Todesfahrer bleibt frei

Von ANDREAS BERNHARDFelsberg. "Selig ist, wer vergisst, was doch nicht zu ndern ist." So lautet ein bekannter Satz aus der Operette Di

Von ANDREAS BERNHARD

Felsberg. "Selig ist, wer vergisst, was doch nicht zu ndern ist." So lautet ein bekannter Satz aus der Operette Die Fledermaus. Ums Vergessen ging es auch am Donnerstag vor dem Fritzlarer Schffengericht.

Ich kann mich nicht erinnern, hatte der Todesfahrer aus Felsberg schon im Januar, bei der ersten Verhandlung, immer wieder betont (Wir berichteten). Eine Aussage, die das Gericht damals zwang ein psychiatrisches Gutachten zur Schuldfhigkeit des 29-jhrigen Angeklagten einzuholen. Nun also die Fortsetzung:

Marathon-Sitzung

In einer achtstndigen Marathon-Sitzung, unter der ruhigen, ja fast stoischen Leitung von Richter Gerhard Lohr, wurde das Unfallgeschehen vom April 2007 noch einmal im Detail aufgerollt.

Auch fr die Zuhrer nur schwer zu ertragen war die Aussage der Tochter der Getteten. Unter Trnen berichtete sie, wie sie und ihre Mutter auf dem Heimweg von einer Familienfeier die Strae berqueren wollten, wie das hernahende Auto die beiden Frauen erfasste und der Angeklagte, nachdem die Mutter vor der Motorhaube lag, diese berrollte, kurz bremste und dann einfach davon fuhr.

Grauenvolle Verletzungen

Eine grauenvolle Liste der Verletzungen trug anschliessend der Rechtsmediziner Professor Manfred Rie aus Gieen vor. Wre der erste Zusammenstoss noch relativ glimpflich verlaufen, war das berrollen der Frau absolut tdlich. Alleine 72 Rippenbrche zhlte der Mediziner, das Herz der Frau wurde regelrecht abgerissen. Keine Chance zu berleben. Wre der Unfall zu verhindern gewesen?

Ja, sagte der Unfallsachverstndige Peter Schmidt. Aber wohl nur, wenn der Angeklagte mit geringerer Geschwindigkeit in die unbersichtliche Kurve gefahren und auf seiner Fahrbahnseite geblieben wre.

Erinnerungslcken

An vieles wollte oder konnte sich der Angeklagte auch beim zweiten Prozesstermin nicht erinnern. Der vom Gericht hinzugezogene Psychiater, Dr. Georg Stolpmann aus Gttingen, erklrte den Angeklagten fr voll schuldfhig, betonte jedoch auch, dass ein solches Vergessen, ausgelst von traumatischen Geschehnissen, durchaus mglich sei. Allerdings gebe es keine wissenschaftlich gesicherte Methode eine sogenannte psychogene Amnesie von einem mglicherweise nur simulierten Vergessen zu unterscheiden.

Der schmchtige Beschuldigte, der fast die gesamte Verhandlung mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank verbrachte, erschien als Mensch mit zwei Gesichtern: Whrend Freunde ihn als umsichtigen Fahrer, zuverlssig, korrekt und manchmal sogar penibel charakterisierten, ergaben die Gerichtsakten auch ein anderes Bild: Spuren von Haschisch wurden in seinem Blut gefunden und in den beiden Jahren vor dem tragischen Unfall musste er seinen Fhrerschein jeweils wegen Raserei fr einige Zeit abgeben. Als bsartig und erbrmlich bezeichnete denn auch der Anwalt der Nebenklage, Karl-Heinz Zimmermann, den 29-Jhrigen.

Trotzdem sah das Gericht von einer Haftstrafe ab. Drei Jahre auf Bewhrung und 300 Stunden gemeinntzige Arbeit, lautete das Urteil. Der Angeklagte habe sich gestellt, wenn auch spt, so doch Reue gezeigt und eine gute Sozialprognose, so der Richter zur Begrndung.

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