Ziegenhainerin klärt auf: Das steckt hinter dem Schwälmer Pfingstbügel

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Schwälmer Brauchtum ist ihr wichtig: Anneliese Heipel-Biedebach hat in einem ihrer Bücher auch die Tradition des Pfingstbügels gefunden.  

Als Mädchen hat die heute 74-jährige Anneliese Heipel-Biedebach selbst den Pfingstbügel getragen. Sie kennt deshalb auch den Hintergrund des Brauchs.

Schwalmstadt. „Es war eine feierliche Sache. Wir waren alle stolz, als die Menschen auf den Straßen standen und klatschten“, sagt Anneliese Heipel-Biedebach. Die 74-Jährige lächelt zufrieden, als sie sich an ihre Jugend erinnert, in der sie den Brauch des Pfingstbügels erlebt hat. Umso trauriger stimme es sie, dass die alte Tradition nicht mehr richtig wiedergegeben werde. „Die heutigen Pfingstbügel gehen an dem vorbei, was sie eigentlich bewegen sollen, nämlich junges Leben ins Dorf holen“, sagt die Schwälmerin.

Sie erinnere sich noch genau an das rote Schwälmer Tuch, das über ein Weidengestell gespannt wurde und einen nach oben gebogenen Halbkreis bildete. Auf der einen Seite wurden rote und auf der anderen Seite grüne Seidenschnüre aufgesteckt. „Auf jeder Seite wurden außerdem jeweils zwei Goldblattschnüre schräg als Kreuz drübergelegt. Oben drauf kamen noch Blumen“, sagt sie.

Jedes Kind musste eine Schnur spenden. „Auf der Rückseite stand der jeweilige Name, damit wir sie auch im nächsten Jahr benutzen konnten. Günstig waren sie nämlich nicht.“ Mit den roten Schnüren voraus schritten die Mädchen und Jungen durchs Dorf, sangen Mailieder und sammelten Eier, Speck und Kuchen. „Manchmal gab es auch ein bisschen Geld, dann haben wir uns etwas zu trinken gekauft“, erinnert sie sich.

Mit der Gruppe gingen sie danach noch ins Feld oder in den Wald. Dann wurde der Bügel umgedreht, sodass die grünen Schnüre nach vorne schauten. „Es sollte das junge Leben symbolisieren, das wir von den Feldern und Wäldern mit ins Dorf gebracht haben“, sagt Heipel-Biedebach.

In ihrer Büchersammlung gibt es auch eins von Hans Retzlaff, das sich mit Brauchtümern der Schwalm beschäftigt und auch eine Passage über den Pfingstbügel beinhaltet. „Die Texte stammen von Pfarrer Heinz Metz. Meine Erinnerungen trügen mich nicht, auch er hat es damals so niedergeschrieben. Mir ist es wichtig, dass die Tradition mit all ihren Facetten weitergegeben wird und jeder weiß, was es eigentlich mit dem Pfingstbügel auf sich hat“, so Heipel-Biedebach.

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