Grundstück der Wilke Wurst-Skandal Fabrik sorgt für Ärger

Was soll mit dem ehemaligen Produktionsstandort nach dem Wilke Wurst-Skandal in Berndorf geschehen? Der Landkreis würde das Gelände gerne der Gemeinde Twistetal schenken. Doch der Bürgermeister und die FDP sind davon nicht begeistert.

Twistetal -  Die FDP Twistetal und ihr angehörende Bürgermeister Stefan Dittmann halten das Grundstück, auf der die ehemalige Wilke Wurstfabrik steht, für ein „vergiftetes Geschenk“, das der Gemeinde gemacht werden soll, wie die hna berichtet.

Während sich demnach die Gemeindefraktionen von CDU, SPD, Grünen und Freien Wählern dafür aussprechen, rechnet die FDP rechnet mit bis zu drei Millionen Euro Kosten für Abriss und Erschließung. Außerdem stünden Grundsteuern von rund 30.000 Euro und die Verkehrssicherungspflicht dann auf der Rechung für die Gemeinde.

Das sei zu viel, zumal die Haushaltlage in Twistetal angespannt sei. Die Liberalen wollen lieber eine Machbarkeitsstudie abwarten und würden gerne auf Förderprogramme setzen, wobei es schon eine Absage gegeben habe. Deswegen fordern sie mit Blick auf den Lebensmittelskandal bei Wilke mehr Unterstützung vom Landrat und dem Land Hessen.

Die Art und Weise der öffentlichen FDP-Äußerungen wiederum ruft nun die SPD-Kreistagsfraktion auf den Plan. Sie ist erstaunt darüber, mit welcher Vehemenz die Twistetaler FDP versucht, die Schuldigen für das Desaster der Firma Wilke „außerhalb ihrer Gemeinde zu finden und Opfer zu Tätern zu machen“.

„Um es klipp und klar zu sagen, der Landrat trägt dafür so viel Verantwortung wie beispielsweise der Richter dafür, dass ein Verbrecher im Gefängnis landet. Der Landrat ist hier doch nur als Sprecher der Allgemeinheit aufgetreten, der den Verantwortlichen der Twistetaler Firma gesagt hat: Ihr seid für eine Gefahr für die Allgemeinheit verantwortlich, es sind schon Menschen gestorben. Ihr seid nicht in der Lage, diese Gefahr anders abzuwenden, deswegen muss ich jetzt die Notbremse ziehen“, erklärt Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling.

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden liegt die Fachaufsicht bei dem Regierungspräsidenten als Mittelbehörde und dem Ministerium in Wiesbaden als oberster Landesbehörde. „Und gegenüber der Sparkasse haben die Verantwortlichen der Firma Wilke die wahren Zustände bestimmt nicht offengelegt, sonst hätten sie die Darlehen wahrscheinlich erst gar nicht mehr bekommen; so etwas nennt man normalerweise Betrug.“

Kalhöfer-Köchling fragt sich: „Was will die Twistetaler FDP denn eigentlich? Wenn der Konkursverwalter sich zurückgezogen hat und niemand mehr für das Grundstück da ist, liegt die Verkehrssicherungspflicht sowieso bei der Gemeinde. Und wenn jetzt nicht relativ schnell etwas geschieht, dann gewöhnen sich alle erst daran, dass das Gebäude da in Berndorf an der Straße steht und vor sich hin bröckelt. Um das zu verhindern, haben sich der Landkreis bzw. die anderen Gemeinden im Landkreis bereit erklärt, 500.000 Euro auf sich zu nehmen, die betrogene Sparkasse verzichtet auf einen Großteil ihrer Forderungen und die Gemeinde Twistetal bekommt das Grundstück geschenkt.“

„Twistetal bekommt so bei einem Bodenrichtwert in Berndorf innerorts von 25 Euro/qm für das Wilke-Areal mit 35.000 qm was 875.000 Euro entspricht. Dafür muss Twistetal zunächst einmal nichts bezahlen, weil die anderen Gemeinden bereit sind, den Kaufpreis über den Kreis zu tragen. Wenn das Areal erst mal in Grundstücke üblicher Größe aufgeteilt und kein reines Gewerbegebiet mehr ist, wird der Bodenrichtwert so hoch sein wie in den das Wilke-Areal umgebenden Gebieten, nämlich 40 Euro pro qm. Das bedeutet dann einen Wert von 1.400.000 Euro“, rechnet der SPD-Fraktionsvorsitzende vor.

„Und wenn die Abrisskosten hoch sind, dann ist es am Bürgermeister, sich um eine Förderung durch passende Landesprogramme zu kümmern und sich nicht gleich von der ersten Absage abschrecken zu lassen. Das Umweltministerium hilft bestimmt gerne weiter. Und selbst wenn Abrisskosten von 1,5 Millionen Euro bei der Gemeinde blieben, wäre es an dem Twistetaler Bürgermeister, das Grundstück zu vermarkten. Baugrundstücke am hinteren Ende des Geländes könnten bestimmt gut verkauft werden. Andere Investoren für den vorderen Teil an der Bundesstraße ließen sich finden, wenn man nur suchte. Die Lage, direkt an der Bundesstraße, fast in Korbach, macht das Grundstück doch attraktiv für Firmen und private Bauherren“, meint der Fraktionschef.

Seines Wissens nach hat „Landrat Kubat hat mit Bürgermeister Dittmann bereits im Februar 2020 vereinbart, dass eine Machbarkeitsstudie eingeholt werden soll; die könnte längst fertig sein. Allerdings hat Bürgermeister Dittmann im März und im Mai 2020 nach einem Zuschuss seitens des Kreises gefragt und damals bereits die Zusage der 500.000 Euro bekommen. Warum wird man in Twistetal jetzt erst munter? Wertvolle Zeit ist ungenutzt verloren gegangen. Jetzt kommt es allerdings auf ein paar Tage mehr oder weniger auch nicht an“, so Kalhöfer-Köchling.

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/dpa

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