JVA Ziegenhain: Einblicke in den Knast

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Justizvollzugsbeamtin Katrin Frömel-Dreißigacker gewährt exklusive Einblick in das Gefängnis in Ziegenhain.

Ziegenhain. In roten T-Shirts laufen Männer gemütlich über den langen Flur. Sie grüßen freundlich, lächeln, sind ganz entspannt. Kaum zu glauben, dass sie wegen Sexualstraftaten, Mord und Betrug hinter Gittern sitzen. Das Kornhaus der Justizvollzugsanstalt in Schwalmstadt ist ein ganz besonderes Gefängnis: Hier kommen ausschließlich Häftlinge ab dem 55. Lebensjahr unter, die als wenig gefährlich gelten und von denen wenig Fluchtgefahr ausgeht.

Der Tag beginnt um 6 Uhr

Um 6 Uhr beginnt hier der Tag für die 43 Häftlinge. Einer nach dem anderen wird von Beamtin Katrin Frömel-Dreißigacker  geweckt. "Das ist die erste Kontrolle, um sicherzugehen, dass es allen gut geht", erklärt sie. Die Gefangenen können sich innerhalb bestimmter Bereiche im Gebäude 24 Stunden frei bewegen. Eingeschlossen in ihre Zellen werden sie nicht. Auf dem Flur ist es ruhig. Die gelben Türen sind fast alle verschlossen.

Vereinzelt spielt leise Musik. In einer anderen Zelle läuft der Fernseher. Bleistiftzeichnungen hängen hier an einer Schnur über dem Bett. "Die Portraits habe ich selbst gezeichnet", erzählt der Bewohner stolz. Auf dem Metallbett liegt eine dünne Matratze. "Die ist nicht bequem, aber es ist kein Wunschkonzert", sagt er und lächelt. Jeder Häftling hat einen Schlüssel für seine Zelle. Er kann jederzeit abschließen, allein sein. Auf jeder der drei Etagen gibt es eine kleine Küche, in der sich die Häftlinge zusätzlich zu den drei Mahlzeiten am Tag etwas kochen können. Morgens und abends kann jeder essen wann er möchte.  Lediglich das Mittagessen findet gemeinsam im Speisesaal statt.

Frömel-Dreißigacker steht neben der langen Schlange bei der Essensausgabe. Sie achtet darauf, dass alles ruhig abläuft und jeder seine Portion bekommt. Nebenbei verteilt sie die Post.

Plötzliche Anspannung

Ein Häftling steht abseits an der Tür und schaut schüchtern in den Speisesaal. Er hält eine leere Glasschüssel in der Hand. "Er isst mittags nicht warm und muss warten, bis jeder seine Portion bekommen hat. Erst dann kann er sich etwas mit auf sein Zimmer nehmen", erklärt die 34-Jährige. Einer der Gefangenen ist nicht zum Essen erschienen. Sofort läuft die Vollzugsbeamtin die Treppe hoch. Der Gesuchte ist nicht in seiner Zelle. Auch auf der Toilette ist er nicht zu finden. Dann die Erleichterung: Aus den Duschräumen ruft er der Beamtin zu, dass er heute nichts essen möchte.

Die leichte Anspannung ist aus der Luft verschwunden. Frömel-Dreißigacker macht solche Kontrollgänge öfter allein. Angst vor den Häftlingen hat sie nicht. "In meiner zehnjährigen Laufbahn habe ich noch keine gefährliche Situation erlebt. Wir hatten immer alles unter Kontrolle", erzählt sie. Nach zehn Stunden ist der Frühdienst überstanden. Die Beamtin gibt ihren Schlüssel beim Pförtner ab. Sobald sie aus dem  teils verrosteten Metalltor geht, lässt sie ihre Arbeit hinter Gittern zurück.

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