Das Wunder zu Weihnachten - Alle Ärzte sagten, es ist nicht möglich, bis es einer machte

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Christa Haller (76) hat neuen Lebensmut geschoepft. Foto: Schesswendter

Schwalm-Eder. Christa Hallers Gesicht leuchtet, sie strahlt und kann gar nicht mehr aufhören. Sie hatte eine schwere Operation vor wenigen Tagen und

Schwalm-Eder. Christa Hallers Gesicht leuchtet, sie strahlt und kann gar nicht mehr aufhören. Sie hatte eine schwere Operation vor wenigen Tagen und freut sich: "Ich hatte solche Schmerzen, die wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht”. Jetzt sind die Schmerzen fort.

,Das operiert niemand’

Nachdem ihr Kniegelenk vor 18 Jahren bei einem Autounfall zerstört worden war, lebte die Frau unter unvorstellbaren Qualen. Nun hat sie ein neues Kniegelenk erhalten.  Die Wunde heilt. Diese Selbstverständlichkeiten sind für die Familie Haller ein reines Wunder.

Tochter Edith erzählt, dass jeder Arzt, den sie gefragt hat, einen solchen Eingriff bei der 76-Jährigen für unmöglich hielt. Einmal hieß es, das Herz halte es nicht aus, der eigene Tod müsse in Kauf genommen werden. Doch das größte Problem ist sind die Lymphödeme in ihrem Bein. Große Mengen Gewebe lagern sich dort an. Die Hausärzte der Hallers sind sich sicher: "Das operiert niemand”. Die Wunde könne am Ende nicht heilen, ein offenes Bein werde bleiben, so die Prophezeiungen.Hausärzte, Spezialisten, Ober- und Chefärzte scheuen das Risiko. Insgesamt über zehn Experten verneinen im Laufe der letzten 18 Jahre die Möglichkeit einer entsprechenden Operation. Edith Haller kann jeden Einzelnen aufzählen, mit Namen, Rang und Begründung. Jeder zerstörte die Hoffnung auf Linderung ein wenig mehr.

Die Hoffnung verloren

Zum letzten Mal im Februar 2012: Alles ist schon vorbereitet im Hersfelder Krankenhaus. Wenige Stunden vor der geplanten Operation (OP) lassen die Ärzte den Termin platzen: "Wir trauen uns nicht.”  Die Patientin erinnert sich an den Meinungswechsel. "Sie haben mich untersucht, da war alles okay. Dann ist der Termin gemacht worden. Und plötzlich war ich laut Bericht todkrank”. An eine Operation ohne Herzschrittmacher sei nicht zu denken, heißt es plötzlich.Christa Haller ist am Boden zerstört. Die letzte Chance scheint vertan.

Der fatale Zusammenstoß mit einem betrunkenen Fahrer 1996 beschädigte ihr Knie. Nachdem eine Operation abgelehnt wird, versuchte die Frau sich mit dem zerstörten Gelenk durchs Leben zu quälen. Die defekten Knorpel nutzten sich jedoch immer mehr ab. "Das war gar kein Knie mehr”, erinnert sich Tochter Edith. "Bei jedem Schritt hat es im Knie laut geknackt”, berichtet sie. Dazu entzündete sich die Stelle immer wieder. Dreimal stürzte die schwere Frau. Ein Aufenthalt in einer Schmerzklinik brachte nur kurze Linderung.

Eine Stunde für vier Meter

Die eigentlich lebenslustige Frau wurde zum Pflegefall der Stufe Drei. Sie brauchte eine geschlagene Stunde, um auf ihren Krücken die vier Meter vom Schlafzimmer zum Bad zu kommen. Den ganzen Tag saß sie in der Küche ihrer Tochter und deren Ehemann und verfiel in Depressionen. Edith Haller erinnert sich: "Wenn wir morgens im Bad waren, hat sie mehrfach gesagt, ich solle doch einfach einen Knüppel holen und sie tot schlagen.”  Auch "Ich kann nicht mehr”, muss die Tochter oft hören. Doch die 51-Jährige, selbst schwer behindert, gibt nicht auf. Schließlich gerät sie an die orthopädische Klinik des Roten-Kreuz-Krankenhauses in Kassel.

OP am Rand der Technik

Oberarzt Dr. Marcus Siebert nimmt die Frau auf – und nimmt der Aufgabe den Stempel "Unmöglich”.

Dr. Werner Konermann ist Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirugie und er sagt nach diversen Untersuchungen und Abwägungen: "Wir machen das.”Am Morgen der OP bricht Christa Haller in Tränen aus. "Ich konnte es bis zuletzt nicht glauben,” gesteht sie. Nach der Erfahrung in Hersfeld rechnet sie jede Minute damit, wieder nach Hause geschickt zu werden.Konermann operiert selbst. "Es war die größte Herausforderung im Bereich der Kniegelenk-Operationen in diesem Jahr,” erinnert sich der Spezialist. Nach eigenen Angaben hat er bisher über 3.000 Kniegelenke operiert.Bei der Operation gibt es keine Komplikationen, auch wenn der Arzt gesteht, dass sie "an der Grenze des technisch Machbaren” seiner Klinik angesiedelt war.Christa Haller ist stark und hat ihren Lebenswillen wieder. Sie liegt nur eine Nacht auf der Intensivstation.

Während der Wartezeit auf die Reha, spielt sie laut Musik und träumt vom Tanzen. "Die unterhält die ganze Station”, beschreibt Edith Haller ihre verwandelte Mutter jetzt. "Es heilt”, freut die sich. Dr. Konermann kommentiert den Heilungsprozess mit zwei Worten: "Völlig komplikationslos.”Er lobt seine Patientin: "Bei der Reha hat sie super mitgearbeitet.” Christa Haller sagt: "Ich bin sehr sehr dankbar” – so wie ihre ganze Familie.

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