Unerschrockener Nordhesse: Urlauber Klaus Hobert war Augenzeuge der Unruhen in Tunesien

Nordhessen. "Nein", sagt Klaus Hobert aus Witzenhausen am Telefon, "eine Ausreise kam für uns nicht in Frage." Seit 9. Januar is

Nordhessen. "Nein", sagt Klaus Hobert aus Witzenhausen am Telefon, "eine Ausreise kam für uns nicht in Frage." Seit 9. Januar ist der unerschrockene Rentner mit seiner Frau auf Urlaub in Sousse, der viertgrößten Stadt Tunesiens. Die Stadt am Mittelmeer, rund 130 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tunis, ist ein beliebtes Touristenziel, insbesondere für deutsche Urlauber. Normalerweise bekannt für weiße Sandstrände, eine malerische Altstadt und mildes Klima auch im Winter, wurde Sousse jedoch in diesem Jahr Schauplatz der gewalttätigen Unruhen rund um den Sturz des inzwischen geflüchteten Diktators Ben Ali.

Schüsse, Brände, Plünderungen

"Wir haben Schüsse gehört", berichtet der 75-Jährige, "und ein Kaufhaus ist abgebrannt." Auch habe es Demonstrationen und Plünderungen gegeben. Danach, so seine Schilderung der Ereignisse, hätten viele Urlauber Angst bekommen. "Die Stimmung war natürlich frustriert", so Hobert. Von der deutschen Botschaft sei niemand vor Ort gewesen.

"Panikartig" hätten die meisten Urlauber das Angebot der Reiseveranstalter wahrgenommen, mit Sondermaschinen zurück nach Deutschland zu fliegen. Teilweise saßen die Leute nachts auf ihren gepackten Koffern.

Nicht so Hobert. "Wir fahren seit 35 Jahren nach Tunesien", erklärt er, "kennen hier viele Leute." Außerdem sei es in unmittelbarer Nähe des Hotels ruhig geblieben. Nach seiner Kenntnis sei auch kein Tourist zu Schaden gekommen.

Reiseveranstalter kündigt Vertrag

Das einzige Problem: Der Reiseveranstalter hat dem Rentnerpaar inzwischen den Vertrag gekündigt. Das heißt, die Kosten für das Hotel müssen er und seine Frau nun selbst tragen.

Am Donnerstag einigte er sich mit einem Vertreter des Touristikunternehmens darauf, dass ihnen ein Teil des bereits gezahlten Reisepreises zurück gezahlt wird.

"Inzwischen", so Hobert, "hat sich die Lage hier entspannt." Zwar gelte noch immer eine Ausgangssperre, doch könne er sich frei bewegen. Die Tunesier seien zumeist freundlich und die Leute mit denen er gesprochen habe, sähen die Situation gelassen. Deshalb wollen er und seine Frau wie vorgesehen bis zum 9. März in Sousse bleiben. "Was nach den Unruhen weiter in Tunesien geschieht bekomme ich aber auch nur aus dem deutschen Fernsehen mit", sagt das ehemalige Magistratsmitglied von Witzenhausen. Denn, so sein selbst auferlegtes Credo: "In die Politik hier mische ich mich nicht ein."

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