Wieder hinterm Steuer: Die erste Autofahrt nach 20 Jahren - Ein Erlebnisbericht

Schwalm-Eder. Runter von der Bremse, die Kupplung kommen lassen und langsam Gas geben: Manche Dinge verlernt man scheinbar doch nicht.Ich habe irgendw

Schwalm-Eder. Runter von der Bremse, die Kupplung kommen lassen und langsam Gas geben: Manche Dinge verlernt man scheinbar doch nicht.

Ich habe irgendwann Anfang der Neunziger meinen Führerschein gemacht. Da ich allerdings nie ein eigenes Auto hatte, Probleme mit den Augen habe und ohnehin kein besonders guter Fahrer war, saß ich seitdem nie wieder hinter einem Steuer. Das war soweit auch kein Problem, immerhin habe ich jahrelang in einer Stadt mit einem gut ausgebautem Bus- und Bahnnetz gelebt. Doch durch meinen Umzug nach Homberg hat sich meine Situation stark verändert. Daher scheint für mich der Zeitpunkt gekommen, dass ich es wieder mit dem Autofahren versuchen sollte.

Bei diesem Vorhaben steht mir Ulf Warlich aus Borken mit Rat und Tat zur Seite. Der 50-Jährige arbeitet seit 27 Jahren als Fahrlehrer. Schon während seines Studiums verdiente er sich etwas Geld mit Fahrstunden dazu. Dann musste er sich entscheiden: Entweder das Sportstudium weiterführen oder in der Fahrschule seines Vaters mitarbeiten. Ulf Wahrlich entschied sich für die zweite Möglichkeit; eine Wahl, die er nie bereut hat. Mittlerweile führt er in Borken seine eigene Fahrschule.

Er fährt mit einem BMW 118 Diesel vor. Der Wagen ist recht neu, da der Fahrlehrer und passionierte Motorradfahrer gerade dabei ist neue Fahrzeuge anzuschaffen. Ich nehme hinter dem Steuer platz und stelle wie selbstverständlich Sitz und Spiegel ein. Dann starte ich das Auto – und bringe den Motor zum Absaufen.

Ich starte erneut, lasse die Kupplung bis zum Schleifpunkt kommen, gebe langsam Gas und fahre los. Ich schalte in den Zweiten und bin überrascht, dass ich diese Schritte fast wie selbstverständlich ausführe. Zugegeben, es ruckelt noch etwas beim Anfahren, mein Rückspiegel findet keine Beachtung und ich habe noch nicht raus, wann mit dem Bremsen angefangen  werden muss. Entweder bremse ich zu früh oder ich trete zu spät und dafür umso fester aufs Pedal, so dass das Auto ruckartig zum Stehen kommt. Außerdem ist mein Blick so starr auf die Fahrbahn geheftet, dass ich mehrere Straßenschilder übersehe.

Fehler von Fortgeschrittenen

Trotzdem verläuft diese erste Fahrt besser als ich es mir im Voraus gedacht habe. Dabei ist es auch ein beruhigendes Gefühl jemand neben mir sitzen zu haben, der mit aufpasst und im Notfall eingreifen kann. Alleine hätte ich mich nach all den Jahren bestimmt nicht hinters Steuer getraut.

Wir verlassen Homberg und fahren durch Orte wie Wabern, Hebel oder Unshausen. Orte, die ich bisher nur dem Namen nach kannte. Ich weiß nicht durch welche Dörfer wir noch fahren, weil ich mich oftmals so stark auf die Fahrbahn und den Gegenverkehr konzentriere, dass ich kaum auf die Ortsnamen achte.

Es geht weiter auf die Autobahn. Sofort hängt sich ein anderes Auto so dicht hinter uns, dass man das Gefühl hat,  dass es in unseren Kofferraum kriechen will. "Die Leute fahren viel zu dicht auf," kritisiert Ulf Warlich. Das ist einer der beiden großen Fehler, die viele Autofahrer leider machen. Außerdem scheinen Viele nicht mehr  zu wissen, wie man einen Blinker benutzt. Dabei ist das Blinken die einzige Möglichkeit, um mit den anderen Verkehrsteilnehmern zu kommunizieren."

Wir fahren zurück nach Homberg. Die enge Untergasse ist eine kleine Herausforderung. Wir halten vor der Redaktion und besprechen die Fahrt, die zwar mitunter etwas holperig war aber trotzdem besser verlaufen ist, als wir beide es im Voraus gedacht haben.

Guter Dinge und ein wenig stolz auf mich selbst steige ich aus dem Wagen. Das war also meine erste Fahrt seit Jahren. Ich bin gespannt, wie die Zweite wird.

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