Weil Fachpersonal fehlt: Metzger Becker muss Filiale in Schwalmstadt schließen

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„Bei diesem Anblick blutet mein Herz“, sagt Jörn Becker im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Inhaber der Fleischerei Becker musste seine Filiale in der Wagnergasse wegen Personalmangel schließen.

Der Fachkräftemangel macht etlichen Handwerksbetrieben das Leben schwer. Wenn dann auch noch viele krankheitsbedingte Ausfälle hinzukommen, werden die Folgen sichtbar. So auch in Treysa, wo Jörn Becker jetzt gezwungen war, seine Fleischerei-Filiale in der Wagnergasse zu schließen.

Dass Handwerksbetriebe unter dem vorherrschenden Fachkräftemangel zu leiden haben, ist nicht neu. Dass eine seit über 70 Jahren in Treysa etablierte Metzgerei eine ihrer Filialen schließen muss, weil ihre Personaldecke schlichtweg zu dünn geworden ist, sorgt dennoch für reichlich Gesprächsstoff. So geschehen bei der Fleischerei Becker.

Hinweiszettel weisen auf die Schließung hin.

Vor gut zwei Wochen sah sich Inhaber Jörn Becker gezwungen, den Betrieb seiner Filiale in der Wagnergasse einzustellen. Seither weisen Zettel an der Fassade des Geschäfts darauf hin, dass die Filiale vorübergehend geschlossen bleibt, die Kunden ihre Waren aber weiterhin in der Filiale im Rewe-Markt beziehen können.

„Es war ein spontaner Entschluss. Wir hatten keine Alternative“, hadert Jörn Becker noch heute mit seiner Entscheidung. Fünf Verkäuferinnen seien ihm plötzlich ausgefallen. Neben den grippebedingten Krankmeldungen, die er besonders in der kalten Jahreszeit generell einplane, seien aber auch einige langfristige Ausfälle hinzugekommen.

„Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der gut geschultes Fachpersonal rar ist. Es ist nahezu unmöglich, so kurzfristig aufzustocken“, weiß Becker aus Erfahrung. „Es ist einfach unsere Unternehmensphilosophie, qualitative und kompetente Beratung zu gewährleisten. Wenn das Personalproblem dazu führt, dass wir unseren eigenen Ansprüchen nicht mehr an beiden Standorten gleichzeitig gerecht werden können, dann muss ich entsprechend handeln“, erklärt Becker den Schritt, der aus wirtschaftlicher Sicht ein Wagnis ist.

In der Filiale innerhalb des Rewe-Marktes geht es unbeirrt und mit Verstärkung weiter. Jörn Becker (hi. li.) bündelt die Kräfte seiner Mitarbeiter so kurz vor Weihnachten in der Schwalm-Galerie. Im kommenden Jahr wird er versuchen, ein Konzept für den Betrieb in der Wagnergasse auszuarbeiten.

Dem Unternehmer sei aber vor allem die Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern bewusst: „Ich kann diejenigen, die engagiert und motiviert arbeiten, nicht verheizen. Denn immer am Limit zu laufen, geht auf Dauer nicht gut. Deshalb habe ich mich für diesen drastischen Schritt entschieden.“ Drastisch deshalb, weil es aus unternehmerischer Sicht nicht vorteilhaft ist, sechs Wochen vor Weihnachten eine stark frequentierte Filiale zu schließen.

Da ist es gut, dass die Kunden ihre Wurst- und Fleischwaren zu gewohnter Qualität künftig in der Filiale des Rewe-Marktes in der Schwalm-Galerie kaufen können. Und weil sich das Kundenaufkommen dort künftig zentrieren wird, erhält das Team in der Schwalm-Galerie Verstärkung durch die Verkäuferinnen aus der Wagnergasse.

Bleibt aber die Frage, wie es mit der geschlossenen Filiale weitergeht. „Um ehrlich zu sein, haben wir jetzt den Kopf nicht frei, um ein Konzept für die Filiale zu entwickeln. Im Fokus stehen zunächst die Geschäfte um Weihnachten und Silvester. Im nächsten Jahr schauen wir dann, wie es in der Wagnergasse weitgehen kann“, so Becker.

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