Zwei Fritzlarer Soldaten sterben in Mali

Vier dieser in Fritzlar stationierten Tiger Kampfhubschrauber hat die Bundeswehr für die UN-Mission MINUSMA nach Mali abgestellt.

In Fritzlar stationierter Tiger-Hubschrauber abgestürzt – vermutlich kein Abschuss – jetzt Suche nach Ursache.

Mali/Fritzlar. Zwei in Fritzlar stationierte Bundeswehrsoldaten sind am Mittwochmittag beim UN-Einsatz in Mali ums Leben gekommen – sie stürzten mit ihrem Tiger-Kampfhubschrauber ab.

Nach allen bis jetzt vorliegenden Informationen soll die Ursache für den Absturz kein Abschuss gewesen sein. Vielmehr deutet alles auf einen technischen Defekt hin. Der Kampfhubschrauber war mit einem zweiten Tiger auf dem Flug vom Bundeswehr Camp in Gao in Richtung Norden – dort sollten die Bundeswehrsoldaten Kampfhandlungen beobachten.

Der Pilot der zweiten, unversehrten Maschine berichtete, dass sich die Nase des abgestürzten Tigers plötzlich nach vorne neigte und er dann – wie im Sturzflug – nach unten schoss. Einen Notruf habe es nicht gegeben.

Die Tiger waren am Mittwochvormittag von der UN angefordert worden. Sie sollten zu Gefechten nahe der Ortschaft Tabankort – ca. 150 Kilometer nördlich von Gao – fliegen. Abgestürzt ist der Tiger dann nach etwa 70 Kilometern Flug gegen 12.20 Uhr – beobachtet von der Besatzung des zweiten Helikopters, der hinter der Unglücksmaschine flog. Am Boden brannte der Helikopter komplett aus. Pilot und Bordschütze hatten keine Überlebenschance.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und der stellvertretende Generalinspekteur, Vizeadmiral Joachim Rühle, hatten am Mittwoch zunächst den Verteidigungsausschuss über die ersten Erkenntnisse informiert: Man habe am Unfallort die Leichen gefunden. Ein Abschuss könne nach bisherigen Erkenntnissen ausgeschlossen werden. Von der Leyen: „Der Tod der Männer trifft uns alle tief. Ich verneige mich vor dem Leid und dem Opfer der beiden Soldaten.“

Die Untersuchungen zu dem Absturz hat der General Flugsicherheit der Bundeswehr übernommen, der am Donnerstag mit einem Team von Experten die gesicherte Absturzstelle inspizierte. Erkenntnisse erhofft man sich dann auch von der Auswertung der „Black Box“, die alle Flugbewegungen und Manöver aufzeichnet. Die war aber bis Redaktionsschluss in dem ausgebrannten Wrack des noch nicht gefunden worden.

Sichtlich betroffen beantwortete Dr. Volker Bauersachs, Regimentskommandeur des Kampfhubschrauberregiments 36, am Donnerstag die Fragen der Journalisten.

In der Fritzlarer Georg-Friedrich-Kaserne trauert man indessen um die verstorbenen Kameraden. „Das ist ein nicht zu beschreibender Verlust für uns alle“, sagte Oberst Dr. Volker Bauersachs, Regimentskommandeur in der Kaserne, am Donnerstag, „ein Team von Experten, darunter natürlich auch Psychologen, kümmert sich aktuell um die Angehörigen und wird diese auch weiterhin betreuen.“ Am Donnerstagnachmittag fand zudem in der Kaserne, in der alle Fahnen auf Halbmast hängen, eine Trauerandacht im Gedenken an die gefallenen Kameraden statt.

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EXTRA HINTERGRUND (1)

84 Soldaten aus Fritzlar sind aktuell in Mali

An der UN-Mission MINUSMA beteiligen sich aktuell mehr als 50 Nationen mit rund 11.000 Blauhelmsoldaten – darunter 875 Bundeswehr-Soldaten. Das Kampfhubschrauberregiment 36, das in der Fritzlarer Georg-Friedrich-Kaserne stationiert ist, nimmt aktuell mit 84 Soldatinnen und Soldaten und vier Kampfhubschraubern Tiger an der UN-Mission MINUSMA teil. Die gepanzerten Tiger Kampfhubschrauber, die mit Luft-Boden-Raketen ausgestattet sind, sollen Konvois beschützen und bei Notfällen, beispielsweise wenn Uno-Soldaten am Boden angegriffen werden, schnell eingreifen. Der Großteil des deutschen Einsatzkontingentes ist im „Camp Castor“ in der ehemaligen Rebellenhochburg Gao stationiert.

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EXTRA HINTERGRUND (2)

Ist der Tiger für den Einsatz in Mali geeignet?

Schon vor dem fatalen Absturz hatte es Diskussionen darüber gegeben, ob der Tiger überhaupt für den Einsatz in Mali geeignet ist. Zum einen gilt für den Einsatz des Kampfhubschraubers die maximale Temperaturobergrenze von 43,26 Grad Celsius. Dieser Wert wurde aber für den Einsatz in Mali um fünf Grad angehoben. Am Unglückstag war es aber für Mali-Verhältnisse vergleichsweise kühl: 36 Grad. Außerdem fehlten zuletzt Piloten, um den Hubschrauber zu fliegen. Nur „eine handvoll“ Piloten werden für alle Übungs- und Schießvorhaben sowie Einsätze und einsatzgleiche Verpflichtungen herangezogen. Sie hielten aber der hohen zeitlichen Belastung nicht mehr stand, hieß es im Juni in einem internen Bericht des Kommandos Heer. Der Routine-Flugbetrieb der Tiger wurde nach dem Unglück ausgesetzt.

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