Streit um städtische Wohnungen

Schlamperei bei Vertrgen Melsunger Rathaus setzt Altmieter unter DruckVon ANDREAS BERNHARDMelsungen. Seit rund zwei Jahren, also seit de

Schlamperei bei Vertrgen Melsunger Rathaus setzt Altmieter unter Druck

Von ANDREAS BERNHARD

Melsungen. Seit rund zwei Jahren, also seit der Ausgliederung der stdtischen Wohnungen in eine GmbH, liegen einige der Mieter der Wohnungsbaugesellschaft Stadt Melsungen im Streit mit dem Rathaus und der von ihr beauftragten Firma fr Gebudemanagement FIB. Es geht um viele Kleinigkeiten, vor allem aber um die Abrechnung von Betriebskosten.

Enorme Forderungen

Die nmlich sind in ihren Vertrgen nicht gesondert aufgefhrt. Versicherungen, Schornsteinreinigung, Mllabfuhr und was sonst noch so anfllt ist in meiner Miete schon enthalten, erklrt daher Rosemarie Folger, eine der Betroffenen. Schlielich wohnt sie seit 20 Jahren im Finkenweg und es kamen bis vor kurzem nie solche Forderungen. Lediglich ber das Wassergeld gibt es eine vertraglich vereinbarte Abrechnung, betont sie und zeigt ihren Mietvertrag.

Unsichere Rechtslage

Davon unbeeindruckt versucht Michael Fuchs, der sich selbst als ehrenamtlicher Mitarbeiter der FIB bezeichnet, und Ehemann von Geschaftsfhrerin Susanne Fuchs ist, die Bewohner der stdtischen Wohnungen seit zwei Jahren davon zu berzeugen, dass sie trotz unsicherer Rechtslage zahlen mssen. Nicht immer mit feinen Methoden, wie einige Mieter beklagen. Schon die in den Betriebskostenabrechnungen enthalten Nachforderungen, die bis zu 1.500 Euro reichen, machen den nicht gerade wohlhabenden Bewohnern der ehemaligen Sozialwohnungen zunehmend Angst.

Drohungen

Dazu kmen Drohungen mit Rausschmiss durch Michael Fuchs, berichten sie. Teilweise wrden auch notwendige Reparaturen verweigert, mit dem Argument, die Leute sollten erst einmal ihre Betriebskosten zahlen. Das zumindest berichtet die junge Mutter Canan Nalbant, deren Wohnung von Schimmel befallen ist. Dabei hat meine Tochter eine Allergie.

Ganz anders sieht die Sache Michael Fuchs selbst. Natrlich werden Mngel behoben, sagt er, verweist aber gleichzeitig auf die geringe Grundmiete, die nach seinen Angaben bei rund 3,30 Euro liege und manches Wnschenswerte unmglich mache. Er gibt aber auch offen zu: Wenn eine Sache 18 Jahre lang reibungslos luft und dann will einer etwas ndern, dann kommt das nicht gut an. Sich selbst sieht er aber eher in der Rolle des Buhmanns.

Stadt scheut Prozess

Auch Albin Schicker, Melsunger Stadtverordnetenvorsitzender und Rechtsbeistand einiger Mieter, sieht die Schuld fr den Dauerrger im Rathaus. Wir htten schon lngst einen Musterprozess fhren knnen, beklagt er. Dann wre fr beide Seiten klar welche Forderung berichtigt sind und welche nicht. Doch die trauen sich nicht, vermutet Schicker, weil sie wohl davon ausgehen den Prozess zu verlieren.

Die Geschftsfhrung der ausgegliederten Wohnungsbaugesellschaft und damit auch die politische Verantwortung bernahm vor zwei Jahren Thomas Garde. Damals war alles in einem schwierigen Zustand, erinnert sich der Melsunger Hauptamtsleiter. Die Verwaltung der 150 Wohnungen htten bis dahin zwei Mitarbeiter des Bauhofs als Nebenjob betrieben.

Umstrittene Mietvertrge

Mit der Folge, dass die inzwischen umstrittenen Mietvertrge abgeschlossen und rund 44.000 Euro Defizit erwirtschaftet wurden. Heute sei man wieder deutlich im Plus, betont Garde, doch mit den Forderungen gegenber den Altmietern gehe es darum neue Investitionsspielrume zu schaffen.

Am Vorgehen von Michael Fuchs will er nichts aussetzen. Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Der sei ein ausgewiesener Fachmann, so Garde, dessen ungewhnliche Position als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der FIB wohl steuerrechtlichen Grnden gewhlt worden sei.

Beim Vorschlag, die Dinge vor Gericht zu klren, schwankt Garde. Eigentlich will ich diesen Weg vermeiden, so sagt er. Stattdessen knne man ja auch den Weg ber Mieterhhungen gehen.

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