Weberei Egelkraut sucht Investoren für neue Produktionshalle

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Inhaber Udo van der Kolk muss aus der Halle in Trutzhain raus. Ein neues Objekt hat er, allerdings fehlt ihm das Geld für den Umbau.

Trutzhain. Wie Ausstellungsstücke in einem Museum sehen die alten Webstühle aus – die Arbeitsgeräte von Udo van der Kolk. Behutsam legt der Weber die Spule in das Weberschiffchen. Ein Griff an die Ausrückstange und die Maschine legt mit krachendem Geschrei los. Der Beweis, dass es die über 65 Jahre alten Maschinen noch heute in sich haben.

"Eine Weberei, die mit unserer Technik arbeitet, gibt es in Deutschland nicht mehr", erklärt van der Kolk, Inhaber der Weberei Egelkraut in Trutzhain. 2011 übernahm der Unternehmer aus Knüllwald- Berndshausen das Traditionsunternehmen. "Wir haben 500 Muster und über 7.000 Farben. Dadurch haben wir eine fast unendliche Auswahl." Mit dieser Produktpalette können van der Kolk und seine Mitarbeiter individuelle Wünsche der Kunden erfüllen – anders als  große Unternehmen. Längst funktioniert dort alles nur noch mit modernen Maschinen, um der Massenproduktion gerechtzuwerden.

Auch van der Kolk besitzt vier moderne Maschinen, die es ihm ermöglichen, größere Mengen, in einem kürzeren Zeitraum für einen günstigeren Preis herzustellen. "Spezialanfertigungen machen wir aber an den alten Webstühlen. Da können wir auch kleinere Mengen für Privatkunden herstellen", erklärt der 41-Jährige die Vorteile seiner Weberei.

Mietvertrag läuft aus

Doch das Traditionsunternehmen steht vor einer großen Herausforderung. Der Mietvertrag der großen Halle in Trutzhain läuft Ende 2016 aus. "Ich habe schon einen alten Bauernhof gekauft, der sich für eine Umsiedlung eignet", erzählt van der Kolk. Dieser müsse allerdings umgebaut werden, um die Produktion wie gehabt fortführen zu können. 400.000 Euro muss van der Kolk investieren. Doch die Banken machen ihm einen Strich durch die Rechnung. "Sie wollen mir keinen Kredit in dieser Höhe geben, weil sie nicht damit rechnen, dass ich ihn zurückzahlen werde", erzählt van der Kolk. Unvorstellbar für den Unternehmer. "Wir haben genug Aufträge und ich könnte den Abschlag bezahlen."

Private Investoren gesucht

Doch van der Kolk will bis zum Schluss kämpfen. "Ich wünsche mir private Investoren, die mir dabei helfen, die Tradition zu bewahren", erklärt der Unternehmer. Kommt nicht genug Geld zusammen, muss van der Kolk seine Weberei umstrukturieren. "Ich werde dann nur ein paar moderne Maschinen mitnehmen und die alten hier lassen. Ansonsten rentiert sich die Arbeit nicht mehr", erklärt der Weber. Das würde allerdings auch bedeuten, dass ein wichtiger kultureller Teil der Schwalm verloren geht. "Wir sind die letzte Weberei, die Stoffe für Burschenschaftswesten herstellt", erklärt er. Stirbt die traditionelle Herstellung, wie sie in Trutzhain ausgeführt wird, sterben mit ihr auch die Trachten.

+++ Extra Info +++

Private Investoren gesucht

Investoren können sich schon ab einem Betrag von 1.000 Euro am Unternehmen beteiligen. Die Investition erfolgt als Darlehen.Weitere Infos zu technischen und finanziellen Details gibt es bei Udo van der Kolk unter Tel. 06691 3417 oder per Email an info@goldbrokat.eu

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