Zwischen Tradition und Après-Ski-Party

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Ziegenhain. Großer Andrang beim 28. Schwälmer Weihnachtsmarkt.

Ziegenhain. Tradition und Moderne unter einen Hut zu bringen war schon immer sehr schwierig, daher gingen die Meinungen zum neu konzipierten Weihnachtsmarkt in Ziegenhain auseinander. Egal, ob mit Skepsis oder spannungsvoller Erwartung, am Wochenende zog es mehr Besucher in die ehemalige Wasserfestung als die Jahre zuvor. Über 80 Stände boten Holzspielzeug, warme Socken, Schneidbrettchen mit dem eigenen Namen und vieles mehr an.

Pflaume-Rum-Punsch, schwedischer Glögg oder heißer Caipirinha waren nur einige der unzähligen Heißgetränkeangebote auf dem Markt und mit knurrendem Magen musste auch niemand nach Hause gehen. Die Veränderungen waren ständiges Thema bei den Gästen aus nah und fern, vielen fehlten besonders die Märchendarstellungen der Kinder im Zentrum, andere genossen den Freiraum, auch mal ohne Besucherstrom an dem einen oder anderen Stand zu verweilen. "Das war doch immer so schön mit den Schafen", vermissten beispielsweise Helga Schneider und Enkelin Emma die lebendige Krippe.

Englisch kontra Schwälmisch

Durch die Öffnung des Platzes zum Museum hin, kam die neue Bühne sehr gut zur Geltung und die Akteure viel mehr Aufmerksamkeit. "Leider hatten wir nur zwei Anmeldungen für die Märchenwettbewerbe", bedauerte der neue Marktmeister Gerd Reidt die schwache Resonanz, "das Interesse war größer, aber die Vorbereitungszeit war zu knapp", erklärte er.

"Dos verschditt mer jo gor nit", bemängelte eine ältere Besucherin in "akzentfreiem Schwälmisch" und meinte die Aufführung "Little red riding hood" der CBS. Anderen wiederum gefiel die englische Version des Märchens vom Rotkäppchen. Völlig zweigeteilt war das Urteil über den Samstagabend, als die Bässe aus den Lautsprechern bis ans andere Ende des Platzes dröhnten. Mike der Bademeister, Alm-Klausi und das Ballermann-Radio verwandelten den Weihnachtsmarkt in eine Après-Ski-Party, die sehr vielen jungen und junggeblieben Gästen gefiel. "Das hat doch nichts mit Weihnachtsstimmung zu tun", wetterten dagegen die Traditionalisten am Rande der Geschehens, die allerdings trotzdem gerne die verlängerten Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes nutzten. Das trockene Sonntagswetter lockte die Menschen erneut in Scharen nach Ziegenhain und als großer Familientag klang der 28. Schwälmer Weihnachtsmarkt am frühen Abend aus. "Wir werden im kommenden Jahr sicherlich das eine oder andere noch verändern", lautete Gerhard Reidts Fazit nach dem turbulenten 33-stündigen Programm.

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