Steine erzählen Geschichte(n)

Homberg. Was für Geschichten Baufugen und Mauerwerkstrukturen dem versierten Forscher erzählen können, das erlebten die Zuhörer eines Vortrages im

Homberg. Was für Geschichten Baufugen und Mauerwerkstrukturen dem versierten Forscher erzählen können, das erlebten die Zuhörer eines Vortrages im Gasthaus Krone, bei dem sich alles um das lebendige Wahrzeichen der Kreisstadt drehte.Elmar Altwasser vom Marburger "Institut für Bauforschung und Dokumentation" begann vor zwei Jahren die Homberger Marienkirche unter die Lupe zu nehmen und entlockte dem ehrwürdigen Gebäude schon einige interessante Geheimnisse. Vor zahlreichem Publikum wandelte er zunächst auf den verschlungenen Pfaden der bisherigen Forschungshistorie, die schon so manches Mal in einer Sackgasse endete. Schon bei der Frage nach dem Gründungsjahr der Kirche fiel das Kind in den Brunnen der Geschichte. "Warum steht heutzutage überall drin, dass die Kirche 1340 gegründet worden sei und zwar ohne Fragezeichen ?", so die kritische Anmerkung des Experten. Als Schuldigen hat er Georg Dehio ausgemacht, der in seinem "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler" diese Jahreszahl blindlings übernommen habe: "Sowohl alle Heimathirsche als auch alle jungen Kunsthistoriker übernehmen dieses Datum, das im Dehio steht." Kein Wunder also dass, so Altwasser, sein früherer Professor dieses Werk einige Male an die Wand geschmissen hat, denn: "Der kritische Wissenschaftler glaubt nicht alles, was in Büchern steht."

Altwasser räumte auch mit dem Irrglauben auf, das während des Kirchenbrandes im 17. Jahrhundert  das Gewölbe eingestürzt sei: "Das muss lustig ausgesehen haben: Oben auf der Kirche brennt es und unten kann man wahrscheinlich noch reingehen." Auch weiterhin redeten die Steine eine deutliche Sprache, als er sich wie ein erfahrener Spurenleser durch das Dickicht der Inschriften, Architekturelemente und dendrochronologischen Daten bewegte. So ist er bislang drei oder vier Bauphasen auf die Schliche gekommen und hat außerdem kunsthistorische Verwandte der Marienkirche ausfindig gemacht. Sie stehen unter anderem in Frankenberg, Korbach, Alsfeld oder Marburg."Sie sehen also, ihre Kirche ist eingebunden in die architektonische Entwicklung des 14. Jahrhunderts. Man muss das Ganze jetzt nur noch auseinanderfisseln," lautete Altwassers Fazit am Ende seiner ebenso unterhaltsamen wie fundierten Ausführungen.

Lesen Sie auch:

Verwandte am Rhein: Stadtkirche unter der Lupe der Bauforschung

und

Bauhistorie Teil 2: Architekturhistoriker analysiert St. Marien

sowie

St. Marien wird weiter erforscht

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