Schwere Jungs und harter Stahl

Ziegenhain. Wer früher "Gefängnis" oder "Eisen" in der Festung Ziegenhain hörte, dachte sicherlich an schwere Ketten, die einst

Ziegenhain. Wer früher "Gefängnis" oder "Eisen" in der Festung Ziegenhain hörte, dachte sicherlich an schwere Ketten, die einstmals dicke Eisenkugeln mit dem Fußgelenk der Häftlinge verbanden. Im modernen Strafvollzug bedeutet es heutzutage aber vielmehr filigrane Balkongeländer, Untergestelle für Schleifmaschinen oder Tischbeine für Bierzeltgarnituren.

Seit 50 Jahren arbeiten nun schon Gefangene in der Metallbauwerkstatt der Justizvollzugsanstalt Ziegenhain, die ihr Angebot im Laufe der Jahre immer wieder erweitert hat. "Die Beschäftigungstherapie ist einer der wichtigsten Teile im Vollzug", erläuterte Anstaltsleiter Jörg Bachmann vor zahlreichen Gästen und verwies auf die Beschäftigungsquote von 89 Prozent, "die landesweit ihres Gleichen sucht", ergänzte er nicht ohne Stolz.

In einem kurzen Abriss stellte Gerhard Rabich, seit drei Jahren Leiter der Schlosserei, die verschiedenen Bereiche im Metallbau und einige Produkte aus den vergangenen fünf Jahrzehnten vor. Im Wagenbau hat man beispielsweise Fahrzeuge für die Ziegenhainer Karussell-Firma Dietz produziert, in der Schlosserei wurden unter anderem Rückenlehnen für den bekannten Opel Kadett hergestellt und die Hausschlosserei kümmert sich um alle anfallenden Arbeiten innerhalb der JVA.

Ausgefallene Aufträge erledigen die Metallspezialisten ebenfalls, wie etwa das Rednerpult, das aus einer alten Werkzeugkiste gezaubert wurde, ein besonderer Grill, den es im Handel gar nicht zu kaufen gibt oder aber die Panzersperren am seitlichen Tor der Festung, die nach der spektakulären Gefangenenbefreiung im Jahr 1993 installiert wurden.

Eine besondere Rolle spielt sicherlich die Lehrwerkstatt, in der seit über 30 Jahren Gefangene einen Beruf im Metallbereich erlernen können und in der regelmäßig Schweiß-Lehrgänge stattfinden. Im vergangenen Jahr erwarben sogar erstmals drei Insassen den Meisterbrief und wurden dafür von der Handwerkskammer Kassel ausgezeichnet.

Wolgang Arns, einer der drei Meister, bringt die Motivation dazu auf den Punkt: "Ich bin lieber auf der Arbeit, als ständig nur in der Zelle zu sitzen."

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Sorge um die Festung: Bürgerversammlung zum Erweiterungsbau an der JVA

und

Drahtesel hinter Gittern: Neues Ausbildungsangebot in der JVA Schwalmstadt

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