3.916 Unfälle im Kreis - Wild ist vielfach eine Gefahr

Die aktuelle Statistik der Polizeidirektion gibt Auskunft über die bekannt gewordenen Verkehrsunfälle in Waldeck-Frankenberg. Dabei werden seit 2015 in jedem Jahr rund 3.900 Verkehrsunfälle registriert, 2020 ist die Zahl der Wildunfälle auf nunmehr 1.514 gestiegen.

Waldeck-Frankenberg - Die aktuelle Statistik der Polizeidirektion gibt Auskunft über die bekannt gewordenen Verkehrsunfälle in Waldeck-Frankenberg. Dabei werden seit 2015 in jedem Jahr rund 3.900 Verkehrsunfälle im touristisch beliebten Landkreis registriert, in dem es selbst rund 121.000 zugelassene Fahrzeuge (Stand 2018) gibt. Erfreulich ist, dass sich nach einem Anstieg in 2018 die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschäden wieder deutlich verringert hat. 2018 waren es 565 Unfälle dieser Art und zuletzt 514.

Logischerweise passieren die meisten Unfälle dort, wo der meiste Verkehr herrscht. Auffällig ist, dass es innerorts auf den kleinen Straßen (1406 Unfälle) am häufigsten kracht. Außerhalb der Orte sind Landesstraßen (952 Unfälle) demnach am gefährlichsten, gefolgt von Bundesstraßen. Auf letzteren ereigneten sich 805 Unfälle, das sind 49 mehr als im Vorjahr. In 2019 starben 6 Menschen bei Verkehrsunfällen, 2018 waren es 10. Ein rückläufiger Trend zeichnet sich auch bei der Zahl der Schwerverletzten ab. Bei den 3.916 Verkehrsunfällen wurden 191 Personen schwerverletzt. Damit sank die Zahl der Schwerverletzten seit Erhebung der statistischen Zahlen erstmals unter 200. Auch gemeinsam mit den Todesfällen betrachtet, ist es der geringste Wert in den vergangenen fünf Jahren. Dort waren es durchschnittlich mehr als 240 Personen die erheblich verletzt wurden.

Bei den meisten Verkehrsunfällen, nämlich bei 3.576, waren PKW involviert. Das sind 91,32 Prozent aller registrierten Verkehrsunfälle. Bei der Zahl der Verunglückten sieht es ähnlich aus. Von den 700 verunglückten Personen sind 458 Menschen bei der Verkehrsbeteiligung „PKW“ registriert. Das sind 65,43 Prozent der Gesamtverunglückten. Betrachtet man die Aufzählung der 514 „Verkehrsunfälle mit Personenschäden“ nach Monaten und Tagen so kann man zu dem Schluss kommen, das 2019 Dienstage im Dezember möglicherweise die sichersten auf den heimischen Straßen waren. Im Dezember gab es die wenigsten dieser Unfälle (26) und an Dienstagen 2019 ereigneten sich mit Abstand die wenigsten dieser Unfälle (58). Umgekehrt waren es der Juni und der September mit den meisten (jeweils 61) Verkehrsunfällen mit Personenschäden und diese Art der Unfälle ereigneten sich freitags (89) mit Abstand am häufigsten. Gefährlicher wurde es auf den Straßen zumeist zwischen 13 und 18 Uhr, wobei die Häufigkeit der Unfälle bis 15 Uhr stetig zunahm und erst danach langsam sank.

Verkehrsunfallflucht

Die Polizei registriert immer mehr Unfallfluchten. Zuletzt machten sich 714 Unfallverursacher aus dem Staub, nach dem sie Schäden angerichtet hatten. Dabei handelte es sich meistens um Sachschäden, allerdings wurden in 36 Fällen auch Menschen verletzt. In den vergangenen fünf Jahren steigt die Zahl der Unfallfluchten stetig. 2015 lag die Zahl noch bei 667 Unfallflüchtigen. Die Aufklärungsquote liegt knapp über einem Drittel bei 35 Prozent.

Risiko für Kinder als Mitfahrer

„Kinder waren im vergangenen Jahr an 32 Verkehrsunfällen beteiligt. Damit ist die Zahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Kindern um 18,52 Prozent gestiegen. Bei diesen Unfällen wurden 27 Kinder verletzt, 9 davon schwer. Bei keinem der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Kindern handelt es sich um Schulwegunfälle. 15 Kinder wurden als Mitfahrer in einem PKW verletzt und 5 als Fahrradfahrer“, berichtet die Polizei.

Risiko für jugendliche Kradfahrer

Jugendliche waren im Jahr 2019 an 46 Verkehrsunfällen beteiligt. Bei 3 Unfällen handelt es sich um Schulwegunfälle. Bei diesen Schulwegunfällen wurde eine Jugendliche (Bad Arolsen) getötet. 2 Jugendliche verletzten sich leicht. Laut Polizei fällt auf, dass mit 39 unfallbeteiligten Jugendlichen die überwiegende Zahl männlich ist. „Dies deutet auf eine risikobereitere Teilnahme der männlichen Jugendlichen am Straßenverkehr hin. Mit 15 ereigneten sich die meisten Unfälle als Fahrer oder Mitfahrer auf einem Krad und 13 als Fahrer oder Mitfahrer in einem PKW.

Die positiven Erfahrungen der letzten Jahre beim „Begleitenden Fahren mit 17“ setzt sich auch in diesem Berichtszeitraum fort. Hier sind lediglich 3 (1) VU zu verzeichnen, an denen ein BF 17-Inhaber beteiligt war. Als Unfallverursacher sind sie dabei 2 Mal registriert. Ein Jugendlicher wurde verletzt (kein Unfallverursacher).“

Jung vs. Alt im PKW

Die Autofahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren waren an 19,74 Prozent aller registrierten Unfälle beteiligt waren. Mit 722 Unfällen ereigneten sich die weitaus meisten Verkehrsunfälle in dieser Altersgruppe als Fahrer oder Mitfahrer in einem PKW. Die Altersgruppe 65 bis 74 Jahre war zuletzt an 363 Verkehrsunfällen beteiligt. Auffällig ist auch hier, dass das männliche Geschlecht bei der Zahl der Verunglückten überproportional vertreten ist, mit 65,33 Prozent. Rechnet man die Altersgruppe „75plus“ mit den 286 Unfällen hinzu, in dieser Altersgruppe ist die Überrepräsentation der männlichen Unfallbeteiligten am deutlichsten (71,11 Prozent), so liegt die Unfallzahl bei den jüngeren Autofahrern immer noch darüber.

Fußgänger, Radfahrer, Motorradfahrer; LKW- und Busfahrer

Die Anzahl der Unfälle an denen Fußgänger beteiligt waren, ist mit 60 gegenüber dem Vorjahr mit 127 deutlich gesunken. Eine Erklärung hat die Polizei dafür nicht. Die Entwicklung müsse weiter beobachtet werden. Die Zahl der Fahrradunfälle beträgt genau wie im Vorjahr 72.

Motorisierte Zweiräder waren bei 125 Verkehrsunfällen involviert, wobei 112 Menschen zu Schaden kamen. Das ist Rückgang um 44 Unfällen gegenüber dem Vorjahr oder 26,04 Prozent. Besonders bei Motorrädern über 125ccm ereigneten sich weniger Unfälle. Bei 307 Unfällen waren LKW beteiligt, 28 weniger als im Vorjahr. 57 Busunfälle, 4 weniger als im Vorjahr, ereigneten sich. Hauptunfallursachen waren genau wie bei den LKW das Wenden/Rückwärts-/Ein-/Anfahren und Abstand halten.

Unfallursachen

Die Zahl der Wildunfälle ist von 1436 auf nunmehr 1514 gestiegen. Aufgrund der hessenweit außergewöhnlich hohen Wildunfallzahlen hat sich im Nov. 2009 der Arbeitskreis Wildunfälle unter Beteiligung aller Fachbehörden gebildet. Ziel ist es, die Wildunfallzahlen zu senken (Wildreflektoren, Wildzäune, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Warnzeichen).

Die Zahl der Wildunfälle konnte in den letzten 5 Jahren bei etwa 1.400 stabilisiert werden. Allerdings wird dabei auf eine stark steigende Tierpopulationen verwiesen. Die 1.514 Wildunfälle machen 38,66 Prozent an der Gesamtzahl der hiesigen Verkehrsunfälle aus. Mit dem Ansteigen der Wildunfälle um 78 VU erklärt sich der Gesamtanstieg aller Verkehrsunfälle um 22 auf nunmehr 3.916.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg ereignen sich 6,78 Prozent aller in Hessen polizeilich registrierten Wildunfälle. Zu wenig Abstand war bei 301 Unfällen ursächlich. Die Unfallursache „Geschwindigkeit“ hat sich bei durchschnittlich mehr als 250 Unfällen im Jahr seit 2016 eingependelt. Bei 202 Unfällen wurde einem Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt genommen. Im Jahr 2019 standen Verkehrsteilnehmer bei 101 Unfällen (Vorjahr: 88) unter dem Einfluss von Alkohol und/oder anderer berauschender Mittel. Das sind 2,58 Prozent gemessen an der Zahl der Gesamtunfälle, allerdings mehr als in den beiden vorangegangenen Jahren. 2017 waren es 77 dieser Unfälle. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor bei der Unfallursache „Alkohol“. Dies war bei 87 Unfällen der Fall.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Horn

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