Telefonsex, Blutegel, Falschgeld

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Schwalm-Eder. Die zehn miesesten Trickdieb-Maschen und wie Sie Sich davor schützen können

Schwalm-Eder. Sommerzeit ist Urlaubszeit. Und in der warmen Jahreszeit purzeln die dicken Jacken und werden durch luftige T-Shirts ersetzt. Der Nachteil: T-Shirts haben, im Gegensatz zu Jacken, keine Innentaschen, in die man die Geldbörse stecken kann. Also worauf greift Frau von Welt zurück? Richtig, die Handtasche. Doch wer sein Hab und Gut beschützen möchte, sollte die Augen gut offen halten. Denn Diebe haben es vor allem auf leicht erbeutetes Diebesgut abgesehen. Einmal nicht richtig aufgepasst, schon ist die Tasche von der Schulter verschwunden. "Überall wo es eng ist und wo Gedränge ist, sollte man aufpassen", weiß Kriminalhauptkommissar Reinhard Giesa. "Auch Trickdiebstahl ist verbreitet im ganzen Kreis – Tendenz steigend", erklärt der erfahrene Gesetzeshüter, der seit 38 Jahren bei der Polizei arbeitet und schon viele Betrugsmaschen gesehen hat.

Hier sind zehn der treistesten Maschen, die hier in der Region über die Bühne gegangen sind:

1. Der Enkeltrick

Der Enkeltrick funktioniert seit Jahren immer wieder. Die meisten fallen nicht darauf rein, einige aber doch. Jemand sitzt irgendwo in Deutschland und nimmt sich ein beliebiges Telefonbuch vor, sucht ältere Namen heraus. Zwei Komplizen werden vor Ort geschickt, um schnell handeln zu können. Dann wird telefoniert. Eine mögliche Geschichte: "Oma, ich stehe bei Mercedes und habe ein Superschnäppchen gefunden. Ich brauche ganz dringend Geld, kann aber nicht weg. Frau Schneider arbeitet bei Mercedes. Sie holt das Geld für mich ab und bringt es mir." Frau Schneider geht auf Nimmerwiedersehen  – das Geld auch.

2. Der Kriegsgefangene

"Sie hatten einen französischen Kriegsgefangenen bei sich aufgenommen. Jetzt ist er verstorben und hat keine Hinterbliebenen. Sie haben geerbt", sagt die Stimme am Telefon. Notarielle Beglaubigungen und ähnliches seien jetzt von Nöten. Etwa 7.000 Euro koste es. Das Erbe liege aber bei 200.000 Euro, also lohne es sich. Die Familie zahlt – und wartet heute noch auf ihr Erbe.

3. Flinke Finger

Betteln wird oft als Anbendelungsmasche genutzt. Wenn der leichtgläubige Wohltäter seine Geldbörse öffnet, wird die Situation genutzt, um mehr Geld hinauszuziehen. Unterschriftenlisten und Umarmungen werden ebenfalls gerne genutzt, um den unwissenden Passanten abzulenken. Dabei greifen flinke Finger beherzt in die fremde Brieftasche.

4. Blutegel bringt Geldsegen

Mit aus der Hand lesen fing alles an. Dann erzählte die "Wahrsagerin" einer Leichtgläubigen, sie solle 4.000 Euro von der Bank holen, sie in ein Glas mit einem Blutegel legen und in den Schrank stellen. Der Blutegel würde dann das Geld vermehren. Als die "Wahrsagerin" sich verabschiedete, war mit ihr auch das Geld verschwunden.

5. "Sie haben gewonnen!"

Eine Frau bekommt einen Anruf: "Sie haben ein Auto gewonnen! Jetzt müssen Sie nur 1.800 Euro Überführungskosten zahlen". Das tut die Frau mittels Bargeldtransfer. Das Geld wechselt seinen Besitzer. Auf ihr Auto wartet die leichtgläubige Frau noch immer.

6. Verbraucherschutz-Masche

Dunkle Gesellen rufen immer wieder zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten an, wollen etwas verkaufen oder haben irgend ein anderes Angebot. Dann bekommt der genervte Bürger einen Anruf der "Verbraucherzentrale": "Sie bekommen lästige Anrufe? Wir sorgen dafür, dass Sie nicht mehr belästigt werden", sagt die freundliche Stimme. Man müsse verstehen,  dass ein kleiner Unkostenbeitrag anfalle, allerdings habe man dann ja auch Ruhe. So schnell ist man die lästigen Anrufer und sein hart verdientes Geld los.

7. "Die Rose ist für Sie!"

"Die Rose ist für Sie", sagten Unbekannte zu einem Passanten. Der Mann ließ sich in ein Gespräch verwickeln und nahm die freundlichen Rosenspender mit nach Hause. Dort angekommen, erzählten sie ihm von ihren Geldsorgen und fragten, ob er ihnen nicht 30.000 Euro borgen könne. Der Mann ging auf die Bank und holte das Geld. Doch es war nicht genug für die gierigen Diebe. Sie brachten ihn dazu, noch zweimal 30.000 Euro zu holen. Als sie sich am Abend verabschiedet hatten, ging dem Bestohlenen ein Licht auf.

8. Die Telefonsex-Masche

Eine trauernde Witwe bekommt Post. Der Absender: Eine Telefonsex-Hotline. 180 Euro soll sie bezahlen, weil ihr kürzlich verstorbener Gatte diverse Dienste in Anspruch genommen habe. Aus Scham, und weil sie ihren Gatten nicht mehr fragen kann, zahlt die Dame. Lieber hätte sie bei Polizei oder Verbraucherschutz Hilfe suchen sollen.

9. Die Quellensteuer

Ein leichtgläubiger Bürger bekommt einen Anruf von seiner Bank. Der "Angestellte" erzählt, man habe in der nächsten Woche die Steuerprüfung im Haus. Je nach Guthaben falle eine Quellensteuer an. "Sie wollen darum herumkommen? Dann holen Sie Ihr Erspartes eine Woche lang heim", so der freundliche "Bankangestellte". Gesagt, getan. Zwei Tage später stehen zwei Männer vor der Tür. Ein Wasserrohr sei gebrochen. Ein Mann geht mit dem Bewohner in den Keller, der andere bleibt oben. Nachdem beide weg sind, liegt die Geldkassette auf dem Bett. Sie ist leer.

10. Falschgeld

Ein Mann holte Geld aus dem Automaten seiner Bank. Was er nicht sah: Jemand beobachtete das Ganze und ging ihm nach. Am nächsten Tag stehen zwei "Polizisten" vor der Tür. "Eine Frau, die vor Ihnen gestern Geld abhob, hatte Falschgeld dabei. Wir möchten nur kurz kontrollieren, ob ihr Geld auch falsch ist", erzählen sie dem Mann. Er öffnet die Brieftasche und siehe da: es ist Falschgeld. "Haben Sie noch mehr Geld zu Hause? Das können wir auch kontrollieren. Tatsächlich, auch Falschgeld! Wir nehmen es mit und stellen Ihnen eine Quittung aus"...

Der Rat von Kriminalhauptkommissar Reinhard Giesa

"Trickbetrüger sind gute Schauspieler", weiß Kriminalhauptkommissar Reinhard Giesa. "Und das Schlimme ist, dass die Geschichten, die sie den Leuten auftischen, oft sehr glaubwürdig sind", so Giesa weiter. Deswegen sei eine gesunde Skepsis von Nöten. Auf keinen Fall solle man Fremde einfach ins Haus lassen. "Selbst wenn sie einen Polizeidienstausweis vorzeigen, sollte man auf dem Revier anrufen und fragen, ob es diesen Polizisten tatsächlich gibt", rät der Gesetzeshüter. Sollte man dubiose Anrufe erhalten, gebe es nur eines: Auflegen. Auch bei unerklärlichen Rechnungen rät der Experte, zunächst Widerspruch einzulegen, statt sie anstandslos zu bezahlen. Zudem solle man niemals Bankdaten am Telefon preisgeben. "Geld sollte man am besten am Körper tragen", so Giesa weiter. In einer Tasche, die unbeaufsichtigt im Einkaufswagen liegt, habe die Geldbörse nichts verloren. Giesa weist darauf hin: "Nicht jeder, der bettelt, ist ein Dieb". Man solle aber auf seine innere Alarmglocke hören: "Kommt jemand Fremdes und umarmt mich überschwänglich, wäre ich vorsichtig".

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