,Wir sind hier zum Zuhören’ - Gewaltfrei leben in Felsberg: Stadt und muslimisches Kulturzentrum luden zu Info-Abend

Felsberg.  "Für ein gewaltfreies Leben in Felsberg", dafür setzt man sich in der Drei-Burgen-Stadt ein. Am vergangenen Donnerstag hatten

Felsberg.  "Für ein gewaltfreies Leben in Felsberg", dafür setzt man sich in der Drei-Burgen-Stadt ein. Am vergangenen Donnerstag hatten die Stadt und das Muslimische Kulturzentrum gemeinsam zu einem Informationsabend in die Aula der Gesamtschule geladen.

Auf dem Podium waren neben Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz und Dipl. Ing. Murat Cetinkaya vom Muslimischen Kulturzentrum auch der Migrationsbeauftragte des Polizeipräsidiums Nordhessen, Ercan Tunalioglu, der Jugendkoordinator der Polizeidirektion Schwalm-Eder Markus Brettschneider und der neue Leiter der Polizeistation Melsungen, Gerd Kümmel. Sie hatten Jugendliche und Erwachsene Bürger aus Felsberg mit Migrationshintergrund eingeladen."Wir wollen mit Ihnen, mit Euch, hier gemeinsam friedlich leben und wohnen und uns Zeit nehmen, Missverständnisse zu vermeiden. Wir sind hier um zuzuhören", so Felsberges Bürgermeister Volker Steinmetz. Angesprochen wurden unterschiedliche Themen. Unter anderem ein Vorfall im Sommer vergangenen Jahres in Felsberg, bei dem die Polizei eine Massenschlägerei verhindert hatte. Das Resultat: Fünf Verletzte, darunter zwei Polizeibeamte. Bei den Festgenommenen handelte es sich, laut Polizeibericht, um fünf junge Männer im Alter von 16 bis 19 Jahren aus dem Raum Felsberg und Melsungen. Die Polizei leitete Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Verdacht des Landfriedensbruchs ein.Aber ist das Leben in Felsberg denn gefährlich? "Nein, es ist nicht gefährlich. Wir wollen gewaltfrei leben, wie es bisher war", antwortete Gerd Kümmel, Leiter der Melsunger Polizeistation. Es habe nur diesen einen Fall gegeben. Daran seien Jugendliche mit Migrationshintergrund beteiligt gewesen."Wir sind heute Abend hier, damit so etwas nie wieder passiert", sagte Polizei-Migrationsbeauftragter Ercan Tunalioglu. Es ginge nicht, dass die jungen Leute mit so einer Aktion das kaputtmachen würden, was die erste und zweite Generation hier aufgebaut habe.

Ideen gesammelt

"Bei dem heutigen Informationsabend geht es um Prävention, nicht um die einzelne Straftat", bekräftigte Murat Cetinkaya. Und so sahen es auch die Vertreter von Polizei und Stadt. "Wir möchten die Hand reichen, zu gemeinsamer Präventionsarbeit", so Cetinkaya. Und Bürgermeister Steinmetz bekräftigte: "Ich möchte in die Zukunft gucken, wie wir uns verständigen können. Wir sind heute hier, um es im Zukunft zu vermeiden, dass Menschen sich streiten."´"Wichtig ist uns, dass die Polizei als Ansprechpartner gesehen wird", erklärte Polizeistationsleiter Gerd Kümmel.Schließlich wurden die anwesenden Jugendlichen gefragt, wo sie sich in Felsberg zusätzliche Freizeitangebote  wünschen, wo Eltern Infos bekommen könnten und es wurden Ideen gesammelt.Cetinkaya: "Wir reden viel über Integration, wir wollen alle was Gutes bewirken und dazu beitragen." Jedoch meinte er, dass viele sich noch nach 35 Jahren ausgegrenzt fühlten.Tunalioglu: "Nicht erst seit dem Buch von Herrn Sarrazin ist Integration in aller Munde." Er fügte hinzu, dass die Jugendlichen seiner Meinung nach bereits integriert sind, beispielsweise in Vereinen. Und dass es wichtig sei, dass die Eltern mithelfen. Gemeinsame Aktionen, um gemeinsame Ziele zu erreichen, würden helfen. "Was kann ich tun, damit ich in Felsberg integriert bin?", sollte sich jeder selbst fragen. Für mehr Gemeinsamkeit lud das muslimische Kulturzentrum zu seinem Straßenfest ein."Wir haben mindestens acht bis zehn Nationen oder mehr in Felsberg", sagte Bürgermeister Steinmetz. "Ich fühle mich für alle verantwortlich, die hier leben wollen". Wichtig sei, sich gegenseitig zuzuhören, voneinander zu lernen und sich wertzuschätzen. Und aufgrund der Diskussion, in die die Zuhörer und Podiumsteilnehmer auch viele Ideen einbrachten, machte das Stadtoberhaupt unter anderem folgende Angebote:  Er lud das muslimische Kulturzentrum zum runden Tisch ein, an dem sich alle Vereine zweimal jährlich treffen. Er wolle ein "Instrumentarium" finden, um auch die ausländischen Bürger in politische Entscheidungen zu integrieren; vielleicht über eine Beraterfunktion. Die Jugendlichen lud er ein, in den Jugendrat der Stadt zu kommen.Dem Auftaktabend am Donnerstag sollen noch Workshops folgen, wie beispielsweise eine Informationsveranstaltung für Jugendliche über die Gefahren von Drogen und eine weitere für Erwachsene, wie man Drogenmissbrauch erkennen kann. Und es soll bessere Absprachen zwischen Polizei, Stadt und Kulturzentrum geben – auch in Bezug auf Großveranstaltungen."Wichtig ist es", so der Bürgermeister, "den Jugendlichen Aktionsraum zu geben", und wies auf die zahlreichen Freizeitangebote in Felsberg hin, die auch unter www. felsberg.de aufgelistet sind.

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