Streit mit Familienkasse

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Metze. Nach Formfehler: Mutter soll fast 2.000 Euro Kindergeld zurückzahlen

Metze. Monika Adel versteht das alles nicht. Vor ihr stapeln sich die Schreiben der Familienkasse in Kassel. Deren Inhalt: Die Mutter von drei Kindern soll 1.616 Euro Kindergeld plus Zuschläge zurückzahlen. Insgesamt fast 2.000 Euro. Den schwerwiegenden Vorwurf der Behörde, sie habe das Geld unrechtmäßig erhalten, kann die gelernte Friseurin nicht nachvollziehen. "Ich habe mich im November 2009 von meinem Mann getrennt und bin mit meiner Tochter in den Odenwald gezogen", erzählt sie. Das Kindergeld für ihren Sohn Sebastian, der beim Vater blieb, wurde zwar weiterhin auf ihr Konto überwiesen, "aber das haben wir unter uns mit dem Unterhalt für meine Tochter verrechnet", so Adel. Für die Familie war so alles in Ordnung, zumal Monika Adel nach ein paar Monaten "Auszeit" im Juli 2010 wieder nach Nordhessen und zu ihrem Mann zurückkehrte.

Nach Recht und Gesetz

Allerdings nicht für die Familienkasse. Die fordert seitdem das Kindergeld für den Sohn zurück, da nach Recht und Gesetz vorrangig das Elternteil anspruchsberechtigt ist, bei dem das Kind lebt.Monika Adel versuchte daraufhin den zuständigen Sachbearbeiter telefonisch zu erreichen, um die Situation zu erklären. Nach ihren Angaben ohne Erfolg. Die Familienkasse ist nur über ein Callcenter zu erreichen, beklagt sie. "Den erbeten Rückruf des Sachbearbeiters habe ich nie erhalten." Sie und ihr Mann schreiben daraufhin eine erklärende Mail an die Kindergeldkasse in Kassel, wollen ein Gespräch. Keine Antwort.Die Behörde sieht ihr Schreiben als Einspruch – und lehnt ab. Die Begründung folgt in einem dreiseitigen Schreiben, in feinstem "Behördendeutsch", unter Aufzählung von zahlreichen Paragrafen und Gerichtsentscheidungen. Fazit: Die Familienkasse hat korrekt gehandelt. Es fehlt die erforderliche "Weiterleitungserklärung". Ein Formular namens "KG 14".Gegen die Entscheidung hätte Familie Adel klagen können. Doch die Frist verstreicht. Monika Adel fühlt sich überfordert. Weiter hofft sie in einem direkten Gespräch doch noch alles klären zu können.Vergeblich: Seit Februar diesen Jahres holt sich die Familienkasse ihr Geld, indem sie jeden Monat 92 Euro vom Kindergeld einbehält."Rechtlich ist das alles korrekt", sagt Rechtsanwältin Susanne Bienemann, die von Monika Adel eingeschaltet wurde. Ihr gegenüber habe die Familienkasse angegeben, dass man das Formular "KG 14" an Familie Adel geschickt habe.Was die Anwältin nicht versteht, ist das Verhalten der Behörde. "Als Amt kann man doch mal anrufen und sagen: Es fehlt ein Vordruck", betont sie und fügt an: "So geht man mit Bürgern nicht um." "Die Ansprüche für 2009 könne Herr Adel jetzt nicht mehr geltend machen. "Das bedeutet 368 Euro sind schon mal weg", so Bienemann.PS: Wir haben die Familienkasse schriftlich um eine Stellungnahme gebeten. Bislang ohne Reaktion.

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