spenden. "Natürlich kommt ihre plötzliche Ankunft nicht überall gut an. Aber die Flüchtlinge können ja nichts dafür", sagt Kirchhoff. Er ist froh, dass das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen in Michelsberg reibungslos funktioniert. "Es gibt hier keine Probleme", versichert er.

Und dennoch: Das Flüchtlingsthema wird kontrovers diskutiert – auch im Schwalm-Eder-Kreis. Meist werden die vom Schicksal geplagten Menschen auf Zahlen und Statistiken reduziert. Derzeit sind es rund 900 Asylbewerber, die sich im Schwalm-Eder-Kreis aufhalten, heißt es in einer Pressemitteilung des Grünen-Kreisverbandes. Rund 15 Flüchtlinge erreichen den Landkreis wöchentlich. Demzufolge werde die Zahl bis Ende kommenden Jahres auf rund 2.000 gestiegen sein. Ist es nicht also die Pflicht jeder einzelnen Kommune, ausreichend Unterkünfte bereitzustellen? Kommentieren Sie diesen Beitrag und schreiben Sie Ihre Meinung.

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