Spart Geld und CO2 - Autogas-Umrüstung im Selbsttest MIT KOMMENTAR

Schwalm-Eder. Es ist das erhebende Gefühl, wenn an der Zapfsäule der Literbetrag schneller läuft als der Geldbetrag. Wer an der einen oder anderen

Schwalm-Eder. Es ist das erhebende Gefühl, wenn an der Zapfsäule der Literbetrag schneller läuft als der Geldbetrag. Wer an der einen oder anderen Tankstelle mit Autogas vorbeifährt, staunt über Gaspreise von um die 70 Cent (Stand 18. April), während der Liter Super mit 1,54 Euro mehr als doppelt so teuer ist.Wie der Verbrauch, das Fahrgefühl und die Praktikabilität aussehen, haben wir in einem Selbsttest untersucht.

Umbau vom Fachmann liegt bei 2.200 Euro

Der Umbau gestaltet sich aufwendig. Das Fahrzeug braucht einen speziellen Tank für das Flüssiggas, zudem werden Leitungen, ein extra Steuergerät und ein Interface für das Armaturenbrett verbaut. Neben den Materialien, die spezielle Sicherheitsnormen erfüllen müssen, kommt der Arbeitsaufwand für den Umbau, der nur von Fachleuten vorgenommen werden sollte, hinzu.

So kostet eine Umrüstung schnell mal zwischen 2.000 und über 2.500 Euro (Quelle: Autogas Nord).Im konkreten Fall hätte der Einbau der Eigenentwicklung der Firma CBS (CarBiofuelSystems) aus Kleinenglis (Borken) 2.200 Euro gekostet. "Das ist ein marktüblicher Preis," so Geschäftsführer Werner Adamonis. Er warnt vor "günstigen" Umbauten aus Osteuropa. "Wenn man dann mal Probleme mit der Anlage hat, steht man alleine da," so die Begründung. Viele deutsche Werkstätten weigern sich, die ausländischen Konstruktionen zu warten.

Weicher fahren, dank höherer Oktanzahl

Nach dem reinen Einbau, der in etwa zehn Tage dauert, in eiligen Fällen kann er auch in wenigen Tagen vollbracht werden, kommt die Feinabstimmung. Jeder Motor ist anders. Über eine Schnittstelle an die Gasanlage kann der Fachmann die Leistungskurven und etliche technische Details abrufen. Die Kennkurve wird zuerst im Benzinbetrieb aufgezeichnet, dann können die Werte auf den Gasbetrieb übertragen werden. Zum Fahrbetrieb im Benzinmodus, auf den am Armaturenbrett jederzeit umgeschaltet werden kann, soll es jetzt keinen Unterschied mehr geben.Noch vor der Abstimmung war ein deutlicher Unterschied zum Fahren mit Benzin zu spüren: Der Wagen zog schlechter, vor allem am Berg.Doch nach der Anpassung ist das Fahrverhalten wie ausgewechselt: die Beschleunigung stimmt.

Trotzdem ist das Motorgefühl etwas anders. Mein Eindruck ist, dass der Wagen insgesamt "weicher" fährt. Der Druck beim Beschleunigen baut sich langsamer auf, ist aber nicht weniger kraftvoll. Kein Wunder, der Treibstoff, der  übrigens als Abfallstoff bei der Ölverarbeitung anfällt, hat zwar mehr Oktan, aber einen niedrigeren Brennwert. Dass heißt: Mehr Laufruhe bei etwas weniger Motorleistung. Erstaunlich ist der niedrige Mehrverbrauch des Antriebsstoffs. Generell werden 10 bis 15 Prozent angegeben, in meinem Fall habe ich etwa 8 Prozent errechnet.Irritierend war, dass der Gasantrieb abschaltet, noch bevor der komplette Tank verbraucht ist. In der Anzeige ist das allerdings schon eingerechnet, nach 40 Kilometern auf "Reserve" piept es dreimal, dann geht es mit Normalsprit weiter. Ein netter Nebeneffekt: durch die zwei Tanks erhöht sich Reichweite meines Wagens um rund 300 Kilometer.

Gas mit guter Umweltbilanz und Steuervorteil

Bis zu 80 Prozent weniger Emissionen erzeugt die Flüssiggasverbrennung im Vergleich zu Benzin (Ethanol hat beispielsweise nur 35 Prozent weniger). Das betrifft vor allem das schädliche Kohlenmonoxid, Methan und die Kohlenwasserstoffe, sowie die Partikel. Das Klimagas CO2 kommt bei Flüssiggasantrieb zu etwa 18 Prozent weniger aus dem Auspuff als beim herkömmlichen Brennstoff.Das Kraftfahrt-Bundesamt gibt an, dass bei bivalenter Kraftstoffart, wie Flüssiggas und Benzin, der niedrigere kombinierte Wert eingetragen werden darf. Wer also mit seiner Dokumentation, in der Regel ein EBE-Gutachten vom TÜV, zur Zulassungsstelle  geht, spart zusätzlich Kraftfahrzeugsteuer.Doch der Gang zum TÜV ist nicht ohne. Nur spezielle TÜV-Mitarbeiter sind befugt den Gasumbau abzunehmen. Davon gibt es wenige, und die haben in der Regel noch andere Sonderaufgaben. Unbedingt ist daher anzuraten, einen festen Termin mit dem entsprechenden Fachmann auszumachen. Benötigt wird zusätzlich die komplette Dokumentation der Gasanlage.

Sicherheit fährt mit, auch unter Druck

Der Tank für das unter Druck gelagerte Gas, damit dieses seinen flüssigen Aggregatzustand behält, wird in der Regel in der Reserveradmulde untergebracht. Der Stahltank hat mehrere Sicherheitsventile, die zum Beispiel bei Druckabfall den Tank schlagartig abdichten.  Die Tanks sind für einen Druck von etwa 40 Bar ausgelegt, tatsächlich wird das Flüssiggas nur bei acht bis zwölf Bar Druck gelagert. Selbst bei einem Fahrzeugbrand fackelt zwar der Benzintank aus Kunststoff ab, der Gastank bleibt in der Regel ganz, berichteten Zeugen.

Tankstellendichte steigt täglich – Versorgung gut

Ein Vorurteil ist die niedrige Verfügbarkeit von Flüssiggas, dass auch als "LPG" bezeichnet wird. Selbst auf der Autobahn hat mittlerweile die Mehrzahl der Autohöfe und Raststätten die magischen drei Buchstaben auf dem Hinweisschild. In der Regel sind hier ein paar Cent mehr zu bezahlen, wie beim herkömmlichen Treibstoff auch. Auch in der Region ist das Gastankstellennetz gut ausgebaut. Alleine im Schwalm-Eder-Kreis gibt es über 20 Stellen, an denen der günstige Sprit zu haben ist, in Kassel sind es 16. Die starke Konkurrenz unter den Tankstellen und die steigende Verbreitung von gasbetriebenen Fahrzeugen führen dazu, dass ständig neue Gaszapfsäulen hinzu kommen. Damit an noch mehr Stellen beobachtet werden kann, wie der Mengenzähler den Preiszähler abhängt.

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Autogas: Eine echte Alternative

Die Kosten sind etwa halb so hoch und für das Klima tut man auch noch etwas: Die Vorteile von Autogas liegen klar auf der Hand.Die ambitionierten Klimaziele, die sich die Bundesregierung gesteckt hat, könnten viel einfacher mit Autogas-Umrüstungen erreicht werden, als mit der umstrittenen Ethanolbeimischung im Normalbenzin. Ethanol ist sehr aggressiv und niemand möchte die Verantwortung für zerfressene Dichtungen übernehmen. Da ist Gas die sehr viel bessere Alternative, die zudem auch noch einen Haufen Geld spart. Auch Ackerflächen gehen durch den Sprit aus Propan und Butan nicht verloren, denn das Gas wird sonst direkt an den Raffinerien einfach abgefackelt. Da stellt sich OttoNormal-Bürger die Frage, warum der Staat nicht mit gutem Beispiel voran geht: die Fahrzeuge der staatlichen Stellen, Kommunen, der Polizei und anderer Behörden könnten mit Autogas einen wirksamen Beitrag zur Klimaentlastung beisteuern und zudem würden auch noch Steuergelder gespart. Eine Autogas-Förderung für die Bürger wäre eine klimafreundlichere Verkehrspolitik, als das E10-Hickhack. Doch zuallererst wäre es schön, wenn der TÜV so ausgestattet wäre, dass er dem Ansturm gerecht werden kann.

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