Zynismus statt Barrierefreiheit

Stadt Schwalmstadt fordert Bahn AG zum Handeln aufVon ALEXANDER GBERTTreysa. Und wieder einmal das liebe Geld. Wenn es um den behindertengerecht

Stadt Schwalmstadt fordert Bahn AG zum Handeln auf

Von ALEXANDER GBERT

Treysa. Und wieder einmal das liebe Geld. Wenn es um den behindertengerechten Umbau der Bahnhfe geht, gibt sich die Deutsche Bahn AG sparsam. Die Schwerflligkeit des Unternehmens zeigt sich am Beispiel des Bahnhofes in Treysa. Whrend mittlerweile in Wilhelmshhe uneingeschrnkte Barrierefreiheit herrscht, sind die Hindernisse in Treysa eklatant.

Der Weg auf den Bahnsteig fhrt nur durchs schlecht gekennzeichnete Hintertrchen. Eine Rampe am Haupteingang sucht man vergebens. Um nach Kassel zu gelangen, muss der Reisende zum Gleis 2. Die geschtzten 30 Treppenstufen und sechs Hhenmeter in die Unterfhrung sind nicht nur fr Rollstuhlfahrer unberwindbar. Ein Fahrstuhl: Fehlanzeige! Bleibt also nur der Weg direkt ber die Gleise. Der bergang ist erst krzlich fr Unbefugte verboten worden, so steht es auf einem Warnschild.

Planungsstand laut der Allianz pro Schiene: Auch nach 2011 wird der Bahnhof in Treysa nicht barrierefrei sein. Laut Auskunft der Bahn AG ist der Standort Treysa nicht im vorrangigen Umbaubedarf. Das kann doch nicht wahr sein, sagt Brgermeister Wilhelm Krll. Mit Nachdruck fordert deshalb jetzt die Stadtverordnetenversammlung die Deutsche Bahn AG in einer Resolution auf, die erforderlichen Schritte zu einem behindertengerechten und damit barrierefreien Umbau wieder aufzunehmen und zeitnah in die Wege zu leiten. Krll: Schwalmstadt ist Sitz der diakonischen Einrichtung Hephata und damit Wohn- und Arbeitssttte fr einige hundert Menschen mit Behinderung, die auf den Bahnhof angewiesen sind. Die treffen auf unberwindbare Probleme. hnlich schwierig stelle sich die Situation fr Bahnreisende mit Kinderwagen, Fahrrad oder Gehhilfen dar.

Bitte woanders einsteigen

Auf Anfrage der Stadtverwaltung bei der Bahn AG, wie Zge Richtung Kassel ohne die Gleise zu queren erreicht werden knnen, habe das Unternehmen geantwortet: Behinderte Menschen sollten doch bitte an einem anderen Bahnhof zu- oder aussteigen, um in Richtung Kassel zu gelangen. Das grenzt doch an Zynismus, erbost sich Brgermeister Krll.

Ein in 2005 vom Planungsbro Ikos im Auftrag der Bahn erstelltes Entwicklungskonzept liege bereit, wann der Umbau beginnen knne, stehe aber in den Sternen.

Die Bahn sei schlichtweg nicht bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. Anders der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) der habe bereits angekndigt sich finanziell mit einzubinden. Die Kosten von geschtzten 100.000 Euro kann die Stadt nicht allein schultern. Aber allein die Bereitschaft der Bahn, an den Planungen mitzuwirken, ist viel wert.

Kurzfristig fordert die Stadtverordnetenversammlung die Bahn dazu auf, den Zugang zu Gleis 2 mittels einer Schranke und Sprechanlage sicherzustellen. Das funktioniere schlielich entlang der Main-Weser-Bahn an mehreren Stellen problemlos. Eine Stellungnahme der Bahn AG lag bis zum Redaktionsschluss nicht vor.

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