Zwei Kandidaten und viele Fragen: Das erste gemeinsame Interview zur Bürgermeister-Wahl in Melsungen

+

Melsungen. Noch 18 Tage bis zur Bürgermeisterwahl in Melsungen. Die heiße Phase des Wahlkampfs ist eingeläutet. Jetzt gilt es für ´ (SPD) und Mar

Melsungen. Noch 18 Tage bis zur Bürgermeisterwahl in Melsungen. Die heiße Phase des Wahlkampfs ist eingeläutet. Jetzt gilt es für ´ (SPD) und Markus Boucsein (parteilos) die Bürger von sich überzeugen. Was zählt sind Argumente, aber auch Ausstrahlung. Wir luden die Beiden ein, zum ersten gemeinsamen Interview:

Herr Boucsein, Sie sagen "parteilos kann mehr". Was können Sie mehr?

Boucsein: Als parteiloser Bürgermeister bin ich in der Lage verschiedene Mehrheiten zu finden.

Hund: Das kann aber auch problematisch sein. Siehe Felsberg.

Boucsein: Es gibt auch sehr viele Beispiele wo das gut klappt. Es liegt an der Person.

Frau Hund, Sie werben damit die erste Bürgermeisterin im Schwalm-Eder-Kreis zu werden. Was kann Frau besser?

Hund: Grundsätzlich möchte ich nicht als Frau, sondern als Melsungerin gewählt werden. Aber als Frau hat man schon einen anderen Blick, etwa auf das Thema Sauberkeit in der Stadt.

Boucsein: Das Geschlecht spielt in dieser Frage keine Rolle.

Herr Boucsein, Sie arbeiten in verantwortlicher Position bei B.Braun. Der Konzern hat großen Einfluss auf die Geschicke von Melsungen. Steigt dieser Einfluss mit Ihnen im Rathaus?

Boucsein: Nein! Natürlich hat B.Braun als stärkster Industriepartner Möglichkeiten, die sinnvoll umgesetzt werden sollten. Es kann aber nicht das Ziel sein, nach der Nase von B.Braun zu handeln.

Frau Hund, was ist die richtige Medizin für Melsungen. Oder anders gefragt: Was können Sie als Apothekerin mit ins Rathaus nehmen?

Hund:Vor allem die Liebe zu den Menschen. Außerdem hört man auch viel. Und natürlich meinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund.

Sie waren in den letzten Wochen viel unterwegs, um für sich zu werben. Welches Problem drückt die Melsunger am meisten?

Boucsein: Ich habe eine gewisse Sehnsucht nach Umsetzung neuer Ideen gespürt. Das Bewährte ist gut, reicht vielen aber nicht und führt zu langsamen Prozessen. Für die Stadteile ist besonders die Anbindung an die Kernstadt wichtig.

Hund: Mit der Anbindung an die Kernstadt gebe ich Dir völlig recht. In Röhrenfurth geht es zusätzlich um den Schulstandort. In Schwarzenberg um die Regiotram-Haltestelle und das DGH. In Günsterode wiederum ist die Bewaldung ein Problem.

Boucsein: Ja genau, die DGHs sind heilig...

Hund: ...und ja auch fast immer ausgebucht.

Frau Hund, Sie sprechen in Ihrem Wahlflyer davon Bowlingbahn, Kino und Disco nach Melsungen zu holen. Viele Jugendliche würden sich sicherlich freuen. Aber wie wollen Sie das schaffen?

Hund:Das muss man planen. Aber in Fritzlar geht es doch auch. Wir brauchen einen Investor und mehr Angebote junge Menschen, wie etwa für Studenten und Praktikanten...

Boucsein: ...also Studenten sehe ich nicht als Zielgruppe für Melsungen. Die wollen dort leben wo sie studieren. Man könnte aber mit der Eislauf- und Rollschuhbahn anfangen und einen Gastronomen dazu holen. Das kostet auch kein Geld. Ich stimme Ulrike aber zu, wenn ein Investor gefunden wird, greift ein Rad ins andere. Aber noch ist das wohl mehr Wunsch als Wirklichkeit.

Hund: Herr Postlep (Präsident der Universität Kassel, Anm. d. Red:) kann sich durchaus vorstellen, dass Teile  der Universität und damit Studenten nach Melsungen kommen, ähnlich wie in Witzenhausen.

Herr Boucsein, Sie bemängeln die Attraktivität Melsungens für Touristen. Was wollen sie ändern?

Boucsein: Melsungen ist aus der Sicht des Gastes nicht attraktiv. Wir haben da unsere Hausaufgaben nicht gemacht. Zum Beispiel hat die Stadt versäumt, für Sauberkeit zu sorgen. Wenn Müll rumliegt, ist das ein schlechtes Aushängeschild. Und dann läuft hier ein einzelner Mann mit einem Besen rum, der kann das doch gar nicht schaffen.

Hund: Aber Markus, der städtische Mitarbeiter mit dem Besen hat doch auch eine soziale Komponente!

Boucsein: Ja, aber der könnte sicherlich auch eine Kehrmaschine bedienen.

Hund: Kehrmaschinen können bei der Pflasterung nicht eingesetzt werden.

Boucsein:Stimmt nicht. Außerdem haben Besucher keine Ahnung was Melsungen bietet, weil es zu wenig Informationen gibt. Geradezu symbolisch ist für mich, dass wir keine ausreichende Beleuchtung an der Uferpromenade bis in die Ortsteile haben.

Hund:Du musst aber auch zugeben: Vieles liegt in privater Hand. Wie beispielsweise der Campingplatz in Obermelsungen.

Frau Hund, ihre Partei hat im Parlament die Einrichtung einer Fachwerkbörse abgelehnt. Warum?

Hund: Das macht schon der Zweckverband Mittleres Fuldatal. Anfragen können beim Citymanager, Herrn Okrafka, gebündelt werden.

Boucsein: Ich sehe das ganz anders. Der Citymanager kann kein Ansprechpartner für Immobilien sein. Was wir brauchen ist die Stärkung der städtischen Immobiliengesellschaft in gemeinsamer Trägerschaft mit Industrie und Banken. Wir müssen da viel größer denken.

Hund:Ein Stück weit ist das  genau das, wo die Städtische Wohnbaugesellschaft hin will. Es gibt auch schon konkrete Überlegungen, die aber noch nicht spruchreif sind.

Boucsein:Die Stadt wird doch da keine Millionen reinpumpen. Wir brauchen ein neues Geschäftsmodell.

Womit wir schon mitten im umstrittenen  Thema Baugebiete wären. Sie, Herr Boucsein, fordern neue Bauplätze auch in der Kernstadt.

Boucsein:Ja, ich will erreichen, dass jemand der anfragt auch Wahlmöglichkeiten hat. Manche wollen sich eben ihr Traumhaus bauen.

Hund:Aber da gibt es doch in den Stadtteilen durchaus Möglichkeiten.

Boucsein:Nicht jeder will aufs Dorf.

Hund: Okay, aber ich finde wir sollten dann eher mal ein bestehendes Haus abreißen. Denn dann spart man sich die Erschließungskosten. Ich habe mehr Angst davor, dass überalternde Siedlungen die Stadt überfordern.

Boucsein: Stimmt, reicht aber nicht.

Hund: (lacht) Wir sollten das gemeinam machen! Schade, dass Du erst mit 50 Dein Coming-out als Politiker hattest.

Herr Boucsein, Sie haben die Idee, junge Migranten und Senioren  näher zusammen zu führen. Wie soll das aussehen?

Boucsein:Wir brauchen keine isolierten Seniorenbereiche, wie in den Teichwiesen, sondern gemischte Wohnformen.

Spüren Sie dazu auch eine Bereitschaft?

Boucsein: Nicht explizit in Melsungen. Aber in größeren Städten schon...

Hund: ...wir sind aber hier in Melsungen.

Boucsein: Ich glaube die Bereitschaft ist da. Die Haspel ist ein gutes Beispiel. Da geben Senioren Kochkurse für die Jugendlichen.

Hund: Die Haspel macht seit vielen Jahren eine sehr gute Arbeit. Es gibt aber noch mehr Potential. Etwa mit der Einrichtung eines Mehrgenerationenhauses wie in Felsberg.

Sie beide versprechen den Bürgern so manche Wohltat. Auf der anderen Seite hat Melsungen elf Millionen Euro Schulden. Muss man da nicht auch ans Sparen denken?

Hund: Also der Rettungsschirm ist der SuperGAU. Da geht alles unter. An dem was wir haben, etwa kostenlose Kindergartenplätze, dürfen wir aber nicht rütteln. So verschuldet sind wir nicht. Mit der Enerkom (Gemeinsame Energie- und Netzgesellschaft, Anm. d. Red.) und mehr interkommunaler Zusammenarbeit können wir viel erreichen. Ich will neue Einnahmen generieren und so in drei bis vier Jahren einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen.

Boucsein: An den etablierten Angeboten sollten wir nichts ändern. Auch die interkommunale Zusammenarbeit ist sehr wichtig. Melsungen muss dabei aber den Hut aufbehalten. Die Probleme liegen wo anders.

Wo denn?

Boucsein: Beispiel Haspel: Hier wurde viel zu lange mit der Renovierung gewartet. Jetzt wird es sehr teuer.

Hund:...moment, da sind Schäden aufgetaucht, die man vorher nicht sehen konnte...

Boucsein: ...vielleicht hätte man einen anderen innerstädtischen Standort für die Haspel finden können.

Hund: Welchen?

Boucsein:Da hätte man sicherlich was finden können. Auch die Erweiterung der Fußgängerzone braucht niemand. Genauso wenig wie eine überdachte Brückenstraße.

Hund: Die Fritzlarer Straße wird keine Fußgängerzone, sondern nur optisch angepasst. Das sorgt für Belebung und das haben sich die Anwohner so gewünscht. Die Überdachung ist eine Vision. Und die braucht es eben auch.

Zum Abschluss noch eine versöhnliche Frage: Welche Eigenschaft schätzen sie am jeweils anderen?

(Hund und Boucsein schauen sich lange an, überlegen)

Hund:Wir können uns beide gut leiden. Wir lassen da keinen Keil zwischen und treiben.

Boucsein: Du bist für mich authentisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Baustellenparty zum Schulfest der CJD Oberurff für die neue Sporthalle

Am morgigen Samstag, 25. Mai, wird es besonders musikalisch an der CJD Oberurff in Bad Zwesten: Große Baustellenparty mit mehreren Bands soll Sporthalle mitfinanzieren.
Baustellenparty zum Schulfest der CJD Oberurff für die neue Sporthalle

Loshäuser Burschenschaft lädt zu ihrer Kirmes ein

Wie jedes Jahr haben die Loshäuser Burschenschaftsmitglieder drei Tage tolles Programm vorbereitet.
Loshäuser Burschenschaft lädt zu ihrer Kirmes ein

Röllshausen: Versuchter Betrug und Beschädigung durch Dachrinnenarbeiten

Vier unbekannte Männer demontierten und beschädigten am Mittwoch, 22. Mai, gegen 13.30 Uhr  Mittag in der Straße "Anspann" in Röllshausen die Dachrinne eines Hauses und …
Röllshausen: Versuchter Betrug und Beschädigung durch Dachrinnenarbeiten

Versuchter Enkeltrick in Wabern: 87-Jähriger bemerkt den Betrug noch rechtzeitig

Der Senior hatte schon mehrere tausend Euro bereitgelegt, ließ sich jedoch nicht auf eine Übergabe des Geldes ein.
Versuchter Enkeltrick in Wabern: 87-Jähriger bemerkt den Betrug noch rechtzeitig

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.