Staatsanwalt ermittelt nach Gefahrgutunfall

Fast alle Verletzten aus Kliniken entlassenHomberg. Nach dem Gefahrgutunfall mit Großeinsatz regionaler Rettungskräfte und der Polizei haben die Reg

Fast alle Verletzten aus Kliniken entlassen

Homberg. Nach dem Gefahrgutunfall mit Großeinsatz regionaler Rettungskräfte und der Polizei haben die Regionale Kriminalinspektion Homberg und die Staatsanwaltschaft Kassel die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Es besteht der Verdacht der "schweren Gefährdung durch Freisetzen von Giften" (§330 StGB).Beamte der Homberger Polizei haben bereits Spuren gesichert und eine Erhebung zur Rekonstruktion des Schadenherganges unternommen. "Als Ergebnis kann derzeit bekannt gegeben werden, dass das Leck des Fasses während eines Arbeitsvorganges mit einem Gabelstapler verursacht wurde", bestätigte Polizeisprecher Reinhard Giesa auf Anfrage. "Das beschädigte Fass gehörte zu einer insgesamt zwei Fässer umfassenden Sendung. Beide Fässer werden heute durch eine Fachfirma für Sondermüllentsorgung des Schadensortes abgeholt und im weiteren Verlauf der fachgerechten Entsorgung zugeführt."In die weiteren Ermittlungen am Unfallort eingeschaltet haben sich Donnerstagvormittag auch das Amt für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik und die Berufsgenossenschaft. Wer den Unfall auf dem Gelände der Cargo-Trans-Logistik (CTL) verursacht hat, soll geklärt werden. Möglicherweise wird es auch eine Rolle spielen, ob CTL überhaupt zur Lagerung oder den Umschlag von Gefahrstoffen berechtigt war. Einem Bericht der örtlichen Tageszeitung zufolge hatte das Logistik-Unternehmen lediglich den Bau einer Halle für Stückgut beantragt, nicht aber für ein Gefahrstofflager. "Hier liegt ein klares Versäumnis vor", wird Vizelandrat Winfried Becker zitiert.Wie Kriminalhauptkommissar Reinhard Giesa weiter mitteilte, hat sich die Zahl der Personen, die durch das ausgelaufene Phenylmercaptan  verletzt wurden bis Freitag auf 60 erhöht. "Im Verlauf der Nacht auf Donnerstag wurden weitere elf Feuerwehreinsatzkräfte in Krankenhäusern aufgenommen. Bei ihnen zeigten sich, die auch von den anderen Fällen bekannt gewordenen Symptome wie Reizung der Augen und der Atemwege, Schwindelgefühl", sagte Giesa. Bis Freitagmittag hätten die Kliniken schon viele ihrer Patienten, darunter auch die vier unmittelbar am Unfall beteiligten CTL-Mitarbeiter, wieder nach Hause schicken können. Mit der Klinik-Entlassung des Gabelstaplerfahrers, der das Giftfass angefahren und beschädigt haben soll, wurde für Samstag gerechnet.

Der Verlauf des Großeinsatzes in der Unfallnacht wird die Katastrophen-Leitstelle des Schwalm-Eder-Kreises sowie die beteiligten Feuerwehren und Rettungsdienste noch eine Weile beschäftigen. "Der Einsatz wird von uns noch nachbereitet", erklärte dazu Landrat Frank-Martin Neupärtl. Im großen Ganzen habe alles recht gut geklappt. Mit den taktischen Feinheiten des Einsatzes, mit aufgetretenen Fehlern und mit Verbesserungsvorschlägen werde man sich in Kürze befassen.

++++ ++++ ++++ ++++ EXTRA INFO ++++ ++++ ++++ ++++

Einstufung THIOPHENOL

Wie gefährlich ist das Gefahrgut?

Homberg. Schon frühzeitig wussten die Einsatzkräfte über die Gefahr bescheid, die sie auf dem CTL-Firmengelände erwartete. Das sagt Polizeisprecher Reinhard Giesa. Man habe gewusst, dass diesem Gefahrstoff verschiedene Namen zugeordnet sind, darum sei in Pressemitteilungen einmal von Thiophenol, ein anderes Mal von Phenylmercaptan die Rede gewesen.Bei dem Stoff, der auch als Benzolthiol oder Mercaptobenzol bekannt ist, handelt es sich um eine organische Schwefelverbindung. Die Chemikalie wird von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie unter anderem als sehr giftig beim Einatmen, giftig bei Berührung mit der Haut und beim Verschlucken, als entzündlich und stark wassergefährdend eingestuft.Die Lagerung muss unter Verschluss erfolgen, oder so, dass nur fachkundige Personen Zugang haben. Verboten ist die Lagerung in Durchgängen oder Durchfahrten, heißt es im Gefahrstoffinformationssystem der Berufsgenossenschaft.      (gsk)

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Fuldaer Ehepaar nach Ladendiebstahl festgenommen
Fulda

Fuldaer Ehepaar nach Ladendiebstahl festgenommen

Ein Ehepaar aus Fulda wurde von Beamten der Polizei Bad Hersfeld nach einem vorangegangenen Ladendiebstahl in einer Drogerie in der Heinrich-von-Stephan-Straße …
Fuldaer Ehepaar nach Ladendiebstahl festgenommen
Einbruch in Schule: Sachschaden von rund 10. 000 Euro
Fulda

Einbruch in Schule: Sachschaden von rund 10. 000 Euro

Unbekannte Täter verschafften sich zwischen Freitagabend (15.10.) und Montagmorgen (18.10.) Zutritt zu einer Schule in der Abt-Richard-Straße im Stadtteil Neuenberg.
Einbruch in Schule: Sachschaden von rund 10. 000 Euro
Qualität zu Schnäppchenpreisen
Werra-Meißner-Kreis

Qualität zu Schnäppchenpreisen

Ganz neu haben die Inhaber Gunnar Michel und Petra Nickel nun das "New Style" in der Neueröder Straße 1 in Eschwege eröffnet und bieten
Qualität zu Schnäppchenpreisen
14-jähriger Ladendieb hat Messer griffbereit dabei
Fulda

14-jähriger Ladendieb hat Messer griffbereit dabei

Ein 14-Jähriger aus Künzell wurde dabei ertappt, wie er in einem Drogeriemarkt im Bahnhof Fulda eine Parfümflasche sowie alkoholische Getränke entwendete.
14-jähriger Ladendieb hat Messer griffbereit dabei

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.