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Tafel für Tiere in Kassel

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Nach Tierart sortiert: Im Lager der Kasseler Wau-Mau-Insel füllen Kristina Conrad und Volker Grebe die Regale mit Futter auf.
Nach Tierart sortiert: Im Lager der Kasseler Wau-Mau-Insel füllen Kristina Conrad und Volker Grebe die Regale mit Futter auf. © Krümler

Im Tierheim Wau-Mau-Insel – damit auch Hunde, Katzen und Co. genug zu essen bekommen

Kassel. In unserer Gesellschaft leben immer mehr Menschen mit einem zu geringen Einkommen – und die Corona-Pandemie hat die Lage noch einmal verschärft. Ersparnisse sind aufgebraucht, ganze Branchen liegen lahm, nicht alle Betroffenen können die Soforthilfen des Staates beantragen. Kein Wunder, dass fast 40 Prozent der bundesweit über 950 Tafeln mehr Hilfesuchende verzeichnen. Viele dieser Menschen leben mit Haustieren zusammen. Und genau diesen Personenkreis unterstützt das Kasseler Tierheim Wau-Mau-Insel seit einigen Monaten mit einer speziellen Tiertafel. Tierbesitzer aus Kassel und Umgebung können sich registrieren lassen und dann unbürokratisch Tierfutter und Tierzubehör kostenlos erhalten.

Das Angebot der Tiertafel richtet sich u. a. an Menschen mit geringem Einkommen, Bezieher von ALG II, oder wenig Rente aber auch an Personen ohne festen Wohnsitz. Bedingung: die Bedürftigkeit muss nachgewiesen sein und die Betroffenen müssen bereits mit ihrem Haustier zusammen leben. „Wir möchten, dass Menschen ihre Tiere behalten könne, wenn es finanziell eng wird oder ist“, so Ildiko Dirlewanger, die sich bereits seit knapp 25 Jahren ehrenamtlich im Tierschutz engagiert. „Neuanschaffungen können aber nicht berücksichtigt werden.“ Ebenso wie Haushalte von sogenannten Tiermessies; um dieses Tierschutzproblem müssen sich andere Institutionen in anderer Form kümmern.

Die Idee zur Tafel hatte Tierheimleiter Karsten Plücker bereits vor einigen Jahren, das Vorhaben scheiterte immer an geeigneten Räumlichkeiten. „Mit dem Neubau des Hundehauses konnten wir dieses Projekt im August 2020 endlich verwirklichen“. Mittlerweile nutzt ein fester Kreis von circa 45 Kundinnen und Kunden das Angebot der Tafel. Insgesamt schätzt Karsten Plücker die Zahl derjenigen, die Unterstützung benötigen, auf rund 200 ein.

Ildiko Dirlewanger, Norbert Bobel sowie Rita und Holger Grebe bilden bei unserem Besuch das Team der Tiertafel. Zu ihren Aufgaben gehört die Annahme von Sachspenden und das Einsortieren ins Lager vor allem aber die Ausgabe des Tierfutters. Gerade neuen Kundinnen und Kunden ist es oftmals unangenehm, um Futter zu bitten, aber mit der zugewandten Freundlichkeit und ein paar warmen Worten der Teammitglieder ist schon bald das Eis gebrochen. Und so wird die Übergabe der Futterrationen nicht nur zu einem reinen Transferakt, sondern mündet sehr oft auch in ein persönliches Gespräch. „Gerade zu den Menschen, die regelmäßig kommen, baut man schon ein persönliches Verhältnis auf. Zuhörer, Ratgeber, Beichtvater, alles das sind wir hier manchmal auch“, erzählt Norbert Bobel.

Und natürlich kennt das Team in vielen Fällen die speziellen Vorlieben oder Bedürfnisse der vierbeinigen Lieblinge. „Manche Tiere haben Allergien oder vertragen bestimmtes Futter nicht, darauf achten wir dann schon“, bestätigen die Ehrenamtlichen. Irgendetwas passendes findet sich bestimmt im Lager. Hier gibt es nicht nur Hunde- und Tierfutter in allen Varianten, je nach Spendeneingang kann das Team sogar Futter für Hamster, Meerschweinchen und Co. sowie diverses Tierzubehör heraus geben.

Die Tafel in der Wau-Mau-Insel lebt von Spenden, in finanzieller Form aber gern auch als Sachspende. Das Team bittet allerdings darum, bei der Auswahl Sorgfalt walten zu lassen, Angebrochene Futterbehälter oder Zubehör wie Leinen, Körbchen oder Kratzbäume kurz vor dem Verfall können selbstverständlich nicht angenommen werden. Geöffnet ist die Tafel zweimal im Monat am Mittwoch von 16 bis 18 Uhr und am Samstag von 11 bis 13 Uhr. Natürlich unterliegt auch die Wau-Mau-Insel den jeweils gültigen Corona-Verordnungen. Für die menschlichen Besucher der Tiertafel bedeutet dies: Maske auf und Abstand einhalten.

Tierarzt-Sprechstunde

Seit März 2021 wurde das Angebot der Tiertafel um eine Tierärztliche Sozialsprechstunde für registrierte Tiertafel-Nutzer erweitert. Nun können Tierbesitzer ihre Lieblinge nach vorheriger Terminvereinbarung auch kostenlos tierärztlich untersuchen, impfen, chippen und gegebenenfalls auch kastrieren lassen. Da die Tierärztliche Sozialsprechstunde zwar für die Tierbesitzer, aber nicht für das Tierheim kostenlos ist und nach Gebührensatz abgerechnet werden muss, sind Spenden natürlich herzlich willkommen.

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