Abschied eines Pfälzers

Waldeck-Frankenberg. Der scheidende Landrat Helmut Eichenlaub verabschiedet sich vom Landkreis in einer Pressemitteilung. Nach einem Resmee sein

Waldeck-Frankenberg. Der scheidende Landrat Helmut Eichenlaub verabschiedet sich vom Landkreis in einer Pressemitteilung. Nach einem Resmee seiner Erfolge rumt er keine Fehler ein. Vielmehr handele es sich um Mentalittsprobleme, die ihm als Pflzer das Leben schwer gemacht haben.Vielleicht war ich in der Verfolgung der von mir als richtig erkannten Ziele zuweilen etwas zu euphorisch oder ungeduldig. Ich betone aber nochmals, alles was ich getan habe, geschah in bester Absicht. Unser frherer Bundeskanzler Helmut Kohl, wie ich ebenfalls Pflzer, hat seine Landsleute einmal wie folgt charakterisiert: Die Pfalz beheimatet - soweit sich solche allgemeinen Feststellungen treffen lassen - einen frhlichen und weltoffenen Menschenschlag, der viel Sinn fr gesellschaftliches Zusammenleben und die Freuden der Zeit hat und dem dogmatischen Denken abgeneigt ist. Besser knnte man es nicht ausdrcken und so sehe auch ich mich. Aber ich rume auch ein, dass diese Mentalitt nicht immer ganz kompatibel zur nordhessischen ist.

Der Abschied von Helmut Eichenlaub im Original:

"Liebe Mitbrgerinnen und Mitbrger,

zum letzten Mal darf ich mich heute in meiner Funktion als Landrat des Landkreises Waldeck-Frankenberg aus Anlass des bevorstehenden Jahreswechsels mit einer Botschaft an Sie wenden. Nach 12 Jahren als Landrat, 25 Jahren als kommunaler Wahlbeamter und insgesamt 36 Jahren im ffentlichen Dienst habe ich mich, sozusagen in der Mitte meines beruflichen Lebens stehend, dafr entschieden, mich noch einmal neuen Aufgaben zu stellen und neuen Herausforderungen zuzuwenden.

Zunchst einmal mchte ich feststellen, dass ich sehr gerne Landrat in unserem schnen Kreis war. Die Aufgabe ist anspruchsvoll, aber auch sehr erfllend. Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen versucht, Waldeck-Frankenberg im Konzert der Regionen so gut wie mglich zu positionieren und alle Chancen fr die Zukunft zu wahren. Wie weit mir dies gelungen ist, das mgen andere beurteilen. Ich bin aber berzeugt davon, dass wir Entscheidungen getroffen und Projekte auf den Weg gebracht haben, die zukunftsweisend waren und sind.

In den vergangenen 12 Jahren wurden insgesamt 130 Millionen Euro in den Schulbau investiert, eine gewiss einmalige Summe fr eine Gebietskrperschaft von der Gre Waldeck-Frankenbergs, darber hinaus mehr als 40 Millionen in den Kreisstraenbau und fast 34 Millionen in den Bereich der allgemeinen Bauunterhaltung. Bildung genoss immer Prioritt in meinem Handeln, das zeigt nicht zuletzt die Einrichtung der Hochschule Waldeck-Frankenberg, die es jungen Menschen erlaubt, wohnortnah einen qualifizierten Abschluss zu erwerben. Ohne Zweifel eine wichtige Weichenstellung gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

Ein Schwerpunkt meiner Arbeit war auch die Sicherung des Kreiskrankenhauses in Frankenberg, die mittlerweile gelungen ist. Es ist unser aller Wunsch, diese Einrichtung fr die Menschen in Waldeck-Frankenberg auf Dauer zu sichern.

Immer noch skeptisch betrachtet werden das Sale and lease back Geschft oder der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an unserem regionalen Energie- und Verkehrsdienstleiter EWF. Ich bin sicher, dass man aus einer ferneren Rckschau erkennen wird, dass diese Transaktionen segensreich waren. Deshalb wrde ich es immer wieder genauso machen, denn ich wei, dass wir dadurch in einem groen Umfang finanzielle Spielrume geschaffen haben.

Erwhnen mchte ich auch die konsequente Umgestaltung der Verwaltung zum Dienstleistungsunternehmen fr die Brgerinnen und Brger und den Aufbau der virtuellen Kreisverwaltung, die es ermglicht, bestimmte Anliegen auch online ber das Internet zu regeln. Eine Herzensangelegenheit war mir stets die Pflege und der Ausbau der nationalen und internationalen Partnerschaften. Diese waren im brigen alle politisch gewollt und vom Kreistag beschlossen. Wenn man nun versucht, diese nachtrglich als eine Art Privatvergngen des Landrats darzustellen, so trifft das sicher nicht den Kern.

Vielleicht war ich in der Verfolgung der von mir als richtig erkannten Ziele zuweilen etwas zu euphorisch oder ungeduldig. Ich betone aber nochmals, alles was ich getan habe, geschah in bester Absicht. Mglicherweise waren hier auch die Temperamentsunterschiede zwischen mir als gebrtigem Pflzer zu den Nordhessen am deutlichsten sichtbar. Die Pfalz, im Sdwesten Deutschlands gelegen, ist ein Landstrich mit viel Sonne und einer Jahrhunderte alten Weinbautradition. Unser frherer Bundeskanzler Helmut Kohl, wie ich ebenfalls Pflzer, hat seine Landsleute einmal wie folgt charakterisiert:

Die Pfalz beheimatet - soweit sich solche allgemeinen Feststellungen treffen lassen - einen frhlichen und weltoffenen Menschenschlag, der viel Sinn fr gesellschaftliches Zusammenleben und die Freuden der Zeit hat und dem dogmatischen Denken abgeneigt ist.

Besser knnte man es nicht ausdrcken und so sehe auch ich mich. Aber ich rume auch ein, dass diese Mentalitt nicht immer ganz kompatibel zur nordhessischen ist.

Wenn ich nun den Landkreis an meinen gewhlten Nachfolger bergebe, so tue ich dies in dem Bewusstsein, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben. Dennoch steht Waldeck-Frankenberg und mit ihm alle anderen Landkreise in Deutschland vor groen Problemen, die aber von auen an uns herangetragen wurden. Auf kommunaler Ebene haben wir stets eine solide und auf Konsolidierung ausgerichtete Finanzpolitik gepflegt. Aber oft sind Erfolge dadurch zunichte gemacht worden, dass uns neue Aufgaben von bergeordneten staatlichen Ebenen ohne entsprechende Geldzuweisungen bertragen wurden und unsere Bemhungen zum Scheitern brachten.

Jetzt stehen wir im Schatten einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, die ausgelst wurde durch das kriminelle Handeln und die grenzenlose Profitgier gewissenloser Elemente. Sie wirft uns weit zurck und selbst die Konjunkturprogramme vermgen hier nicht nachhaltig zu helfen. Ich mchte aber meinem Nachfolger und allen denjenigen, die jetzt politische Verantwortung in Waldeck-Frankenberg tragen, den Rat geben, als kommunale Familie zusammenzustehen. Der Kreis und seine Kommunen mssen einen gerechten Weg finden, die Lasten zu teilen, auf keinen Fall drfen sie sich auseinanderdividieren lassen. Nur dann werden sie bestehen knnen. Keine leichte Aufgabe fr die Entscheidungstrger, aber ich bin sicher, sie knnen es schaffen. Dazu brauchen sie aber Ihre Untersttzung und Ihr Vertrauen, liebe Mitbrgerinnen und Mitbrger.

Ich verabschiede mich nun von Ihnen, aber in der festen Hoffnung, dass wir uns gegenseitig nicht aus den Augen verlieren. Ich wnsche Ihnen alles Gute fr das Jahr 2010, Erfolg, Glck und Gesundheit und vor allem die Kraft, auch schwierige Situationen zu bestehen.

Mit den besten Wnschen

Helmut Eichenlaub"-Landrat-

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