Wenn ohnmächtige Wut auf Trauer trifft

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Treysa. Unbekannte schänden regelmäßig Urnengrab

Schwalmstadt. Wenn Dieter Ascher am Grab steht, dann verspürt er Trauer und gleichzeitig ohnmächtige Wut. In unregelmäßigen Abständen wird das Urnengrab seines Vaters Rudolf Ascher von Unbekannten geschändet. Fassungslosigkeit liegt in der Stimme als er zu erzählen beginnt: "Nach langem Krebsleiden wurde mein Vater im Januar vergangenen Jahres im Alter von 84 Jahren erlöst. So viele Leute kamen zur Beerdigung – die Kapelle war voll und selbst draußen versammelten sich Freunde, Bekannte und Weggefährten um Abschied zu nehmen. Mein Vater war zu Lebzeiten ein angesehener Mann." Die, die ihn kannten, beschreiben Rudolf Ascher als einen hilfsbereiten Menschen mit einem großen Herzen.Noch als die Familie ihre Trauer über den Tod zu verarbeiten versuchte, traf eine erbärmliche Tat die Aschers mitten ins Herz. Ein provisorisches Holzkreuz war plötzlich von dem Grab verschwunden. "Damals glaubten wir noch an Willkür eines Unbekannten. Das änderte sich als wenige Wochen später ein Stein mit einer Inschrift ebenfalls plötzlich vom Grab verschwunden war. Warum tut das jemand? Warum ausgerechnet das Grab unseres Vaters?", fragt Ascher ins Leere.Im Laufe der folgenden Wochen und Monate suchte der oder die unbekannten Täter immer wieder das Grab heim. Frisch gepflanzte Blumen waren plötzlich nicht mehr da, Grablichter wurden gestohlen. Der Zenit des Ganzen dann vor rund drei Wochen: "Als meine Mutter Irene Ascher am Friedhof ankam, traute sie ihren Augen nicht, bei dem was sie sah. Nicht nur einzelne Blumen oder das Grablicht waren verschwunden. Nein, das gesamte Grab war oberflächlich leer geräumt. An Willkür glauben wir schon lang nicht mehr. Wir überlegen jetzt, Anzeige zu erstatten– wegen Störung der Totenruhe", sagt Dieter Ascher erbost.

Polizeioberkommissar Markus Brettschneider von der Polizeidirektion Schwalm-Eder in Homberg rät allen Betroffenen: "Erstatten Sie sofort Anzeige!" Zwar kann er in der vergangenen Zeit keine Häufung an Grabschändungen feststellen, trotzdem käme das immer wieder vor.

Auch die Schwalmstädter Rechtsanwältin Silke Heissenberger rät zur Anzeige.Das ist tatsächlich möglich, sagt die Rechtsexpertin. "Im zweiten Absatz des entsprechenden Paragrafen im Strafgesetzbuch heißt es wörtlich: ,Ebenso wird bestraft, wer eine Aufbahrungsstätte, Beisetzungsstätte oder öffentliche Totengedenkstätte zerstört oder beschädigt oder wer dort beschimpfenden Unfug verübt’." Maximal drei Jahre Haft oder aber eine Geldstrafe drohe Tätern, die erwischt werden. "Die Störung der Totenruhe kann auch gleichzeitig bedeuten, dass man sich einer gemeinschädlichen Sachbeschädigung strafbar macht", sagt die Rechtsanwältin. Die Schwalmstädter Friedhofssatzung sehe darüber hinaus im Paragraph 37 eine Bußgeldandrohung vor. "Man darf auch nicht vergessen, dass zivilrechtliche Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden können." Mehr noch: Diebstahl könne mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Haben Sie denn so gar kein Gewissen? Ein Zwischenruf von Alexander Göbert -

An alle Grabschänder und Friedhofsdiebe,leider tauchen Sie immer wieder im schützenden Dunkel der Nacht auf und treiben ihr erbärmliches Spiel. Ich wende mich an Sie, weil ich nicht glauben will, dass Sie so gar kein Gewissen haben und Ihnen nichts mehr heilig ist.Können Sie sich vorstellen, wie viel Empörung, Wut und vor allem Trauer Sie mit Ihrem Handeln schon ausgelöst haben? Gott sei Dank pflegen die meisten Menschen noch die Gräber der Menschen, die ihnen im Leben nahestanden. Und dann kommen Sie einfach daher und hinterlassen neben der Trauer tiefe Fassungslosigkeit mit dem, was Sie angerichtet haben.Vielleicht schmücken Sie gar die Gräber Ihrer Verstorbenen mit den Blumen, die Sie anderen gestohlen haben. Allein das ist schon verwerflich genug, doch Schlimmeres kann ich mir nicht vorstellen als den Diebstahl von Bronze und Kupfer, mit dem Sie Grabsteine, Vasen oder Kerzenständer zerstören!Was geht in Ihnen bei der Tat vor? Können Sie noch in den Spiegel schauen und stolz auf sich sein?In der Hoffnung, dass in Ihnen doch noch ein Funken Gutes steckt, beschwöre ich Sie: Lassen Sie ab von Ihrem schändlichen Tun, und geben Sie Ihrem Leben eine neue Richtung!

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