Trotz Schonzeit: Grundstück gerodet - Architekt hält sich nicht an Gesetz

Rückschnitte und Abholzung waren nur bis Ende Februar erlaubt. Wer trotzdem in der Schonzeit zum Kahlschlag ansetzt, verstößt gegen das Bundesnaturschutzgesetz und riskiert ein Bußgeld. Dem Grundstücksbesitzer in den Stockwiesen war das wohl egal. 
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Rückschnitte und Abholzung waren nur bis Ende Februar erlaubt. Wer trotzdem in der Schonzeit zum Kahlschlag ansetzt, verstößt gegen das Bundesnaturschutzgesetz und riskiert ein Bußgeld. Dem Grundstücksbesitzer in den Stockwiesen war das wohl egal. 

Die Anwohner waren über die Aktion schockiert, werfen dem Grundstücksbesitzer Vorsatz vor und stellten Strafanzeige.

Er ist ein Freund von modernen Bauwerken und anspruchsvoller Architektur. Scheint aber kein Naturfreund zu sein! Denn: Trotz Schonzeit rodete ein Kasseler Architekt mit seinen Helfern am Samstag ein Grundstück in Bad Wilhelmshöhe (Stockwiesen). „Eine große Hecke Bäume und Gebüsch wurden einfach abgeholzt“, so ein Anrainer (Name der Redaktion bekannt).

Die Anwohner waren über die Aktion schockiert, werfen dem Grundstücksbesitzer Vorsatz vor und stellten Strafanzeige. „Er hat bereits in der Woche zuvor versucht, das Grundstück zu roden. Daraufhin verständigten wir Anwohner das Ordnungsamt und konnten die Aktion verhindern. Bis zum Samstag. Da ist der Grundstücksinhaber mit Helfern zurück gekommen.“

Die Polizei bestätigte, dass gegen den Diplom-Ingenieur wegen einer Ordnungswidrigkeit im Naturschutzgebiet ermittelt wird. Das übernimmt aber die Untere Naturschutzbehörde, da das Amt für solche Sachen zuständig ist.

In der Zeit vom 1.März bis zum 30. September jedes Jahres schreibt das Bundesnaturschutzgesetz das sogenannte „Sommerrodungsverbot“ vor. Ziel dieser gesetzlichen Regelung ist es, alle Tiere zu schützen, welche Bäume und Sträucher als Lebensraum nutzen. Der Zeitraum umfasst die Reproduktionszeit dieser Tierarten, so dass z.B. Vögel ungestört ihr Nest bauen, brüten und ihre Jungen aufziehen können. Gleiches gilt aber auch für die Fortpflanzung von Baumbewohnern wie dem Eichhörnchen oder dem Baummarder. Insekten profitieren ebenfalls von der Regelung, da Hummeln, Bienen oder Schmetterlinge so im Frühling und Sommer mehr nektarreiche Blüten vorfinden.

In der Zeit des Sommerrodungsverbotes sind lediglich schonende Form- und Pflegeschnitte zulässig, dass entspricht der Beseitigung des frischen jährlichen Zuwachses der Pflanzen. Schnitte im älteren, verholzten Geäst oder gar ein bodennahes Zurücksetzen oder komplettes Entfernen sind nicht erlaubt. Sollte in den Pflanzen bereits ein belegtes Nest befinden, ist auch der Pflege- und Formschnitt nicht erlaubt.

„Aufgrund der zunehmenden Sensibilität der Bevölkerung hinsichtlich des Natur- und Umweltschutzes erhält die Untere Naturschutzbehörde regelmäßig Anrufe über die Beseitigung oder den Schnitt von Gehölz- oder Baumbeständen während dieser gesetzlichen Schutzzeit“, berichtet Claas Michaelis, Pressesprecher der Stadt Kassel. Nicht in jedem Fall handele es sich dabei um illegale Maßnahmen. „Dies zu prüfen ist jedoch Aufgabe der Unteren Naturschutzbehörde, so dass im Falle der Unklarheit gerne dort nachgefragt werden kann.“

„Bei einem Verstoß gegen die Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetz liegt eine Ordnungswidrigkeit vor, welche mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Die Höhe des Bußgeldes wird dabei für den einzelnen Tatbestand ermittelt und richtet sich u. a. nach der gerodeten Gehölzfläche und auch der ökologischen Bedeutung im innerstädtischen Bereich. Die Ordnungswidrigkeit für den Schnitt von Hecken und Sträuchern kann mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Im Falle des unzulässigen Fällens von Bäumen greift hier die städtische Baumschutzsatzung, die sogar bis zu 100.000 Euro Bußgeld ermöglicht.“

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