,Von den Emotionen lösen’: Nico Ritz im Redaktionsgespräch

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Homberg. Bürgermeisterkandidat Nico Ritz erzählt Im exklusiven Redaktionsinterview, wofür er in der Kreisstadt einstehen will.

Homberg. "Auch wenn wir Partner sind, befinden wir uns im Wettbewerb. Deshalb muss unsere Stadt stärker als Fritzlar oder Melsungen sein", betont Bürgermeisterkandidat Nico Ritz im Redaktionsgespräch mit dem Homberger Anzeiger und lokalo24. Der 35-jährige Jurist ist gestern Abend ins Rennen um den Posten des Homberger Verwaltungschefs eingestiegen. Dabei wird er vom CDU-Stadtverband unterstützt, der mit großer Mehrheit beschlossen hat, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen.

Nun gelte es, keine Zeit zu verschwenden. "Es kann nicht angehen, dass die Stadt Ende Februar noch immer keinen beschlossenen Haushalt vorweisen kann", betont der im Bereich "Insolvenzrecht und Sanierung" tätige Anwalt mit Blick auf die marode Finanzlage der verschuldeten Kreisstadt. Trotzdem dürfe man nicht "mit dem Rasenmäher über den Haushalt fahren", einzelne Projekte einfach absetzen oder andere unhinterfragt fördern. Stattdessen sei jeder Stein in mühevoller Detailarbeit umzudrehen und jedes Projekt genau zu betrachten.

Die "Grüne Wiese" ist nicht schuld

Für den Stillstand in der Innenstadt macht der parteilose Kandidat vor allem strukturelle Probleme verantwortlich: "Das Problem ist nicht die Konkurrenz auf der Grünen Wiese. Stattdessen hat sich, zum Beispiel durch Firmen wie Zalando, der Markt an sich verändert. Diesen Konkurrenzkampf kann Homberg nicht gewinnen. Stattdessen muss man die Stärken der Stadt herausarbeiten und fragen, was die Menschen in die Stadt treibt."

Nicht nur der Leerstand in der Kernstadt sondern auch die zwanzig Homberger Ortsteile sind für Ritz ein zentrales Thema. So gelte es, die kleinen Dörfer nicht als Vororte der Kreisstadt zu behandeln sondern als Wohnorte mit jahrhundertealten Traditionen und Identitäten zu stärken. "Man muss eine gute Versorgung sicherstellen. Sowohl im medizinischen Bereich als auch in der Nahversorgung durch Dorfläden". "Halbgare ÖPNV-Ideen", ist sich der in Hamburg tätige Jurist sicher, würden stattdessen nicht weiterhelfen.

Ja zur Kasernennutzung; Nein zum Krankenhaus

Für die Nutzung des Kasernengeländes hat Ritz keine Patentlösung parat. "Es reicht nicht, irgend einen Investor zu präsentieren. Stattdessen muss man schauen, welche Bereiche in Homberg funktionieren", so Ritz. Zwar habe sich der Transport- und Logistikbereich in Homberg als stark erwiesen. Allerdings müsste auch beim produzierenden Gewerbe und im Handwerk geschaut werden, wo Potentiale schlummern und Synergien bestehen.

Das ehemalige Krankenhaus spielt in seinem Programm hingegen keine Rolle. Da eine Reaktivierung unwahrscheinlich sei, müssten sich die Homberger von ihren Emotionen bezüglich des Gebäudes lösen. "Es ist kein Krankenhaus mehr, sondern nur noch ein grauer Kasten mit begrenzten Nutzungsmöglichkeiten", so Ritz, der betont, dass der leer stehende Komplex nicht der Stadt sondern Asklepios gehört. Die Stadt habe hingegen selbst genug Gebäude, die es kommerziell zu nutzen gelte.

Dass er über keinerlei direkte Verwaltungserfahrung verfügt, betrachtet Ritz nicht als Manko. "Homberg braucht allerdings auch keinen Oberverwalter. Es sind in der Stadt genug Kompetenzen vorhanden, die es zu nutzen gilt", so der 35-jährige, der seine Wahlunterlagen noch eingereichen muss.

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Lesen Sie außerdem die Redaktionsgespräche mit Stefan Giebel, Markus Opitz, Dirk Richhardt und Eibe Hinrichs

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