Wie der Sultan seinen Durst stillen muss

Von JOCHEN SCHNEIDER Fritzlar. Am Rosenmontag gehts in Fritzlar hoch her. Massen strmen in die Stadt und der Alkohol fliet e

Von JOCHEN SCHNEIDER

Fritzlar. Am Rosenmontag gehts in Fritzlar hoch her. Massen strmen in die Stadt und der Alkohol fliet ebenso in Strmen. Auch auf den Straen, unter freiem Himmel vor und nach nach dem Umzug, der sich am frhen Nachmittag in Bewegung setzt. Haupt-Treffpunkt der Feierwtigen: Die fr den Autoverkehr gesperrte Kneipenmeile gegenber der Stadthalle mit Turmschnke, Hemingway, Sports-Bar und Edeka-Getrnkemarkt.

Ausnahmezustand Riegel vorgeschoben

Dem Ausnahmezustand in diesem Bereich will die Stadt 2009 einen Riegel vorschieben, der zwei dort ansssigen Gastronomen berhaupt nicht gefllt. Viel frher als in den vergangenen Jahren soll bereits um 19 Uhr drauen die Musik ausgemacht und um 22 Uhr der Ausschank eingestellt werden. Aus Sicherheits- und Kostengrnden, wie Brgermeister Karl-Wilhelm Lange die Entscheidung des Ordnungsamts erlutert. Um die exzessive Situation in den Griff zu bekommen sei ansonsten ein erhebliches Mehraufgebot an Bereitschaftspolizei erforderlich. Zudem entstehe dort sehr viel Mll. Eine Gesprchsrunde mit Geschftsleuten, Ordnungsamt und Polizei habe das im Vorfeld errtert.

Viel Flaschenmll, vereinzelt Schlgereien und Randale

Hauptkommissar Bernd Gener von der Fritzlarer Polizei berichtete am Runden Tisch und auch gegenber unserer Zeitung von der alljhrlichen Situation. Er erinnerte sich an groe Mengen Flaschenmll und verstrkte Streifenwagen-Prsenz am Rosenmontag 2008, von vereinzelten Schlgereien und Randalierern.

Wohin mit 600 Feierwtigen?

Die 600-Personen-Karawane soll also weitzerziehen, auch wenn der Sultan noch Durst hat und auf der Strae tanzen will. Brgermeister Lange, auch Ehrensenator der Eddernarren, zitierte ungewollt einen anderen Faschingsschlager: Wer soll das bezahlen? Und fgte genauso bierernst hinzu: Ich sehe nicht ein, warum die Stadt einem einzelnen Gastronomen den Umsatz am Bierpilz aus Steuergeldern sichern sollte.

Zelt und DJ lohnt sich jetzt fr Duro nicht mehr

Dazu sagt Gabriel Hisni Duro, Betreiber des Hemingway: Ich pflege eigentlich einen guten Kontakt zu Herrn Lange. Aber das ist lcherlich. Immerhin bezahlen Gastronomen Gewerbesteuern an die Stadt. Duro wollte ein Zelt aufbauen, einen DJ engagieren. Das rentiere sich nun mit den Einschrnkungen nicht mehr. Der frustrierte Gastronom gibt zu bedenken: Am Rosenmontag kommen 50.000 Leute in die Stadt. Wenn die Eddernarren ihr Weizenbierfest im Sommer drauen feiern, machen die auch bis in die Puppen. Aber am hchsten Feiertag im Karneval darf das nicht sein...?

15 Jahre immer rosenmontags dabei

Der Betreiber der Sports-Bar und Verpchter des Hemingway, Klaus-Dieter Frank, schenkte in den vergangenen15 Jahren immer rosenmontags vor seiner Kneipe Bier aus und hatte auch immer einen DJ am Start. Er sieht die Sache genauso und gibt zu bedenken, dem traditionsreichsten Karnevalsverein am Ort, den Eddernarren, wrde dieses Verbot sehr entgegen kommen. Denn: Die vielen Leute passen nicht in die Kneipen Am Hospital.

Nicht weit entfernt...

Und wenige Meter entfernt, in der Stadthalle, beginnt gleich nach dem Umzug die groe Faschingssause der Eddernarren. Soll der durstige Sultan seine Karawane etwa mglichst schnell dorthin lotsen ? Oder sind die Eddernarren sauer, dass sie den Umzug finanzieren mssen und Gastronomen am Wegesrand davon profitieren, ohne sich zu engagieren? Wir stellten Eddernarren-Kassierer und CDU-Stadtrat Claus Reich diese Fragen. Er sagte dazu Folgendes: Der Umzug koste die Eddernarren jhrlich 8.000 bis 10.000 Euro, ein Drittel bezuschusse die Stadt. Mit Hilfe der Party-Erlse aus der Stadthalle soll das teure Spektakel finanziert werden. Reich: Das reicht aber nicht.

Eddernarren-Hoheit

Deshalb wrden die Eddernarren auch Gastronomen, die am Wegesrand vom Umzug profitieren, um einen freiwilligen Beitrag bitten. Die Karnevalisten htten als Organisatoren ohnehin das Hoheitsrecht im ffentlichen Raum. Wer von ihnen nicht geduldet wird, drfe auch nicht ausschenken. Duro sagt dazu, von Spendenwnschen der Eddernarren wisse er nichts. Die Feier in der Stadthalle dauere laut Reich nur bis sptestens 21 Uhr, dann verlagere sich das Geschehen in die Kneipen. Aber nicht drauen, sondern drinnen. Und: Wer schon zu angetrunken ist, kommt in die Stadthalle sowieso nicht rein.

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