Kultur-Anstifter-Mobil ist im Schwalm-Eder-Kreis unterwegs

+
„Im engen Raum haben die Gedanken mehr Präsenz“: Der alte Wohnwagen, den die Eheleute Klaus Wilmanns (li.) und Silvia Pahl (re.) in Holland gekauft und zum Kultur-Anstifter-Mobil umfunktioniert haben, soll Rahmen für Begegnungen und Gespräche sein. An diesem Samstag in Niederurff dabei ist Sophie Bernhardt (Mi.).

„Im engen Raum haben die Gedanken mehr Präsenz“, sagt Silvia Pahl vom Theater 3 Hasen oben. Zusammen mit Ehemann Klaus Wilmanns hat sie einen alten Wohnwagen gekauft und zum Kultur-Anstifter-Mobil umfunktioniert. Ab diesem Samstag ist das rollende Kulturzentrum im Schwalm-Eder-Kreis unterwegs.

Schwalm-Eder. Ein mobiles Kulturzentrum auf Rädern? Das gibt’s! Denn ab sofort rollt ein kleiner Wohnwagen durch den Schwalm-Eder-Kreis. Er trägt die interessante Aufschrift „Kultur-Anstifter-Mobil“. Seinen ersten Stopp legt das Miniatur-Kulturzentrum in Niederurff ein. An diesem Samstag, 13. Mai, geht es von 13 bis 17 Uhr ums Thema Schatzsuche. Teilnehmer, die sich auf die Suche nach Abenteuern und Geschichten begeben möchten, sollten Smartphones mitbringen. Ab 19 Uhr können Interessierte einem Vortrag lauschen.

Aber was genau dürfen wir vom Kultur-Anstifter-Mobil erwarten? Einen schönen alten Wohnwagen, der im Laufe des Projekts bei diversen Veranstaltungen der Landrosinen auftaucht (siehe EXTRA-INFO) und sich dabei nach und nach zu einem fahrbaren Miniatur-Kulturzentrum entwickelt.

Bei dem neuen Projekt, das sich vor allem an junge Menschen richtet, handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem Immichenhainer Theater „3 Hasen oben“ und dem Kulturnetzwerk „Landrosinen“. die beiden Theatermacher Silvia Pahl und Klaus Wilmanns wollen damit ihre erfolgreiche „Expedition vor der Haustür“, die 2016 mit dem Hessischen Demografie-Preis gekürt wurde, fortsetzen. Überall dort, wo das Kultur-Anstifter-Mobil Halt mache, werde es Schwälmer Platz, Getränke, Vorträge und kleine Kunst-Aktionen geben.

Interessierte nehmen sich auch Zeit zum Reflektieren

„Wir bieten den Rahmen für Begegnungen und wollen zum Andersdenken anstiften. Es kommt maßgeblich auf die Interessierten an“, sagt Klaus Wilmanns. Was sich konkret aus den Begegnungen ergibt, könne man nicht vorhersehen – und genau das mache den Reiz aus. „Die Interessierten machen den ersten Schritt, indem sie sich auf das Projekt einlassen, ohne das fertige Produkt vorher schon zu kennen. Dann vertrauen sie darauf, dass der zweite Schritt von ganz allein folgt“, erklärt Silvia Pahl. Im Innern des Kultur-Anstifter-Mobils findet sich so allerlei Material, womit man künstlerisch tätig werden kann: verschiedene Figuren, Musikinstrumente, eine Filmkamera und ein Beamer – um nur einiges zu nennen. Manchmal gehe es aber auch nur darum, sich Zeit zu nehmen, zu reflektieren und die Gedanken schweifen zu lassen. Das sei in einer systemgeprägten Welt, in der selbst Kinder von Termin zu Termin hasten, wertvoll wie nie.

Bernhardt berichtet über die Zukunft der Kultur

Mit den Menschen vor Ort wagen die Künstler auch einen Blick „über den Gartenzaun“. Rund um das Thema Nachbarschaft wollen die Theatermacher ins Spiel kommen: Gespräche, Spielaufgaben, Kunstaktionen münden in einzelne kunstvolle Portraits. Im Laufe des Projekts entsteht auf spielerische Weise schließlich das Portrait einer Region.

Eines der Ziele des Projekts ist es, Verbindungen zwischen verschiedenen Kultur-Orten im Landkreis herzustellen. In Niederurff beispielsweise wird Kulturvermittlerin Sophie Bernhardt einen Vortrag halten. Die gebürtige Neukirchenerin absolvierte im Frühjahr ihren Master of Arts an der Universität Hildesheim. Das Thema ihrer Masterarbeit: Kulturarbeit in ländlichen Regionen, am Beispiel der Schwalm.

In der Forschungsarbeit beschäftigt sich Bernhardt sowohl mit Herausforderungen, Möglichkeiten und Bedürfnissen der Kulturakteure in der Schwalm, als auch mit deren unterschiedlichen Konzepten, Herangehensweisen und Visionen für den eigenen Wohnort. Unter dem provokanten Titel „Der Letzte macht das Licht aus?“ stellt sie die Frage nach der Zukunft der Kultur in der Schwalm.

Wie kann die Kultur in der Region weiterbestehen, wo kann sie sogar ausgebaut oder Neues entwickelt werden? Bernhardt stellt dem Publikum ihre Ideen, Gedanken und Ergebnisse vor. Darüber darf dann auch diskutiert werden. Denn nur so entstehe aus einer theoretischen, schriftlichen, manchmal abstrakten Arbeit etwas Lebendiges – eben genau jene Dynamik, die sich Pahl und Wilmanns für ihr Kultur-Anstifter-Mobil wünschen. Übrigens: Bernhardt bezeichnet die beiden Theatermacher als künstlerische Gastgeber, die ihren Gästen Perspektivwechsel ermöglichen. Man müsse sich nur auf das Unbekannte einlassen.

Wer mehr erfahren will, muss sich also auf das Wagnis einlassen.

Hier ist das Kultur-Anstifter-Mobil unterwegs:

13. Mai: Auftaktveranstaltung, Alte Pfarrei Niederurff, Werkstatt von 13 bis 17 Uhr, Vortrag und Aktion ab 19 Uhr

19. – 20. Mai: Holzbildhauer-Symposium „Einschlag“, Klosterhof Spieskappel

30. – 31. Mai: Moot by de Meehl, Dorfmühle Willingshausen

9. – 10. Juni: Malscheune Winterscheid

18. – 20. Juli: Kunsthaus Michelsberg

21. – 23. Juli: World Music Festival, Schlosspark Loshausen

7. – 12. August: Sommerwerkstatt „Kann man nix machen?!“, Schloss Loshausen

23. – 24. September: Großes KAMobil Fest, Immichenhain, Theater 3 Hasen oben

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Schrecksbach: Unbekannte brechen in Vereinsheim ein

Unbekannte Diebe stiegen in ein Vereinsheim in Schrecksbach ein. Dabei machten sie Beute.
Schrecksbach: Unbekannte brechen in Vereinsheim ein

Landrat Becker besucht Betriebe des Schwalm-Eder-Kreises

Landrat Becker und Vizelandrat Kaufmann touren durch den Schwalm-Eder-Kreis, um sich über dessen Betriebe zu informieren.
Landrat Becker besucht Betriebe des Schwalm-Eder-Kreises

Video und Bilder zum Motocross Hessencup in Schrecksbach

Der Duft von großem Motorsport lag am Wochenende in der Schrecksbacher Luft. Auf dem Motocross-Gelände „Rund am Bodenrain“ fand nach zehnjähriger Pause wieder ein …
Video und Bilder zum Motocross Hessencup in Schrecksbach

Modenschau zum 65-jährigen Geburtstag von Vockeroth

Die Models legten bei der Modenschau zum 65-jährigen Geburtstag des Modehauses Vockeroth einen ganz besonderen Catwalk hin.
Modenschau zum 65-jährigen Geburtstag von Vockeroth

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.