Schwalm-Eder-Kreis initiiert Stipendium für Medizinstudenten

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Ist glückliche Landärztin: Lena Itzenhäuser arbeitet als Gynäkologin im MVZ Schwarzenborn.

Damit soll dem Ärztemangel auf dem Land entgegengewirkt werden. Landärztin Lena Itzenhäuser erklärt, warum sie sich bewusst für eine ländliche Region entschieden hat.

Schwalm-Eder. Der Schwalm-Eder-Kreis lobt zum Wintersemester 2019/2020 Stipendien für Studierende der Humanmedizin aus und erhofft sich damit einen positiven Effekt für die Sicherung der landärztlichen Versorgung. Der zunehmende Ärztemangel ist ein gesellschaftliches Problem, was bekanntermaßen die ländlichen Regionen besonders betrifft, so auch den Schwalm-Eder-Kreis. Angehende Ärzte orientieren sich oft nach dem abgeschlossenen Studium an städtischen Lebensmittelpunkten. Das Durchschnittsalter der Hausärzte im Schwalm-Eder-Kreis liegt bei 54 Jahren. Bei einem Ausstiegsalter der aktiven Ärzte von 65 Jahren bestehe ein Nachbesetzungsbedarf von 57 Prozent bis zum Jahr 2030, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises. Für die Nachbesetzung von Arztstellen ist grundsätzlich die „Kassenärztliche Vereinigung“ (KV) in Frankfurt zuständig.

Im Rahmen der Daseinsvorsorge für seine Bürger hat es sich der Schwalm-Eder-Kreis trotzdem zur Aufgabe gemacht, Maßnahmen zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung voranzutreiben und umzusetzen. Im Zuge dieser Aufgabenstellung soll nun das Stipendienprogramm für angehende Ärzte deren Aufmerksamkeit auf die hier vorhandenen Angebote zur Berufsausübung sowie die Lebensqualität des ländlichen Raumes lenken. Das neu aufgelegte Stipendienangebot richtet sich an Studierende der Humanmedizin, die den ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung erfolgreich abgelegt haben. Es wird jeweils ab dem fünften Studiensemester für maximal acht Semester (bis zum Ende der Regelstudienzeit) gewährt. Der Betrag der monatlichen Zahlungen des Schwalm-Eder-Kreises an die Stipendiaten liegt mit 875 Euro über dem aktuellen BAföG-Höchstsatz (zurzeit 853 Euro, ab Wintersemester 2020/2021 861 Euro). Die Förderrichtlinie sieht vor, dass bis zu fünf Studierende parallel gefördert werden können.

Im Gegenzug verpflichten sich die Stipendiaten, unmittelbar nach Erlangen der ärztlichen Approbation eine Weiterbildung in einer medizinischen Fachdisziplin zu absolvieren, die zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung in einer Praxis oder zur Aufnahme einer ärztlichen Tätigkeit im Gesundheitsamt berechtigt. Diese fachärztliche Weiterbildung ist im Schwalm-Eder-Kreis möglich. „Wir sind sehr daran interessiert, die landärztliche Versorgung im Kreis auch in Zukunft zu sichern und gehen mit dem ausgelobten Stipendium einen neuen Weg. Bis heute haben bereits sechs Studierende ihr Interesse am Stipendium bekundet. Alle haben ihr Physikum, also das erste Staatsexamen, abgeschlossen. Die Resonanz ist sehr zufriedenstellend“, so Erster Kreisbeigeordneter Jürgen Kaufmann auf Nachfrage unserer Zeitung.

Um weiterhin auf das Stipendium aufmerksam zu machen, werde Werbematerial erstellt, das sowohl in Schulen, Universitäten der Region sowie Arztpraxen ausgelegt wird. „Der Schwalm-Eder-Kreis ist eine großartige Region mit vielfältigen Angeboten im Bereich Gesellschaft, Kultur und Sport. Hier lässt es sich hervorragend leben und arbeiten“, sagt Kaufmann. Interessierte Studierende der Humanmedizin können sich an den Fachbereich Gesundheit, Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Schwalm-Eder-Kreises per E-Mail an stipendium@schwalm-eder-kreis.de oder Tel. 05681-775656 wenden.

Landärztin Lena Itzenhäuser im Interview

Schwarzenborn. Lena Itzenhäuser ist Landärztin in Schwarzenborn. Im MVZ ist sie als Gynäkologin angestellt und macht derzeit ihre Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin. Sie hat uns drei Fragen beantwortet.

Weshalb haben Sie sich für eine Stelle auf dem Land entschieden?
Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe mich hier immer sehr wohl gefühlt. Ich fühle mich, wie man so schön sagt, mit Land und Leuten verbunden.

Welche Vor- und Nachteile gibt es für Landärzte gegenüber den Kollegen in Städten?
In der Stadt hat man sicherlich eine dichtere Infrastruktur und vielfältigere Angebote. In medizinischen Angelegenheiten hat man kürzere Wege, ein dichteres Kollegennetz und schnelleren Zugang zu erweiterter Diagnostik und spezifischen Therapiemaßnahmen. Das Leben auf dem Land bietet neben viel Natur auch günstigen Wohn- und Arbeitsraum, ein familien- und kinderfreundliches Lebensumfeld sowie oft einen persönlicheren Umgang miteinander. Man hat viel Freiraum für die eigene Entwicklung.

Weshalb würden Sie Studierenden empfehlen, sich nach dem Studium in einer ländlichen Region niederzulassen?
Sie werden hier mit offenen Armen empfangen. Man hat die Notwendigkeit erkannt, junge Ärzte auf dem Land zu fördern und ihnen hier neue Konzepte zu bieten, die ihren Bedürfnissen entgegenkommen. Ich bin überzeugt davon, dass die Arbeit als Arzt auf dem Land in Zukunft weiter an Attraktivität gewinnen wird.

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