Zweifelhafter Unterhaltungswert - Ein Kommentar von Gerald Schmidtkunz zum "Unwort des Jahres"

"Doener-Morde" wurde zum Unwort des Jahres gewaehlt. Collage: Pfeil
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"Doener-Morde" wurde zum Unwort des Jahres gewaehlt. Collage: Pfeil

Die Experten der Sprach- und Literaturwissenschaft sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren – oder besser gesagt: was sie glauben zu sein: Die

Die Experten der Sprach- und Literaturwissenschaft sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren – oder besser gesagt: was sie glauben zu sein: Die Hüter der deutschen Sprachkultur.

"Döner-Morde", sagen sie jetzt, habe die Wahrnehmung der Menschen verhängnisvoll beeinflusst. Worin dieses Verhängnis bestanden haben soll, sagen sie uns nicht. Es scheint, als wollte uns die Sprachwissenschaft weise machen, ein anderer Name, gar ein "richtiger" kriminalistischer Terminus hätte die Verbrechen verhindert.

Noch haarsträubender ist die Unterstellung: "Döner-Morde" habe die politische Dimension der Mordserie verkennen lassen. Also bitte, wir wollen doch mal die Kirche im Dorfe lassen: Ein Mord an einem ausländischen Imbissbudenbesitzer ruft doch nicht automatisch den Verfassungsschutz auf den Plan, der dann gleich in Richtung rechtsradikalem Terrorismus ermittelt! Mit dem heutigen Fakten-Wissen für damals die Erkenntnis politischer Dimensionen einzufordern, ist der Polizei gegenüber einfach nur unfair.

Unbestritten, in der Sache sind den Ermittlern schwere Fehler unterlaufen. Die lassen sich aber ganz sicher nicht auf den plakativen Namen der Mordserie reduzieren.

Nein, mehr als einen zweifelhaften Unterhaltungswert bringt das "Unwort des Jahres" schon lange nicht mehr auf die Waage. Wirklich erreichen können die Sprachwissenschaftler mit ihren Brandmarkungen  gar nichts; auch die Unwörter verbleiben ja im Sprachschatz. Statt dessen stolpern die Hüter-Genies inzwischen über ihre eigene, sagen wir mal, sprachliche Schöpferkraft. So existierte das im Juryurteil über die "Gutmenschen" verwendete Experten-Wort "Ansehung" bislang nicht. Auch der Duden kennt es nicht. Vielleicht wollten die Wissenschaftler mit "Ansehung" einen Mischmasch aus "Ansehen" und "würdigender Betrachtung" suggerieren?

Oder es ergeht ihnen schlicht wie allen Menschen in Führungspositionen: "Wenn die Leute die Dinge nicht mehr ändern können, ändern sie die Begriffe."  Dieser Satz stammt von dem französischen Reformpolitiker Jean Jaurès – 1914 von einem Nationalisten ermordet.

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