Wollrode im Herzen

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Wollrode. Georg Margraf ist Dorfchronist mit Leib und Seele.

Wollrode. Wenn Georg Margraf über alten Protokollbüchern brütet, dann taucht der 72-Jährige in die Vergangenheit ein, muss sich fast zwanghaft in die Realität zurückholen. Geschichte ist Georg Margrafs größtes Hobby. Schulprotokolle, Schwarz-weiß-Fotos mit Knicken und Rissen, zerfledderte Inflationsgeldscheine  – was andere als Müll abtun und wegwerfen würden, ist für den Rentner ein echter Schatz. Georg Margraf ist Wollrodes Dorfchronist. "Angefangen habe ich eigentlich schon, als ich 20 Jahre alt war", erinnert er sich. Mittlerweile ist das viele Jahrzehnte her.

Die Liebe zur Geschichte entdeckte er schon im Schulalter. "Damals hatten wir einen Lehrer, der nur Zahlen gebüffelt hat, keine Geschichte", lacht er verschmitzt. Da habe er sich gedacht: "Hier im Ort muss es doch etwas gegeben haben." Und das gab es auch. In den vergangenen Jahrzehnten hat Georg Margraf ein beachtliches Maß an Zeitzeugnissen zusammengetragen: Protokollbücher der Gemeinde, von Vereinen, von der Schule, unzählige Fotografien und vieles mehr.

Um alles für die Nachwelt festzuhalten, sind durch sein Zutun zwei Dorfchroniken entstanden. Dafür mussten die Protokolle, die in Sütterlin (der alten deutschen Schreibschrift) verfasst wurden, übersetzt werden. Viele Stunden haben Margraf und auch seine Frau Hiltrud über den Schriften gebrütet: "Manchmal hängt man an einem Wort tagelang. Hat man es endlich geknackt, freut man sich", meint sie lächelnd.

Die Chroniken sind an Georg Margrafs Computer entstanden. Nicht nur die Tipparbeit hat der rüstige Rentner selbst übernommen. Auch die Bilder hat er eingescannt und bearbeitet, um das Beste aus den Relikten herauszuholen. Mit 60 Jahren habe er angefangen, noch von Berufswegen, sich mit dem Computer zu beschäftigen. "Mein Mann ist Autodidakt. er hat sich da reingefuchst", erklärt Hiltrud Margraf. Sie ist für das Korrekturlesen zuständig. Georg Margraf ist in Wollrode geboren. Er kennt den Ort wie seine Westentasche.

Immer wieder einmal bringt ihm jemand ein Bild von früher. Dann freut er sich. "Manchmal kennt man die Menschen, die darauf sind, manchmal nicht. Wir gehen dann in den Supermarkt und fragen, wer wen kennt", so seine Frau. Georg Margraf hat schon viel erreicht. Sogar das Bundesverdienstkreuz hat er für sein ehrenamtliches Engagement erhalten, von dem seiner Frau die Hälfte zusteht, wie er betont.

Doch der Rentner hat noch einiges vor. Er will einen weiteren Teil der Chronik veröffentlichen. Außerdem ist er beim Sichten der Dokumente auf eine Besonderheit gestoßen: Wollrode hat einen Ehrenbürger. Allerdings ist die Sütterlinschrift teilweise so unleserlich, dass er noch nicht dahintergekommen ist, wofür der Steiger Caspar Christian Bratengeier aus Schmalkalden 1854 zum Ehrenbürger ernannt wurde. "Wenn jemand helfen kann, würde ich mich sehr freuen", erklärt Margraf. Zudem ist er immer auf der Suche nach neuen Relikten und Zeitzeugnissen von einst. Er betont: "Manche Leute wissen gar nicht, was sie für Schätze im Keller haben".

Wer dem Ehepaar Margraf eine Freude machen will, sieht also auf dem Dachboden, im Keller oder ganz hinten im Schrank einmal nach. Die beiden freuen sich über alle Geschichten, Bilder und Bücher, die von Wollrode erzählen. Kontakt: Georg Margraf, Telefon: 05665 / 2109.

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