Wildschwein-Ragout statt "Wasser und Brot"

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Ziegenhain. Erfolgreiche Gesellenprüfung in der JVA.

Ziegenhain. Die Zeiten von "Festungshaft bei Wasser und Brot" sind lange vorbei, doch "Wildschwein-Ragout mit Rahmsoße, zarte Rosenkohl-Blättchen mit Speck und hausgemachte Petersilien-Nudeln" gibt es auch nicht jeden Tag in der JVA Schwalmstadt. Anlässlich der Gesellenprüfung der Köche, durften sich zumindest die Gäste im Restaurant der Lehrküche über solcherlei kulinarische Köstlichkeiten freuen. Als Vorsuppe wurde "Wildkraftbrühe mit bayrischen Semmelklößchen und einem kleinen Rosmarin-Brötchen" gereicht und das Dessert, "Apfel-Rosinen-Törtchen an Schokoladen-Schmand-Mousse mit luftigem Birnenschaum", entlockte den anwesenden "Restaurant-Kritikern" ein einstimmiges "Mmmh, lecker!".

Vier weitere, ähnlich wohlklingende Speisenfolgen standen auf dem Menüplan, denn fünf der zehn Koch-Azubis stellten sich an diesem Tag zur praktischen Prüfung vor. Unter den kritischen Blicken von Küchenmeister Hermann Thiel, Vorsitzender der Prüfungskommission, und seinen beiden Kollegen schnitten, hackten und rührten die angespannten Prüflinge, was das Zeug hielt.

Hochkonzentriert schwang der 28-jährige Bogdan die Pfanne, damit seine Pfannkuchen nicht anbrannten, während sein Mitstreiter alles für den "Winterlichen Apfelpalatschinken mit Glühweincreme" vorbereitete.

Ausbildung senkt Rückfallquote

JVA-Küchenmeister Gerd Conradi und Dozent Jörn Rockensüß unterstützten ihre Schützlinge dabei moralisch. Gemeinsam mit Georg Bode, Lehrer für Mathe und Wirtschaft, hatten die beiden zwei Jahre lang die angehenden Köche auf ihre Prüfung vorbereitet. "Die meisten befinden sich im letzten Drittel ihrer Haftzeit, damit sie alsbald nach ihrer Entlassung auf Jobsuche gehen können", erklärte Justizvollzugsbeamter Peter Hill, der für die Sicherheit in der Lehrküche zuständig ist. "Bei Gefangenen mit einer Ausbildung ist die Rückfallquote um einiges geringer", berichtete Bode über seiner Erfahrung. "Von Zeit zu Zeit bekommen wir auch mal Rückmeldungen von Azubis, die es draußen geschafft haben", zeigte sich Ausbilder Rockensüß zufrieden über den Erfolg.

Derweil servierten William und sein Kollege Okan den nächsten Gang. "Ab nächster Woche sind wir die Azubis im zweiten Lehrjahr", freuten sich die beiden auf ihre "Beförderung". Während im Restaurant noch die letzten Gäste ihren "Bratapfel mit Schmand-Creme" genossen, zog Prüfer Thiel nach Aufzeigen einzelner kleiner Fehler die Bilanz: "Alle haben bestanden!". Erleichtert gönnten sich die Jung-Köche ein Glas alkoholfreien Sekt, bevor es ans Aufräumen ging.

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