Verbrechen in Nordhessen: Monika S. wurde 2015 getötet – bis heute gibt es keinen Hinweis auf den Täter

Am Tatort suchte die Polizei mehrere Tage lang nach Hinweisen. Dabei kamen nicht nur Taucher und die Wasserschutzpolizei zum Einsatz, auch das angrenzende Gebüsch und Gras wurde zur besseren Spurensuche bearbeitet. 
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Am Tatort suchte die Polizei mehrere Tage lang nach Hinweisen. Dabei kamen nicht nur Taucher und die Wasserschutzpolizei zum Einsatz, auch das angrenzende Gebüsch und Gras wurde zur besseren Spurensuche bearbeitet. 

True Crime, also wahre Verbrechen, sind momentan in aller Munde. Doch der Tod als Trend? Da muss man mit Fingerspitzengefühl agieren, wenn man alte Verbrechen aus der Region aufrollen und in Erinnerung rufen möchte. Immer mit Blick auf die Opfer, die zu Schaden kamen, aber auch mit dem auf die Täter, die das Recht haben, nach abgegoltener Strafe ein neues Leben anzufangen. So haben wir bei den meisten Artikeln dieser Serie die Namen aller Beteiligten geändert.
Wir möchten an die spektakulärsten Straftaten in der Region erinnern – und dabei Wissenswertes rund um das Thema Strafverfolgung und die Fälle mitgeben. Denn die menschlichen Abgründe gibt es auch bei uns in Nordhessen. Manche Fälle sind gelöst, einige wenige sind nach wie vor offen. Doch wir alle wissen: Mord verjährt nicht und vielleicht ergibt sich ja noch eine heiße Spur.

Kassel. Ein Mensch verschwindet und taucht einige Wochen später wieder auf – tot in einem Gebüsch. So geschehen in Kassel im Jahr 2015. Und auch wenn mittlerweile rund 65,2 Prozent der polizeilich bekannt gewordenen Straftaten aufgeklärt werden (Stand 2019) und es der mit Abstand höchste jemals gemessene Wert ist, seit Einführung der Kriminalstatistik im Jahr 1971, bleiben manche Verbrechen offen. So wie der gewaltsame Tod von Monika S.

Was war geschehen?

Monika S. verschwand Ende März 2015. Im Mai 2015 wurde sie tot am Fulda-Radweg in Wolfsanger gefunden. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war sie 58 Jahre, 1,72 m groß, schlank, hatte lange dunkle Haare und auffallend schlechte Zähne.

Am Mittwoch, 6. Mai 2015 fanden Spaziergänger gegen 14 Uhr den Leichnam einer zunächst unbekannten Frau in einem Gebüsch des Fulda-Radwegs in der Verlängerung des Bleichenwegs in Höhe des Kleingartenvereins im Stadtteil Wesertor. Der Leichnam war mit Gartenabfällen bedeckt und mit schwarzem T-Shirt und Unterhemd sowie einer schwarzen Lederhose bekleidet. In den darauffolgenden Tagen wurde der beliebte Radweg zum Tatort und statt Radlern sah man nun Polizisten in Schutzanzügen bei der Spurensicherung, Taucher von der Bereitschaftspolizei aus Mühlheim im Wasser und die Wasserschutzpolizei in Booten auf der Fulda. Dichtes Buschwerk und hohes Gras wurden für eine vereinfachte Tatortuntersuchung geschnitten. Wie lange die Tote dort lag, konnte bei den Ermittlungen der eingerichteten Soko Hafen nicht genau bestimmt werden. Den Ermittlern zu Folge hielt sich das nun identifizierte Opfer Monika S. – auch Monique genannt – vor ihrem Tot häufig in der Obdachlosenszene auf. Letztmalig war sie am 28. März 2015 in Kassel lebend gesehen worden. Ihr Rucksack und zwei Handys konnten am Tatort nicht gefunden werden. Die Kripo ging damals davon aus, dass Monika S. kurz nach ihrem Verschwinden getötet wurde und ihren Mörder vermutlich kannte. Der Fundort muss zudem nicht unbedingt auch der Tatort gewesen sein.

Auch nach einem Jahr intensiver Ermittlungen der Soko Hafen konnte das Verbrechen nicht geklärt werden. Im Dezember 2016 lief ein Filmbeitrag zu dem ungeklärtem Tötungsdelikt bei ‚Aktenzeichen XY‘ im ZDF-Abendprogramm, doch auch nach der Ausstrahlung und dem Hinweis, dass die Staatsanwaltschaft Kassel für Hinweise, die zur Aufklärung des Falls führen, eine Belohnung von 3.000 Euro ausgelobt hat, gab es keinen Durchbruch in diesem Fall. Zwar erhielt man rund 20 Hinweise über das Umfeld und zu Kontakten von Monika S., eine heiße Spur war jedoch nicht dabei. Bis heute ist der Fall ungeklärt.

Wer Hinweise zu diesem Fall geben kann, meldet sich bei der Kriminalpolizei Kassel unter Tel. 0561 910 0.

EXTRA INFO: Werden Fälle ‚kalt‘?

Mord verjährt nicht und auch wenn Verbrechen länger zurückliegen, können sie Jahrzehnte später noch gelöst werden. Denn die Kriminaltechnik entwickelt sich weiter.
„Die Akten ungeklärter Fälle, z.B. ungeklärte Tötungsdelikte, werden von den zuständigen Kriminalbeamten regelmäßig auf neue Ermittlungsansätze überprüft. Durch ständig verbesserte Untersuchungsmethoden kann die Auswertung ältere Spuren, die am Tatort gesichert werden, auch Jahre später zum Erfolg führen. Vollkommen abgeschlossen wird beispielsweise ein ungeklärter Mord somit nie“, heißt es auf Anfrage von der Polizei Nordhessen. Zehn ungeklärte Mordfälle werden auf der Webseite der Polizei Hessen aufgeführt, darunter auch der an Monika S. aus Kassel.

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