Wald auf Hauptstraße gestellt: 200 Tannenbäume bewalden Steinweg

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Unter den Mitgliedern des Aktionsbündnis: Adrian Schlegel und Anna Verena Lumma.
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Künstlerisch aktivistische Installation: 200 Tannenbäume wurden am Montag auf den Steinweg aufgestellt
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Eine Fahrspur des vielbefahrenen Steinweg machten Aktivisten zum Tannenwald. Natürlich wurden dafür keine Bäume abgeholzt, sondern alte Weihnachtsbäume genutzt.

Unter den Mitgliedern des Aktionsbündnis: Adrian Schlegel und Anna Verena Lumma.

Kassel. "Gerade in Kassel, wo unser Stadtbild so stark vom Landschaftskunstwerk der 7.000 Eichen geprägt ist, muss dessen Titel heute wieder ernst genommen werden: "Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung". Joseph Beuys beklagte schon 1982, dass die Bäume, sowie die Natur überhaupt, entrechtet wurden und wollte mit seiner sozialen Plastik ein Zeichen für Naturschutz und Wideraufforstung setzen. Heute brauchen wir mehr denn je ein solch sichtbares politisches Signal für die Rechte der Natur.", so Anna Verena Lumma

„Wenn ihr Straßen durch den Wald baut, bauen wir einen Wald auf die Straße“, so das Motto eines Aktionsbündnis, deren Mitglieder am Montag 200 Tannenbäume auf die die Fahrbahn des Steinwegs in Kassel gestellt haben.

Dass in Zeiten der globalen Klimakrise keine ausreichenden umweltpolitischen Entscheidungen getroffen werden, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen, kritisiert ein breites Bündnis aus verschiedenen Initiativen und Privatpersonen in Kassel. Dem Aufruf von Raamwerk folgend, bildete sich ein breites Bündnis bestehend aus Bürgerinitiative keineA44 - Verkehrswende JETZT, BUND Kassel, BUND Kaufungen, Changing Cities, Fridays for Future Kassel, Falken Kassel, Extinction Rebellion Kassel, KligK, LiLi Uni Kassel, Naturfreunde Kassel, Naturfreunde Kaufungen, Parents for Future Kassel, Radentscheid Kassel, ruangrupa, YXK Kassel und viele individuelle engagierte Unterstützer*innen.

Künstlerisch aktivistische Installation: 200 Tannenbäume wurden am Montag auf den Steinweg aufgestellt

Durch eine künstlerisch aktivistische Installation mit ausrangierten Weihnachtsbäumen soll auf die anhaltende Umweltzerstörung durch Straßenbau aufmerksam gemacht werden und ein Zeichen für die Dringlichkeit einer ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Verkehrs- und Mobilitätswende gesetzt werden. Das Bündnis deklariert die Rodungen und Bauvorhaben der A49 im Dannenröder Forst und die bevorstehenden Eingriffe für den Ausbau der A44 im nahe gelegenen Stiftswald bei Kaufungen als klimaschädliche Mobilitätskonzepte von gestern. Auch der bundesweite, trotz Protest teils gewaltsam durchgesetzte Ausbau an Infrastruktur für Autos, steht bei dieser Aktion in der Kritik. Deshalb soll für einen Tag die erste gepflasterte Straße und eine der Hauptverkehrsadern Kassels zum Wald werden. Am Montag, den 18. Januar von 12 – 16 Uhr, wird daher eine Spur des Steinwegs sinnbildlich von Bäumen zurückerobert. Aufgrund der aktuellen Situation werden bei der angemeldeten Versammlung Bäume stellvertretend für Menschen demonstrieren. Um Ansteckungen zu vermeiden, wurde auf einen Aufruf zur Präsenz verzichtet.

„Für viele Menschen sind die Infrastrukturprojekte im wahrsten Sinne sehr weit weg und deren Folgen für Natur und Klima zu abstrakt. Wir bringen das Thema deswegen mitten in die Stadt und damit direkt vor die Haustür der Menschen. Wir laden sie ein, darüber nachzudenken und fordern die Politik auf, jetzt zu handeln! Obwohl die Schäden sich besonders deutlich in den deutschen Wäldern und auch hier im Habichtswald abzeichnen und sichtbar sind, handelt die Politik auf lokaler, Land- und Bundesebene nicht in einem Ausmaß, das unser Klima und damit unsere Lebensgrundlage schützt. Sie roden den wertvollen und gesunden Dannenröder Forst und es werden weitere folgen. Hier stellen sich die Fragen nach Verantwortung und Weitsicht. Als Erinnerung: Kassel will 2030 klimaneutral sein. Wir müssen jetzt in die Umsetzung kommen. Da können und müssen alle mithelfen.“, sagt Samson Kirschning von Raamwerk.

„Der Pariser Vertrag wurde unterschrieben und uns wurde immer wieder versprochen, dass jetzt alles getan wird um das Klima zu retten. Aber Fakt ist – wir beschwören weiterhin wirtschaftliches Wachstum über unsere Verhältnisse und steuern damit auf die 4 Grad zu. Und das, obwohl wir die Konsequenzen für unser Klima kennen. Die Wissenschaft findet eindeutige Worte und Handlungsziele, die wir erfüllen müssen, um zumindest Schadenbegrenzung zu erreichen. Ich verstehe nicht, warum diese Fakten so wenig Berücksichtigung in politischen Entscheidungen finden. Es wird weitergemacht, als gäbe es kein Morgen. Aber das gibt es. Ich bin das Morgen. Und viele andere sind das Morgen. Und es wird endlich Zeit, dass unsere Stimme gehört wird. “, betont Marlene Schwarz von Fridays For Future Kassel

"Die Proteste gegen die A49 sind noch lange nicht vorbei und werden keine Eintagsfliege sein. Die Klimagerechtigkeitsbewegung in Kassel, sowie auf der ganzen Welt, werden die weitere Zerstörung des Planeten durch ein Mobilitätskonzept von gestern nicht weiter hinnehmen. Sollte die A49 entgegen unserer Hoffung und Erwartung noch fertiggestellt werden, wird es definitiv die letzte Autobahn durch Hessische Wälder sein.", sagt Charlie Fuchs von Klimagerechtigkeit Kassel

"Lasst uns einander wachrütteln und endlich handeln! Es kann nicht sein, dass hauptsächlich die jüngere Generation immer wieder dazu antreibt die Klimaziele zu erreichen. Von älteren Generationen höre ich oft Sätze wie: „Das ist nicht mehr mein Job.“ oder „Was sollen wir da noch groß machen?" Aber es steht außer Frage, dass Klimaschutz eine solidarische Aufgabe aller Menschen ist, egal welcher Generation und auch jener, welche sich in ihren Politiker*innen-Sesseln bei diesem Thema nur zurück zu lehnen scheinen. Deshalb fordern wir mehr Achtsamkeit und dass alle ihrer Verantwortung nachkommen. Wir sollten uns darüber bewusst werden, dass der Wald auch schon vor uns da war. Spielen unsere Kinder mit Beton Klötzchen, auf Beton Klötzen, neben Beton Klötzen?", fragt Alischa Brocke.

Diejenigen, die sich ebenfalls engagieren möchten seien eingeladen sich zu melden, betonen die Vertreter*innen der verschiedenen Initiativen. Ob es weitere gemeinsame Projekte geben wird, schließt das Bündnis nicht aus. Spätestens nächstes Jahr um die gleiche Zeit könnte mithilfe der Bürger*innen Kassels eine viel größere Fläche in der Stadt temporär zum Wald umgewandelt werden. Wie wäre es mit 7.000 Tannenbäumen? Allerdings besteht die leise Hoffnung, dass eine solche Aktion dann nicht mehr nötig sei.

Rubriklistenbild: © Schaumlöffel

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