Zehn Peitschenhiebe für die Ulknudel

+

Fritzlar. Ein bisschen Klimbim steckt immer noch in Ingrid Steeger - Stadführer zeigen der Schauspielerin ihr Fritzlar

Fritzlar. Nein, der Tag hat für Ingrid Steeger nicht gut begonnen. Sie sei etwas müde, gesteht sie, nachdem sie am Vortag neun Stunden in der Schwalm unterwegs war. Und außerdem habe sie in der Eile die Leine für Yorkshire-Dame Eliza Doolittle vergessen. "Und ohne meinen Hund", so sagt die kleine Frau mit fester Stimme,

"kriegt man mich nicht." Doch zum Glück bietet Fritzlar nicht nur eine mehr als tausendjährige Geschichte, sondern auch einen gut sortierten Einzelhandel. Das Problem mit der fehlenden Leine lässt sich also schnell lösen.Und dann geht es los: Stadtführer Manfred Ochs zeigt der Schauspielerin das historische Fritzlar. Erste Station ist das Hochzeitshaus. Das prachtvolle Patriziergebäude mit seinem steinernen Renaissance-Türbogen macht schon Eindruck. Doch so richtig in Fahrt kommt die bekennende "Möbel-Fetischistin" erst im örtlichen Regionalmuseum. "Also von den alten Schränken könnte ich einige einpacken", witzelt sie. Und auch die Intarsienarbeiten des Fritzlarer Künstlers Johann Steffen würdigt sie mit Kennerblick.

Wichtigster Mann Fritzlars

"Sie werden gleich den wichtigsten Mann Fritzlars kennenlernen", lockt Stadtführer Ochs die Steeger zum Aufbruch. Und da steht er – Bonifatius, der Kirchengründer, auf seinem

Denkmal vor dem Dom. Staunend hört die Schauspielerin, welch bedeutende Rolle die Stadt im Mittelalter hatte und dass hier einst der erste "deutsche" König gewählt wurde. Mit großen Augen steht sie danach vor den bunten Fenstern von St. Peter, bewundert die grazilen Säulen im westfälischen Barockstil. "Das wäre doch auch eine tolle Bühne", erkennt der Theater-Profi in ihr. Sie weiß aber auch gleich, wo die Probleme liegen: "In der Akustik."Überhaupt: Die Altstadt von Fritzlar bietet eine tolle Kulisse. Und auch die Stadtführer bringen einiges an schauspielerischem Talent mit. Als Gerlinde, die Hofdame König Heinrichs, Bürgermeister Katzmann und als Henker treten sie Ingrid Steeger gegenüber. Berichten aus der bewegten Geschichte.Das ist das Stichwort: Sofort ist die ehemalige Ulknudel der Nation in ihrem Element. Von Müdigkeit keine Spur mehr. Keck streckt sie dem Henker mit seiner Peitsche den Hintern entgegen und lacht.Ein bisschen Klimbim, so das Fazit, steckt also immer noch in der 67-Jährigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Große Tat auf kleinem Rad: Michel Descombes tritt für krebskranke Kinder in die Pedale

Michel Descombes trotzt auf seiner „Tour der Hoffnung“ Corona. Er sammelt für krebskranke Kinder und machte am Donnerstag Halt in Homberg.
Große Tat auf kleinem Rad: Michel Descombes tritt für krebskranke Kinder in die Pedale

Gudensberg: Zwei Radlader im Wert von 110.000 Euro von Firmengelände gestohlen

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurden zwei Radlader im Gesamtwert von 110.000 Euro von einem Firmengelände im Gudensberger Bahnwiesenweg gestohlen.
Gudensberg: Zwei Radlader im Wert von 110.000 Euro von Firmengelände gestohlen

Nachnutzung der Treysaer St. Martin-Schule: SPD schlägt Jugend- und Kulturzentrum vor

Aus dem ehemaligen Standort der St. Martin-Schule in Treysa könnte in naher Zukunft ein Jugend- und Kulturzentrum werden. Diesen Vorschlag hat jüngst die SPD-Fraktion in …
Nachnutzung der Treysaer St. Martin-Schule: SPD schlägt Jugend- und Kulturzentrum vor

Schwalmstadt startet mit Kunsthandwerk und vielen Angeboten in die Michaeliswoche

Heute startet in Schwalmstadt die Michaeliswoche. Mit ihr wollen der Gewerbe- und Tourismusverein G.u.T sowie die Stadt Schwalmstadt zur Stärkung des Einzelhandels vor …
Schwalmstadt startet mit Kunsthandwerk und vielen Angeboten in die Michaeliswoche

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.