Weihnachtsfeier hinter Gittern

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Ziegenhain. Besinnliche Stimmung kommt auch im Ziegenhainer Gefängnis auf.

Ziegenhain. Auf dem Paradeplatz laufen die Vorbereitungen für den Schwälmer Weihnachtsmarkt auf Hochtouren. Drinnen sieht es für die direkten Nachbarn ganz anders aus, denn die meisten von ihnen sind Insassen der JVA Schwalmstadt. Michael Kullinat von der Gefängnisseelsorge und sein Kollege Peter Kittel veranstalteten kürzlich eine Weihnachtsfeier für die Gefangenen aus dem B-Flügel. "Die Männer sind an Weihnachten einsam", erklärte Kittel, denn in dieser Zeit herrsche sogenannter "Sonntagsdienst", also keine Arbeit, früherer Einschluss und vor allem kein Besuch. "Unsere Gottesdienste sind über die Feiertage die einzigen Angebote", ergänzte sein Mitstreiter Kullinat. "Für Familienväter ist es besonders schwer", so die beiden Seelsorger, daher versuchten viele die Weihnachtszeit einfach zu verdrängen. Für diesen Abend hatten sie extra eine Posaune und ein E-Piano mitgebracht, um der Feier auch einen musikalischen Rahmen geben zu können. Der große Rittersaal, der sonntags auch für die Gottesdienste genutzt wird, war adventlich hergerichtet. Ein kleiner Christbaum, Kerzen mit Tannengrün und ein paar Teller mit Plätzchen auf den Tischen sorgten ein wenig für weihnachtliche Stimmung.

Draußen hörte man das Klimpern eines großen Schlüsselbundes, dann wurde der Schlüssel zweimal im Schloss herumgedreht und die schwere Holztür öffnete sich. Etwa drei Dutzend Männer im Alter zwischen 30 und 70 Jahren betraten den Saal und setzten sich an eine der drei Tischreihen.

Weihnachtsklassiker und Andacht

Die einen kamen im Trainingsanzug, andere trugen das rote Hemd und die dunkle Hose der offiziellen Gefängniskleidung, und ein paar wenige hatten sich, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sogar etwas schick gemacht. Jeder brachte Besteck und eine Tasse aus seiner Zelle mit, denn zuerst wurde gegessen. Aufgrund der derzeitigen Umstrukturierung gab es, statt des beliebten Grillhähnchens mit Pommes, den "Weihnachtsklassiker" - Würstchen mit Kartoffelsalat. "Man hat hier drin eigentlich nicht viel Platz für Gefühle", erzählte der 30-jährige Micha beim Essen und griff nach einem Spekulatius. "Daher kehren in dieser Zeit die meisten eher in sich und es wird etwas stiller", beschrieb er seine Eindrücke. In der folgenden Andacht machte sich Seelsorger Kullinat Gedanken zur Weihnachtsgeschichte, in denen auch mehrmals das Wort "Freiheit" vorkam.

Zum Ausklang spielten die beiden Seelsorger noch einige Weihnachtslieder, dann hieß es für alle wieder "zurück in die Zelle".

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