Trost im Bombenhagel

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Loshausen. Bronzerelief erinnert an den ehemaligen Vikar Kurt Reuber

Loshausen. Das Jahr 1942: Für kurze Zeit herrscht Stille in der Weltkriegshölle von Stalingrad. Auf beiden Seiten besinnen sich die Menschen. An der deutschen Front enthüllt der Theologe und Feldarzt Kurt Reuber ein Weihnachtsgeschenk an seine Kameraden, die zutiefst berührt sind und darin Trost finden. Reuber kehrt nie wieder zurück in seine Heimat. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges gelangt die Kohlezeichnung der Stalingrad-Madonna nach Deutschland und wird dort zu einer Ikone. Zur Erinnerung an Reuber wurde am Mittwochabend an der Kirche in Loshausen, dort war er von Oktober 1930 bis April 1931 Vikar, ein Bronzerelief der  Zeichnung enthüllt. "In Zeiten der medialen Inszenierung des Krieges, birgt Reubers Madonna ein Geheimnis. Sie zeigt uns nicht nur ein bewegendes und künstlerisch gelungenes religiöses Bild.

Sie verweist durch das Material, auf das sie gemalt ist – eine russische Landkarte – unmittelbar auf die Umstände ihrer Entstehung. Es ist eine ikonische Verdichtung, die – anders als bloß dokumentarische Bilder mit ihrem angeblichen Realismus – uns den Schrecken des Krieges viel deutlicher vor Augen führt", sagt Bischof Martin Hein.

Licht, Leben und Liebe

Die Zeichnung ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein Wunder. Sie ist Weihnachten 1942 entstanden, mitten im Krieg, während einer der verlustreichsten Schlachten der Weltgeschichte. Und: Sie hat Menschen in bitterer Kälte und ständiger Todesangst einen kurzen Moment Trost und Hoffnung gespendet.

Die Soldaten waren gerührt. Mitten in der Hölle von Stalingrad hatte sie die Weihnachtsbotschaft erreicht. Beim Zeichnen, schrieb Reuber später an seine Familie, seien ihm die johannitischen Worte "Licht, Leben, Liebe" in den Sinn gekommen.Gemeinsam mit dem Bild war diese Formel als Verheißung für die Soldaten gedacht. Licht – mitten im russischen Winter, der fast nur Dunkelheit und Kälte kennt. Leben und Liebe – in einer todbringenden Schlacht, einem hasserfüllten Krieg. Reuber schreibt weiter: "Die Worte werden zum Symbol einer Sehnsucht nach allem, was äußerlich so wenig da ist und was am Ende nur in unserem Innersten geboren werden kann."

Abschied ohne Heimkehr

Bei seinem vorangegangenem Heimatbesuch im Oktober 1942 war seine jüngste Tochter Ute erst vier Jahre alt. Noch heute hat sie ein klares Bild ihres Vaters vor Augen. "Er war ein großer Mann und hat fröhlich mit mir gespielt. Seine Vaterliebe war so unglaublich herzlich", sagt Ute Tolkmitt-Reuber. Wenige Tage später musste Kurt Reuber wieder an die Front. Seine Tochter sah ihn nie wieder.

Kurz nach seiner Rückkehr an die Front nahmen die sowjetischen Truppen Stalingrad ein. Von den mehr als 300.000 eingeschlossenen Soldaten der 6. Armee gerieten 90.000 Überlebende in Gefangenschaft, darunter Reuber. Nur 6.000 sind – teilweise erst nach zehn Jahren – in die Heimat zurückgekehrt. Am 20. Januar 1944 starb Reuber in sowjetischer Kriegsgefangenschaft an Fleckentyphus.

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