Sieben Jahre Gefängnis im Fall Mara P. - Verteidigung kündigt Revision an

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Kassel / Melsungen. Siebeneinhalb Jahre Gefängnis wegen Totschlags sowie verschiedener mit der Tat in Zusammenhang stehender Vermögensdelikte. So lautet das Urteil gegen Stefan M., der schuldig befunden wurde im Mai vergangenen Jahres seine Exfreundin Mara P. in der Badewanne getötet zu haben.

Die Große Strafkammer am Landgericht Kassel blieb damit nur wenig unter der von Staatsanwaltschaft und Nebenklage geforderten Jugendsstrafe von neun Jahren.

In seiner Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende Richter, Volker Mütze, dass der damals 18-jährige Angeklagte voll schuldfähig gewesen sei und die junge Melsungerin vorsätzlich getötet habe.

Richter sehen keinen Mord

Die Wertung der Tat als heimtückischen Mord, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, schloss er jedoch aus. Zwar sei das Opfer wehr- und arglos gewesen, als Stefan M. den Heizlüfter in das Wasser warf, so Mütze, doch  habe sich der Angeklagte nicht die für Mord erforderlichen Gedanken vor der Tat gemacht, um die Situation gezielt auszunutzen.

Vielmehr, so der Richter, sehe das Gericht einen plötzlichen Tötungsentschluss aus einer emotionalen Erregung heraus. Diese wiederum sei entstanden, als Mara P. den Angeklagten im Streit als "Schlappschwanz" bezeichnet habe, wodurch Stefan M. in seiner Mannes-ehre tief gekränkt worden sei.

Aber auch eine möglichen tragischen Unfall, wie ihn die Verteidigung ins Spiel gebracht hatte, schloss Mütze kategorisch aus. Alles spreche dafür, so der Richter, dass Stefan M. den vermutlich auf dem Boden stehenden Heizlüfter gezielt ergriffen und in die Badewanne geworfen habe.

"Spürbare Strafe"

Bei der Strafbemessung bejahte das Gericht "schädliche Neigungen" des Angeklagten. Dieser sei aggressiv, aber gehemmt und neige daher zu spontaner Gewalt, so Mütze. Auch sei Stefan M. immer wieder aus der Gesellschaft ausgebrochen.

Schon früher sei Stefan M. mit dem Gesetz in Konflikt geraten, zum Beispiel durch mehrfaches Fahren ohne Fahrerlaubnis.  Damals, so der Richter, habe dies für Stefan M. keine wirklichen Konsequenzen gehabt. Nun solle die Strafe "spürbar" sein.

Während die Mutter von Stefan M. bei der Urteilsverkündung in Tränen ausbrach, blieb der Angeklagte selbst, wie schon bei den Verhandlungstagen zuvor, regungslos. Die Mutter von Mara P. war nicht vor Gericht erschienen.

Die Verteidigerin von Stefan M. kündigte unmittelbar nach Prozessende an, in Revision vor das Bundesverfassungsgericht gehen zu wollen. Sie halte das Geschehene für einen tragischen Unfall, so betonte sie. Auch die Staatsanwaltschaft überlegt Rechtsmittel einzulegen. Sie sieht  in der Tat weiterhin einen heimtückischen Mord.

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