,Wir sind der Verkehr!'

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Schwalmstadt. Flashmob weist auf den Fahrradalltag in Schwalmstadt hin

Schwalmstadt. Anfangs saß nur eine einzige Radfahrerin auf der neuen Sitzbank am Haaßehügel, doch nach und nach wurden es immer mehr. Schließlich starteten etwa 20 Pedalritter zu einer spontanen Tour durch Schwalmstadt, zu der sie sich kurz zuvor über Handy oder Internet verabredet hatten. Als "Critical Mass", zu deutsch kritische Masse, fuhren sie über die Mainzer Brücke in Richtung Wieragrund. Als Gruppe mit mehr als 15 Teilnehmern durften sie, gemäß Straßenverkehrsordnung, als geschlossener Verband auch zu zweit nebeneinander fahren und waren nicht verpflichtet, den Radweg zu benutzen.

Radfahrer ohne Lobby

Bereits auf der Wieragrundstraße stauten sich die drei bis vier Fahrzeuge hinter den Radlern, dies führte zu ersten "Gegendemonstrationen" seitens der Autofahrer. Einige von ihnen brachten ihr Unverständnis durch verbotenes Hupen und andere nicht zulässige Gesten zum Ausdruck. Damit hatten die Teilnehmer dieses Flashmobs ihr erstes Ziel erreicht – Aufmerksamkeit. "Wir behindern nicht den Verkehr, sondern wir sind der Verkehr", betonten die Zweiradfahrer und versuchten mit der Aktion "share the road!" (teilt die Straße) auf die Situation der Alltagsradler im Innenstadtverkehr aufmerksam zu machen. Bei der Planung für Straßenumbauten seien sie nicht berücksichtigt worden, sagte Radverkehrsbeauftragter Ulrich Wüstenhagen, der bei dieser Tour jedoch als Privatperson mitfuhr."Es gibt in Schwalmstadt einfach kein echtes Verkehrskonzept für Radfahrer", bemängelte ein anderer Teilnehmer. So sei etwa die Fahrt durch den Kreisel beim Aldi-Markt besonders gefährlich, wie der Unfall zeige, bei dem erst kürzlich eine Radfahrerin von einem Auto angefahren wurde. "In jedem Unternehmen gilt die Null-Toleranz-Grenze für Unfälle, weil sonst irgendjemand haftbar gemacht werden könnte", veranschaulichte Wüstenhagen, das sei im Straßenverkehr leider anders. Vor der Eisenbahnbrücke in der Friedrich-Ebert-Straße kam es erneut zu Irritationen bei den anderen Verkehrsteilnehmern, als nämlich die Gruppe über die Kreuzung weiter in Richtung Ziegenhain fuhr. Bei den hinteren Fahrern zeigte die Ampel bereits rot, doch als geschlossener Verband zählten sie als ein Fahrzeug und so durfte das "Heck" auch noch mit.Zwischen Treysa und Ziegenhain benutzten sie den Radweg, doch bereits ab der Polizeistation fuhr der Fahrrad­tross wieder auf der Straße. Über Ascherode führte die Fahrt schließlich wieder zum Ausgangspunkt Haaßehügel zurück, wo sich alle nach der gelungenen Aktion verabschiedeten. "So eine spontane Tour werden wir künftig öfter machen", waren sich alle einig und hofften auf noch mehr Teilnehmer, die ebenfalls unzufrieden mit der Situation der Radfahrer sind.

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