In Ziegenhain brodelt’s: Veraltete Grafiken von geplantem JVA-Neubau sorgen für Zoff an allen Fronten

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Schwalmstadt. Manche Ziegenhainer sehen sich massiv in ihrer Sicherheit bedroht, andere fürchten um den Gesichtsverlust der alten Festungsstadt. Fü

Schwalmstadt. Manche Ziegenhainer sehen sich massiv in ihrer Sicherheit bedroht, andere fürchten um den Gesichtsverlust der alten Festungsstadt. Für insgesamt 14,5 Millionen Euro (aufgeteilt auf die Gefängnisse in Ziegenhain und Frankfurt III) plant das Land Hessen auf dem Gelände der JVA Schwalmstadt einen Neubau für Sicherungsverwahrte (wir berichteten). 60 männliche rückfallgefährdete Sexual- und Gewalttäter sollen dort zukünftig untergebracht werden.

"Aufklären und einbinden der Bürger in das sensible Thema seitens des Ministeriums, das ist jetzt das Allerwichtigste. Wir wollen nicht vor gemachte Tatsachen gestellt werden", hatte Bürgermeister Wilhelm Kröll noch Anfang September nach Wiesbaden gerufen, jetzt ist dem Stadtoberhaupt der Kragen geplatzt.

Kröll verweist nach Wiesbaden

Eine örtliche Tageszeitung veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom Donnerstag bereits Grafiken des geplanten Neubaus  und sorgt damit für Irritation an allen Fronten. Auf Nachfrage des Schwälmer Boten schimpft Kröll: "Absolut kein Kommentar! Ich bin sauer! Wenden sie sich ans Ministerium!" Dort bezeichnet man die Grafiken als veraltet und keineswegs endgültig.

Justizsprecher Hans Liedel hat keinen blassen Schimmer wo die Grafiken herkommen, ist sich aber sicher: "Offiziell aus dem Ministerium jedenfalls nicht." Das gute Verhältnis zu den Bürgern und der Stadt solle nicht gefährdet werden", beteuert Liedel. Die Würfel seien noch nicht gefallen. "Im Gegenteil: Justizstaatssekretär Rudolf Kriszeleit wird am Donnerstag, 6. Oktober, vor Ort den Planungsstand vorstellen und die Stimmung aufnehmen", sagt Liedel.

Angst vor toter Festung

Das Forum Ziegenhain und der Arbeitskreis Festung hoffen dann auf Klärung von vielen Fragen. Holger Meyer vom Forum Ziegenhain: "Der Ausbau der Sicherungsverwahrung hat ja vielleicht weitere qualifizierte Arbeitsplätze in der Region zur Folge, wir fragen uns aber, welche Entwicklungsperspektiven für Ziegenhain und die Festung damit verbunden sein können."

Durch die Erfahrungen mit dem Neubau der JVA in den 70er Jahren befürchtet das Forum eine weitere städtebauliche Verschlechterung für die Wasserfestung Ziegenhain mit ihrer geschichtlichen Bedeutung bis über das Land Hessen hinaus. "Es wäre schlimm, wenn in der Festung zukünftig nicht mehr gewohnt wird und sie nur noch aus einer JVA mit angegliederter Sicherungsverwahrung besteht", mahnt Meyer.

Zu einem städtebaulichen Konzept, wie es die Interessengemeinschaft fordert, gehöre der Erhalt von Gebäuden und Freiflächen in der Festung sowie eine verkehrstechnische Lösung für die Durchfahrtsstraße. "Wir stehen dem Gefängnisneubau grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber, fordern aber, dass das Bauwerk die Sichtachsen auf Schloss und Schlosskirche so wenig wie möglich beeinträchtigt", sagt Bernd Völker vom Arbeitskreis Festung.

Der Arbeitskreis sorgt sich zudem um den einzigen noch erhaltenen Kugelkeller der Festung: "Die Überbauung von historischen Festungsbauwerken lehnen wir kategorisch ab", erklärt Bernd Völker in einer Stellungnahme des Arbeitskreises.

Beschwichtigende Worte aus Wiesbaden: Das Minsterium habe bereits verkündet, dass der Arbeitskreis in die Planungen mit einbezogen werden soll. In was für einem Maße Mitsprache erwünscht ist, darüber herrscht in Ziegenhain aber noch Unklarheit.

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